Bauern leiden weiter

Weil die Bauern unter der Dürre leiden, ist der Schlachtviehmarkt in Sargans nächste Woche komplett ausgebucht. Ein zusätzlicher Markt für Ende August ist angesetzt – mit Kühen aus der ganzen Ostschweiz.
 
Zum ersten Mal war der Schlachtviehmarkt in Sargans vor 14 Tagen komplett ausgebucht. «Wir werden total überrannt», sagt Ernst Rutz, Geschäftsführer der Ostschweizer Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft. Der nächste Markt am Dienstag ist schon seit Tagen voll. Weil der Ansturm so gross ist, konnte Rutz Ende August einen zusätzlichen Entlastungsmarkt organisieren. Die Bauern, die er jetzt abweisen muss, werden auf diesen Termin vertröstet. Sie kommen zum Teil von weit her nach Sargans. Die Anmeldungen für diesen ausserplanmässigen Markt zeigen, dass die Lage im Sarganserland, oder etwa auch in Liechtenstein, noch nicht ganz so kritisch ist. Rutz: «Wir wollten eigentlich in Wattwil einen weiteren Markt ansetzen, aber wir haben keinen Termin finden können.» Nun findet er in Sargans statt – mit Vieh aus der ganzen Ostschweiz. 
Am schlimmsten trifft die Trockenheit Bauern im Kanton Thurgau. «Vielerorts herrscht dennoch Panik», sagt Rutz. Das Überangebot drückt die Fleischpreise in den Keller. Rund 400 Franken weniger bekommen Bauern derzeit für eine Kuh. Je nach Gewicht erhält ein Bauer 1500 bis 3000 Franken pro Kuh. 
 
Bauern: «Futter ist ausverkauft»
Durch die Trockenheit sind die Futterpreise seit dem Frühjahr um 60 Prozent in die Höhe geschnellt, zudem kommt das Jungvieh von den Alpen zurück – und im Tal fehlt das Heu. Auf den tiefen Alpen im Sarganserland werden Tiere früher als sonst wieder zurück ins Tal müssen, fürchten Bauern. Doch nicht alle Alpen der Region sind betroffen. Am Donnerstag war für die Kühe von der Buchser Alp Malbun Schluss und heute fahren die Kühe vom Schanerberg frühzeitig ins Tal. 
 
So entscheiden sich nicht wenige Bauern, einen Teil ihrer Tiere zu verkaufen. «Die Graslandwirtschaft im Sarganserland hat sich ziemlich erledigt», sagt Bergbauer Peter Schwitter aus Mels. Das trifft in Mels und Sargans – wie im Werdenberg – vor allem die Berghänge, die teilweise kaputt sind. In der Region ist die Lage aber noch weit weniger dramatisch als in den umliegenden Kantonen, wo Notfallpläne helfen sollen: Der Bund hat Heu-Importe erleichtert. Von solchen Sofortmassnahmen hält Bauer Schwitter aber nur bedingt etwas. Denn das Problem sei, dass es momentan gar kein Futter zu kaufen gebe – die Dürre trifft fast ganz Europa. Das bestätigt auch Ernst Rutz sowie der Sarganser Bauer Andreas Peter. Weniger Importzölle bringen gerade einmal eine Erleichterung von drei Franken pro 100 Kilogramm Futter. Der Milchbauer Peter hat gerade sieben Tiere geschlachtet. Normalerweise würde er drei bis vier Tiere wieder zukaufen. In diesen Zeiten geht das aber nicht. 100 Kilogramm Futter kosten über 50 Franken. 20 Kilo Heu frisst eine Kuh am Tag. 
 
Bauern müssen Kühe verschenken
Dem steht gegenüber, dass im Vorfeld des Marktes in Sargans die Preise in den Keller rutschten. So gab die Coop-Tochter Bell diese Woche bekannt, dass sie nur noch 7 Franken für ein Kilogramm Fleisch zahlen will. Der Richtpreis des Branchenverbandes Proviande liegt seit gestern bei 8,20 Franken. Daher wären die Bauern laut Rutz besser dran, noch drei bis vier Wochen zu warten, um ihre Tiere zu verkaufen. Doch so viel Zeit bleibt manchen erst gar nicht, wie der Landwirt Martin Kägi gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» diese Woche in Wattwil erklärte. Der Futtermangel lässt ihm keine Wahl. «Eigentlich habe ich die Tiere fast verschenkt», sagt er. In der St. Galler Gemeinde fand am Dienstag der grösste Schlachtviehmarkt der Schweiz statt. Etwa 250 Kühe und Stiere wurden zur Markthalle gebracht, über 100 teils verzweifelte Bauern mussten aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden. «Es wurde erst gar nicht gesteigert», sagt Rutz. Das Vieh wird am Schluss anhand eines Verteilschlüssels an die Händler aufgeteilt. Für die angemeldeten Tiere besteht eine Abnahmegarantie. Einige Bauern hätten am Telefon geweint, weil ihnen Futter, Wasser und Geld fehle, erzählt Rutz. 
 
Keine Fleischimporte im August
Obwohl die Bauern auf ihren Kühen sitzen bleiben, hatte Proviande entschieden 800 Tonnen Kuhhälften (rund 2400 Kühe) im August zu importieren. Der Schweizer Bauernverband (SBV) forderte, dass in der aktuellen Marktsituation kein zusätzliches Rindfleisch importiert wird. 
Weil der Unmut der Bauern derart gross war, ruderte Proviande gestern zurück. Die Branchenorganisation verzichtet nun auf die Freigabe von zusätzlichen Importen bis Ende September, um den Fleischmarkt zu entlasten. Das hilft den Bauern aber nur zum Teil. Denn das Überangebot herrscht weiter und der Preis bleibt im Keller.
 
Bauer Andreas Peter aus Sargans wünscht sich aber nicht unbedingt Massnahmen von Seiten des Kantons oder des Bundes. Er wünscht sich mehr Solidarität unter den Landwirten. Manche spekulieren mit dem Futter und warten mit einem Verkauf ab, um in einigen Wochen noch mehr damit zu verdienen. Zudem appelliert er an die Konsumenten. Weil er ein Importverbot als nicht realistisch erachtet, könnten Konsumenten darauf achten, Fleisch aus der Schweiz zu kaufen. «Der Konsument erwartet zudem oft das höchste Tierwohl, greift dann aber zu den günstigsten Produkten», sagt der Bauer.
10. Aug 2018 / 18:15
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