Julius-Bär-Präsident sieht Liechtenstein nicht als Konkurrenz

Romeo Lacher ist Prasident des Verwaltungsrates der Schweizer Privatbank Julius Bar. Er spricht am Finance Forum Liechtenstein am 11. März darüber, wie sich die Vermögensverwaltungsbranche verändert und warum sich die Finanzplätze Liechtenstein und Schweiz gut ergänzen.

Herr Lacher, wie muss Julius Bär die Vermögensverwaltung gestalten, damit das Geschäftsmodell auch in Zukunft erfolgreich ist?

Romeo Lacher: Julius Bär hat mit ihrem exklusiven Fokus auf das Wealth Management eine einzigartige Positionierung, was eine sehr gute Ausgangslage darstellt. Unsere persönliche und unabhängige Beratung auf einer offenen Produkteplattform wird von den Kunden sehr geschätzt. Es gilt auf den Stärken aufzubauen und künftige Wachstumsmöglichkeiten zu erschliessen in einem Umfeld, wo sich Kunden verändern, die Margen unter Druck sind und die Kosten kontrolliert werden müssen. Und schliesslich haben wir die regulatorischen Anforderungen im Auge zu behalten.

Welche Risiken beschäftigen Sie mit Blick auf Julius Bär? 

Es gibt verschiedenste Aspekte, die wir im Griff haben müssen. Dazu zählen nicht nur Compliance-Risiken und die Überprüfung der Kunden, sondern auch operationelle, Mark- und Kreditrisiken sowie neuerdings auch Cyberrisiken. Gerade in diesem Bereich hat Julius Bär viel getan, um gerüstet zu sein.

Inwiefern verändern sich die Kunden bzw. deren Bedürfnisse?

Der Vermögensverwaltungskunde von heute ist in der Regel bestens informiert über Finanzmärkte und Finanzdienstleistungsangebote. Entsprechend hoch sind seine Ansprüche an Beratungsqualität, Transparenz oder individuelle Abstimmung des Angebots.

In welchen Bereichen bekommt die Finanzbranche Vermögensverwaltungsbranche Ihrer Meinung nach den technologischen Wandel besonders zu spüren?

Technologie hat auch in der Vermögensverwaltung Einzug gehalten. Dennoch liegt im klassischen Private Banking für viele unserer Kunden der Mehrwert nach wie vor im menschlichen Kontakt und im gegenseitigen Vertrauen. Finanzielle Belange, familiäre Konstellationen, Nachfolgelösungen, das sind Themen, die unsere Kunden mit einem vertrauten Kundenberater unterstützt durch weitere Spezialisten persönlich besprechen wollen. Hingegen hat die Komplexität in der Beratung und in der Abwicklung von Bank- und Anlagegeschäften in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In der gezielten Unterstützung und Ergänzung unserer Mitarbeiter sehen wir den grössten Nutzen der Technologie. In diesen Bereichen steigern wir unsere Investitionen auch massgeblich.

Welche Pläne verfolgen Sie mit Julius Bär in Bezug auf Zukunftstechnologien?

Wir bauen die digitalen Kommunikationskanäle für die Interaktion mit unseren Kunden aus. Zentral ist zudem die Unterstützung für Kundenberater und Spezialisten, damit diese möglichst viel Zeit direkt mit den Kunden verbringen können.

In welchen Märkten sehen Sie für Julius Bär das grösste Wachstumspotenzial?

Wir konzentrieren uns auf Kernmärkte, in denen die meisten Kunden eine kritische Grösse haben oder wir die besten Wachstumsmöglichkeiten sehen. Dies sind sowohl Wachstums- wie auch etablierte Märkte, nicht zuletzt auch in Europa.

Angesichts der Schwierigkeiten im grenzüberschreitenden Geschäft wird die Schweiz für Vermögensverwalter interessanter. Welche Potenziale sehen Sie auf dem Heimmarkt?

Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für Julius Bär. Wir wollen eine führende Rolle spielen und glauben, dass wir sehr gut aufgestellt sind. Der hiesige Private-Banking-Markt ist in der Tat hart umkämpft, wobei es heute deutlich weniger Banken sind als noch vor einigen Jahren: Eine Marktbereinigung hat stattgefunden, die immer auch Wachstumschancen bietet. Die Konsolidierung dürfte andauern und Möglichkeiten bieten für jene Banken, die eine klare Strategie haben, um die anspruchsvollen Herausforderungen zu meistern - und die nicht zuletzt auch über die notwendige Grösse und Finanzkraft verfügen.

Inwieweit empfinden Sie in diesem Zusammenhang den Finanzplatz Liechtenstein als Konkurrenz?

Ich finde Konkurrenz zwischen Finanzplätzen gut. Es hält uns alle «fit» und zwingt uns, innovativ zu bleiben. Das Fürstentum Lichtenstein verfügt, anders als die Schweiz, als EWR Mitglied einen Marktzugang zur EU und unterscheidet sich damit in der Ausrichtung gerade im Fonds- oder Versicherungsvertrieb. Die kürzeren Wege in Liechtenstein ermöglichen zudem eine rasche Anpassung der Rahmenbedingungen. Der Finanzplatz Schweiz hingegen ist sehr divers mit unterschiedlich ausgerichteten Finanzinstituten und hat durch seine Grösse auch einen ganz anderen Binnenmarkt. Somit ergänzen wir uns als «Nachbarn» eher als dass wir uns konkurrenzieren. (ps)

13. Feb 2020 / 11:01
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