• MESSE, ZUERICH, HERBSTMESSE,  ZUERCHER HERBSTMESSE,
    Auch der Tombolastand der Züspa ist Geschichte. Messe Schweiz gab kürzlich das Aus der Messe bekannt.  (Steffen Schmidt)

Ende der grossen Publikumsmessen?

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Messen Züspa in Zürich und die Comptoir Suisse in Lausanne nicht mehr stattfinden werden. Die Muba findet nur noch 2019 statt. Die Publikumsmessen der Region sehen für ihre Veranstaltungen jedoch keine dunklen Wolken aufziehen.

Vor zehn Tagen liess Messe Schweiz (MCH) die Bombe platzen: Die traditionsreichen Messen Züspa in Zürich sowie die Comptoir Suisse in Lausanne werden 2019 nicht mehr stattfinden. Zum letzten Mal wird die Muba (Basel) im kommenden Februar stattfinden. Danach wird auch der Mustermesse, der ältesten Schweizer Publikumsmesse, der Stecker gezogen. Als Grund nennt Messe Schweiz rückgängige Besucherzahlen sowie merklich tiefere Umsätze der Aussteller.

Für die regionalen Messen Lihga und  Rhema gilt das nicht. «Die Rhema ist unbestritten und findet wie gewohnt statt», sagt Simon Büchel, Messeleiter der Rheintalmesse. Ins selbe Horn bläst Georges Lüchinger von der Lihga. «Die Messe wird in zwei Jahren wie gewohnt stattfinden», sagt Lüchinger. Die Lihga habe einen starken lokalen Bezug und werde daher von Ausstellern wie Besuchern dafür geschätzt.

«Wir bieten den lokalen Unternehmer alle zwei Jahre ein Schaufenster, um sich den Leuten aus der Region zu präsentieren.» Das kommt laut Lüchinger nach wie vor an. Um als Messe bestehen zu können, sei die regionale Verankerung wichtig. «Über 80 Prozent der Aussteller stammen aus der Region. Somit ist der Lokalbezug bei der Lihga klar gegeben.»

Kundenbesuche statt Fachmessen

Lüchinger sieht bei den regionalen Messen eher eine Renaissance. Probleme sieht er eher für Fachmessen mit Themen wie Schmuck oder Autos. «Die Basel World hat in den letzten Jahren die Hälfte der Aussteller verloren. Mit dem Rückzug der Swatch-Gruppe von der Uhren- und Schmuckmesse muss ein weiterer schwerer Schlag verkraftet werden.»

In der Luxusbranche verschiebe sich der Trend von Fachmessen zu vermehrten Kundenbesuchen. Auch Automessen hätten es schwer. «Die Autohersteller setzen künftig vermehrt auf Präsentationen im Werk oder bei den eigenen Händlern.» Doch die genannten Rückschläge würden Regiomessen nicht betreffen, da für diese andere Massstäbe gelten würden. Weiter stehe man als regionale Messe nicht in Konkurrenz mit den Publikumsmessen mit nationaler Ausstrahlung in der Schweiz, da diese den regionalen Bezug nicht bieten können.

Unterhaltung, Tagungen, Messe

Auch die Rhema begrüsst zu einer Mehrheit Aussteller aus der Region. «Für eine regionale Messe ist das von zentraler Bedeutung», sagt Büchel. «Die Besucher fühlen sich innerhalb der Zelthallen gut aufgehoben.» Das sei auch der Grund, weshalb er sich um die Rhema keine Sorgen mache. «Die regionalen Messen sind von der lokalen Bevölkerung und dem Gewerbe getragen.» Sie seien daher einzigartig und nicht austauschbar.

Natürlich sei es jedoch anspruchsvoll, eine gut funktionierende Messe zu organisieren. Die Messeveranstalter müssten sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. «Messen fungieren heute immer mehr als Treffpunkte und müssen Erlebnisse bieten», sagt Büchel.

Die Rhema hat ihr Konzept seit der Neuausrichtung klar auf die drei Säulen Gewerbe-Ausstellung, Tagungen und Unterhaltung aufgebaut. Rund um die eigentliche Messe finden entsprechend Begleit-Events wie der «Gwerblertag», der «Sportdialog» oder das »Startup-Forum St. Gallen» statt. Im Bereich Unterhaltung werden Partys und Konzerte organisiert.

Ebenfalls gibt es ein gastronomisches Angebot, welches von experimentierfreudigem Street-Food über ein Messe-Restaurant bis zu einfachen Wurst- und Bierständen geht.

Konzern versus Herzblut

Um die regionalen Messen macht sich Büchel grundsätzlich keine Sorgen: «Regiomessen sind nicht austauschbar und sind Veranstaltungen, bei denen man sich trifft. Wenn die Messen die Regionen gut abdecken und regional verankert sind, werden sie sich auf dem Markt behaupten», ist sich Büchel sicher. Messe Schweiz hingegen kämpft momentan mit vielen Schwierigkeiten. «Der börsenkotierte Konzern organisiert bis zu 90 Messen im Jahr im In- und Ausland. Somit ist die Verbundenheit mit den einzelnen Traditions-Veranstaltungen wohl tiefer und grundsätzlich weniger eine Herzensangelegenheit als bei uns», sagt Büchel. In Lausanne beispielsweise sei der Entscheid zur Einstellung der Comptoir Suisse entsprechend ernüchternd aufgenommen worden. Die Regierung bedauerte den Entscheid.

Volksfest und Säulirennen an Olma

Die grösste Publikumsmesse der Schweiz ist die Olma in St. Gallen. Wie die regionalen Messen wird auch die Olma weiterhin stattfinden. «Die Olma erwirtschaftet stabile Deckungsbeiträge und wird ganz klar weiterhin durchgeführt», sagt Nicolo Paganini, Direktor Olma Messen. Zwar seien die Besucherzahlen in den letzten beiden Jahren tiefer als auch schon gewesen, das hätte aber mit dem warmen Herbstwetter zu tun gehabt. «Dafür hatten die Bergbahnen mehr Besucher», sagt Paganini scherzend. «Auf Ausstellerseite waren wir dieses Jahr ausverkauft.» Zwar seien beim Verkauf der Ausstellungsfläche je länger je mehr intensive Anstrengungen nötig, doch die Nachfrage sei nach wie vor da. Wichtig sei, dass man ein Erlebnis bieten könne. Dafür wird bei der Olma auch viel investiert. «Wir bieten gerade im Bereich der Tiere mit Kühen, Ziegen, Schafen und so weiter ein vielfältiges Angebot an.» Die täglichen Säulirennen seien ebenfalls wichtig. «Damit differenzieren wir uns klar von einem Kaufhauserlebnis und von Onlineshopping sowieso.»

Dass es der Olma wie der Züspa ergehen könnte, befürchtet Paganini auch aus weiteren Gründen nicht. «Wenn man während der Züspa in Zürich ankommt, spürt man nicht, dass Züspa ist. In St. Gallen ist das anders. Die Olma ist ein Volksfest und als solches in der ganzen Stadt spürbar», sagt Paganini. Zudem ist die Olma genossenschaftlich organisiert. «Rund 40 Prozent der Genossenschaftsanteile gehören der offenen Hand», sagt Paganini. Stadt und Kanton St. Gallen, aber auch das Land Liechtenstein gehören dazu sowie weitere Ostschweizer Kantone. Weiter gehören landwirtschaftliche Verbände sowie Banken und weitere Unternehmen zu den Genossenschaftern. (jeb)

30. Nov 2018 / 18:28
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