• Peter Eisenhut, Präsident Stiftung Zukunft.li
    Peter Eisenhut, Präsident Stiftung Zukunft.li  (Michael Huwiler)

Wirtschaftsaussichten 2018: Champagnerlaune?

«Zuversicht ist angebracht, Euphorie fehl am Platz.»

Frühling ist auch die Zeit des Rückblicks und des Ausblicks auf die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei fällt das Fazit erfreulich aus: Der US-Konjunkturmotor erhöht die Tourenzahl, die Wirtschaft in der Eurozone wächst dynamisch, auch die grossen Schwellenländer entwickeln sich positiv und die einheimische Wirtschaft erhält Rückenwind. Die US-Wirtschaft legte in der zweiten Hälfte des Jahres an Dynamik zu und läuft seither mit viel Schwung, insbesondere dank den steigenden Konsumausgaben. Die Arbeitslosenquote in den USA ist auf ein 17-Jahres-Tief gefallen. Die Eurozone überraschte insgesamt mit einem Wachstum von rund 2.4 Prozent. Das ist das höchste Wachstum seit Ausbruch der Eurokrise. Ein Blick auf einzelne Euro-Länder zeigt, dass in Deutschland Hochkonjunktur herrscht: Sowohl die Exporte als auch die Investitionen haben kräftig angezogen. Auch Spanien gehört zu den Konjunkturlokomotiven. Von Frankreichs Präsidenten werden wachstumsfördernde Reformen erwartet, so dass die Wirtschaft an Tempo zulegen sollte. In Italien scheint sich der Aufschwung langsam zu festigen, wobei das Land nach den jüngsten Wahlen gespalten bleibt. Grossbritanniens Wirtschaft hat seit der Brexit-Abstimmung einen kleinen Dämpfer erlitten. 

Und wie geht es Liechtenstein? Die liechtensteinische Volkswirtschaft hat von diesem breit abgestützten Wachstum der Weltwirtschaft Rückenwind erhalten. Sie dürfte 2017 ein ansehnliches Wachstum erreicht haben. Davon zeugen die guten Jahresabschlüsse vieler Unternehmungen. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung schlägt sich auch der stärkere Euro in den Büchern der Exporteure nieder. Legten die Exporte im vergangenen Jahr noch um 1.5 Prozent zu, starteten sie in den ersten beiden Monaten mit einem hohen Zuwachs von 6 Prozent in das neue Jahr. Mit einem Exportumsatz von rund 102 000 Franken pro Beschäftigten und Jahr ist Liechtenstein eine besonders starke Exportregion. Liechtenstein erzielt zudem Jahr für Jahr beachtliche Handelsbilanzüberschüsse, letztes Jahr belief sich der Überschuss auf 1.4 Milliarden Franken. Der wichtigste Absatzmarkt ist Europa, rund die Hälfte aller Exporte geht in die Länder der Eurozone. Dabei zeigt sich eine hohe Wechselkurssensibilität der liechtensteinischen Exporte, d.h. dass die Ausfuhren in die Euroländer stark mit den Schwankungen des Eurokurses korrelieren.

Die Konjunkturumfrage bei Liechtensteiner und Ostschweizer Industriefirmen vom Januar 2018 fällt erfreulich und sehr ähnlich aus. Ermutigend ist vor allem, dass nach einer langen Durststrecke – gekennzeichnet von Margendruck und Frankenstärke – sich nun auch die Ertragslage wieder verbessert, vornehmlich bei Industriebetrieben in Liechtenstein. Die Baufirmen in Liechtenstein beurteilen die konjunkturelle Entwicklung vorsichtiger als ihre Branchenkollegen auf Schweizer Seite. In kurzer Frist scheint die Dynamik in der Bauwirtschaft etwas nachgelassen zu haben, auch wenn sich die 2017 erteilten Baubewilligungen nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegen. Die Ertragssituation im Bau ist angespannt und der Druck auf die Margen hoch – auch aufgrund der hohen Konkurrenz. 

Das erfreuliche internationale Umfeld hat auch die Banken beflügelt. Sie berichten von hohen Neugeldzuflüssen und markanten Gewinnsteigerungen. In der Treuhandbranche ist der Himmel zwar noch nicht ganz so blau, aber die Wolkendichte hat deutlich nachgelassen. Weniger gut läuft es im Detailhandel, jedenfalls deuten die Daten aus der Schweiz und der Ostschweiz darauf hin. Einkaufstourismus und Digitalisierung inklusive Online-Handel rütteln die Branche kräftig durch. Gemäss Ansichten der Detailhändler sollte der Tiefpunkt nun aber durchschritten sein.

Alles in allem: die Weltwirtschaft ist im Hoch. Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit sind tief, die Exporte wachsen, der Euro ist stark und die Auftragsbücher sind gut gefüllt, also Champagnerlaune? Zuversicht ist angebracht, Euphorie fehl am Platz. Denn Champagnerlaunen sind gefährlich und je länger sie andauern, desto gefährlicher werden sie. Allzu oft folgt darauf eine Katerstimmung.

31. Mär 2018 / 13:00
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