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    A flag with the logo of the World Cup 2018 on display with the St. Basil's Cathedral in the background, in Moscow, Russia, Monday, June 4, 2018. (AP Photo/Pavel Golovkin)  (PAVEL GOLOVKIN)

Ein Kick für das BIP

Sportliche Grossereignisse lassen die Kassen klingeln. Von der Fussball-WM profitiert der lokale Handel nur am Rande. Das BIP in der Schweiz erhöht sich merklich dank des Fifa-Sitzes in Zürich.

Sportliche Grossanlässe wie die Olympischen Winterspiele oder die Fussballwelt- und Europameisterschaften generieren Milliardenumsätze. Diese wirken sich sogar auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz aus, da die grossen Fussballverbände Uefa und Fifa sowie das internationale Olympische Komitee (IOC) ihren Sitz in der Schweiz haben. Einnahmen aus TV-Übertragungsrechten oder Lizenzgebühren beeinflussen das BIP in den Veranstaltungsjahren mit 0,1 bis 0,2 Prozent, wie die «NZZ» unter Berufung auf das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, kürzlich berichtete. 

Das heisst, dass das BIP in den Austragungsjahren der Grossanlässe, welches jeweils in den geraden Jahren im Zweijahreszyklus stattfinden, leicht besser ausfällt. Richtig spürbar wird der Effekt bei Quartalsabschlüssen. So haben die olympischen Winterspiele die Wertschöpfung der Unterhaltungsbranche im ersten Quartal dieses Jahres um satte 7,3 Prozent steigen lassen. 

Trikots sind gefragt

Auch in der Region profitieren Geschäfte von der Fussballweltmeisterschaft, allerdings nicht in der Grössenordnung, dass es sich gleich merklich auf das BIP auswirkt. 
Bei «Fehr Schuhe und Sport» in Schaan spürt man die Nachfrage nach Trikots von Nationalmannschaften derzeit noch nicht gross. «Meistens steigt die Nachfrage sprunghaft an, wenn das Turnier läuft und die Euphorie auf die Fans überspringt», sagt Geschäftsführer Rainer Fehr. Das sei auch bei der Europameisterschaft vor zwei und der Weltmeisterschaft vor vier Jahren zu beobachten gewesen. «Am besten laufen jeweils die Trikots der Schweiz und jene der Deutschen Nationalmannschaft», so Fehr weiter. Diese habe er auch auf Lager. Italien sei jeweils auch gut nachgefragt worden, aber leider dieses Jahr nicht an der WM dabei. Schwieriger sei es bei eher exotischen Mannschaften, die während des Turniers in Mode kommen. «In diesen Fällen entsteht die Nachfrage quasi über Nacht, doch unsere Lieferanten können nicht so schnell reagieren, weshalb wir diese Trikots nicht anbieten.» Wie viel Mehrumsatz sich durch die WM erreichen lasse, sei schwierig zu beziffern.
Grundsätzlich beobachte Fehr, dass die Nachfrage nach Trikots bei den letzen Grossturnieren abgenommen habe. Befreundete Sportgeschäfte würden ähnliche Erfahrungen machen. 

Konkurrenz aus Asien

Die Fahnenfabrik Sevelen AG spürt die Fussball-WM nicht mehr sehr stark. «Fan-
produkte für die WM werden meist aus Fernost an Grossverteiler und Discounter geliefert», sagt Geschäftsleiter Thomas Eichenberger. Billigprodukte in grosser Masse ge-
hören nicht zum Kern-
geschäft der Fahnenfabrik. 
«Der erste August wirkt sich auf unser Geschäft stärker aus als eine Fussball-WM», sagt Eichenberger. «Beim Nationalfeiertag wünschen 
Kunden Qualitätsprodukte.» 
Kurz vor der WM macht sich der Grossanlass jedoch auch in Sevelen bemerkbar: «Dann stehen bei uns Last-Minute-Kunden vor der Tür oder machen Expressbestellungen», sagt Eichenberger. 
Eine grosse Nachfrage mache sich nur bemerkbar, wenn ein Anlass im Land stattfindet. 
So sei 2008, als die Fussballeuropameisterschaft in der Schweiz und in Österreich durchgeführt wurde, der Absatz spürbar gestiegen. «Damals durften wir das EM-Zentrum der italienischen Nationalmannschaft, die Casa Azzurri, mit Werbesegel und Fahnen dekorieren», erinnert sich Eichenberger freudig zurück. 
Auch eine Tankstellenkette hat ihre Filialen in der Schweiz und Österreich mit Flaggen und weiteren Materialien aus Sevelen dekoriert. 

Extrawurst und OLED-TVs

Auch die Grossverteiler haben sich auf die WM hin gerüstet. Die Migros bietet in den Supermärkten ein Schweizer Fanartikel-Sortiment mit Flaggen, Bällen, Servietten, Girlanden und weiteren Accessoires an. Speziell für die WM gibt es zudem Pasta in Fussball-Form oder einen Trockenfleisch-Snack für Fans.
 «Das Apéro-Sortiment läuft gewöhnlich während sportlichen Grossereignissen besser als üblich», sagt Migros-Mediensprecherin Natalie Brägger. Auf den Fleischabsatz hingegen habe der Grossanlass keinen entscheidenden Einfluss. «Das Wetter spielt eine viel grössere Rolle.»
Fleisch spielt auch bei Coop während der WM eine grosse Rolle. Der Grossverteiler hat dafür extra eine 320 Gramm schwere Champions-Bratwurst kreieren lassen. Neben Snacks und Grilladen ist natürlich Bier sehr gefragt. Fans, die zwei Sixpacks eines grossen Herstellers kaufen, werden derzeit mit einem Fanset bestehend aus Flagge, Sonnenbrille, Schal und Schminke belohnt. 

Bei den Coop-Töchtern Interdiscount, Fust und Microspot.ch ist vor der WM die Nachfrage nach grossen Fernsehern merklich gestiegen. Geräte mit OLED-Technologie, die deutlich flacher als LED-TVs sind, seien derzeit sehr gefragt, heisst es bei Coop auf Anfrage. Sportliche Grossereignisse lassen die Kassen klingeln. Von der Fussball-WM profitiert der  lokale Handel nur am Rande. Das BIP in der Schweiz erhöht sich merklich dank des Fifa-Sitzes in Zürich. 

08. Jun 2018 / 21:16
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