• Volkmar Ritter.

Token-Ökonomie

Im Vernehmlassungsbericht der Liechtensteinischen Regierung zum Blockchain-Gesetz wird oft die Token-Ökonomie und deren Anwendungspotential angeführt. Ich werde versuchen anhand einer Anwendung, bei der keine physischen Güter oder Anteilsrechte an den Token gebunden sind, die neuartigen Möglichkeiten einer solchen Token-Ökonomie zu skizzieren.

Ein Social-Media-Netzwerk ist im Entstehen und verteilt sogenannte Token an die Benutzer für die Inhalte, welche diese in das Netzwerk stellen. Ein ausgeklügelter Algorithmus bestimmt dabei wie erfolgreich oder wertvoll jeder Beitrag ist. Es werden aber nicht nur Inhalte belohnt, sondern auch Kunden und Benutzer, welche wiederum neue Teilnehmer in das Netzwerk bringen. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, sich an der Weiterentwicklung des Netzwerkes in Form von Programmierung zu beteiligen, wie man dies von Open Source Software Projekten kennt. Auch hier wird jede Mehrwert schaffende Kontribution mit Token belohnt.

Nehmen wir an, dieses Netzwerk ist erfolgreich und hat sich eine für Werbung interessante Community geschaffen. Anders als auf aktuellen Plattformen, wie beispielsweise Facebook, muss diese Werbung aber mit dem netzwerkeigenen Token bezahlt werden. Der Werbetreibende muss also solche Token direkt oder indirekt erstehen, um seine Werbung zu schalten. Verkäufer dieser Token sind alle, die solche während des Auf- und Ausbaus des Netzwerkes erhalten haben. Käufer sowie Verkäufer können natürlich auch reine Investoren sein. Somit hätten wir Angebot und Nachfrage für diese Token, welche nun auf einer oder mehreren Börsen gehandelt werden. Die Gründer des Netzwerkes werden auch für sich selbst einen Teil der Token einbehalten, um ebenfalls zu partizipieren.

Einen Schritt weiter können auch alle Inhaber von Token bei der strategischen Weiterentwicklung des Netzwerkes mitbestimmen. Es wird via Blockchain abgestimmt. Je mehr Token man besitzt, umso mehr Gewicht hat die Stimme. Organisiert ist das Netzwerk in Form einer Stiftung.

Vergleichen wir das oben skizzierte Netzwerk mit den heute bekannten Organisations- und Investitionsformen, zeigen sich doch grundlegende Unterschiede. Alle Stakeholder, also Benutzer, Kunden, Promotoren, Gründer, Software-Entwickler, Investoren etc. werden in einer solchen Participating Economy für ihre Beiträge marktwirtschaftlich entlohnt. Durch die faire Partizipation sind alle Teilnehmer daran interessiert, dass sich das Netzwerk erfolgreich und nachhaltig weiterentwickelt. Dies ist, wenn man die Wirtschaftsnachrichten liest, heute oft nicht der Fall. Es sei an die sich in jüngerer Zeit häufenden negativen Schlagzeilen betreffend der grossen Technologie-Unternehmen erinnert. Die Ausgestaltung sowie laufende Verbesserung eines alle Beteiligten zufriedenstellenden Partizipationsschemas (Verteilungsalgorithmus der Token) ist sicherlich die herausfordernde, aber auch interessante Aufgabe in einem solchen Netzwerk.

Umsetzung in der Praxis
Man kann sich natürlich fragen, warum solche Anwendungen nicht schon erfolgreich umgesetzt wurden. Hierfür gibt es kulturelle wie auch technische Gründe. Kulturell ist beispielsweise das Bewusstsein der Benutzer und anderer Stakeholder, dass sie eine Partizipation einfordern sollten, für beispielsweise das Erstellen von Inhalten und Informationen, noch zu wenig ausgeprägt. Technisch ist die Blockchain in vielen Punkten noch zu wenig ausgereift, um ein benutzerfreundliches und kostengünstiges Token-Verteilungsmodell praktikabel zu ermöglichen. Beide Hürden zu überwinden dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Die praktische Frage ist nun, inwieweit solche Anwendungen oder Teile daraus auch in Geschäftsmodellen, welche nicht auf einer online-Community basieren, zum Einsatz kommen können? Dies gilt es zu erarbeiten, um die Vielzahl an Dienstleistungen in Bezug auf die Token-Ökonomie gemäss der Vernehmlassungs- vorlage eine Realität werden zu lassen, speziell auch in Liechtenstein.

17. Nov 2018 / 10:36
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