• Barbara Gant, Rektorin a.i. UFL

Der Wert freier Wissenschaft

Österreich verfügt mit dem FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) über eine zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung. Auch Liechtenstein beteiligt sich an diesem Fonds, von dem wiederum liechtensteinische Forschungsprojekte durch FWF-Fördergelder profitieren können.

Eine weitere Möglichkeit, Forschende im eigenen Land zu fördern, wäre eine Beteiligung am europäischen Forschungsprogramm wie Horizon 2020, aus dem auch liechtensteinische Forschende wiederum schöpfen könnten. 2013 jedoch wurde eine Beteiligung an diesem Programm bis auf Weiteres vom Landtag aus Budgetgründen sistiert. Auch Liechtensteins Industrie steckt einen erheblichen Teil ihrer Bruttowertschöpfung in Forschungsprojekte, jährlich werden bis zu 400 Millionen Franken in angewandte Forschung investiert.

Genügend Know-how
Liechtenstein eint bereits heute sehr viel Wissen und Wissenschaft, um ein durchaus interessanter Forschungsstandort zu sein. Sowohl für die angewandte Forschung durch eine weltweit führende und hochentwickelte Industrie als auch die Grundlagenforschung durch Universitäten und Forschungsinstitute in Liechtenstein oder Forschungsbündnisse in der Region sind Professionalität und Know-How bereits vorhanden. Die liechtensteinische Wissenschaft hat ein Gesicht, das sie noch mehr zeigen darf.

Der Wissens- und Forschungsstandort Liechtenstein kann sich aus eigener Kraft etablieren und somit auch als moderner Wissenschaftsstandort in Europa wahrgenommen werden. Ein wesentlicher Faktor eines attraktiven Forschungsstandortes ist dabei dessen Unabhängigkeit.  

Frei von Interessen
Für die Wissenschaft ist es wichtig, frei forschen und lehren zu können. Die Unabhängigkeit in Lehre und Forschung ist ihr Elixier. Denn nur, wer frei und ohne Interessen Dritter breit hinterfragen darf, kann auch visionär sein. Je unabhängiger die Wissenschaft agiert, desto mehr ist sie gleichzeitig in der Pflicht, das Wissen zu transferieren, es öffentlich zugänglich zu machen. Das macht die unabhängige Wissenschaft letztlich auch attraktiv für ein konstruktives Bündnis mit Wirtschaft und Staat. Denn mit dem öffentlichen und freien Zugang zu Forschungsergebnissen kann die Wirtschaft neben ihrer eigenen Forschung vom Wissen profitieren, das unabhängige Forschungseinrichtungen und Universitäten «produzieren».  

Wirtschaftlicher Wohlstand basiert u.a. auf einem Geflecht aus Wissen(schaft), Forschung, Technik und Umsetzung. Ein Forschungs- und Wissenschaftsnetz, deren ungehinderter freier Zugang und dessen unabhängige Ergebnisse befruchten Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Insofern kann niemals zu viel Wissen in einem Staat versammelt sein und insofern wird eher zu wenig als zu viel geforscht.

Transparent und zugänglich
Sowohl in der medizinischen Wissenschaft als auch bei den Rechtswissenschaften, um zwei Beispiele zu nennen, harren viele Fragen der vertieften Auseinandersetzung und sind öffentlich zugängliche und unabhängig erarbeitete Ergebnisse von höchstem Interesse für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Sie haben Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft, ihrer Gesetzgebung und nicht zuletzt das Zusammenleben im Allgemeinen.

Der grösste Wert, den die Wissenschaft bieten kann, ist ihr freier Zugang. Forschung und Lehre müssen nicht nur unabhängig sein, sondern in ihrer Gesamtheit transparent und zugänglich für alle sein. Denn Wissen und wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen nur dann, wenn sie verbreitet und noch viel mehr breit angewendet werden. Die Ressource Bildung und Wissen wird gerade deshalb auch für Staaten zur wertvollsten Ressource.

 

02. Mär 2018 / 17:45
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