• Die Bilder der zwei in Marokko ermordeten Frauen anlässlich einer Gedenkveranstaltung Ende Dezember in Kopenhagen. Die drei Haupttäter wurden am Donnerstag zum Tod verurteilt. Ein Schweizer Mittäter erhielt 20 Jahre Haft.
    Die Bilder der zwei in Marokko ermordeten Frauen anlässlich einer Gedenkveranstaltung Ende Dezember in Kopenhagen. Die drei Haupttäter wurden am Donnerstag zum Tod verurteilt. Ein Schweizer Mittäter erhielt 20 Jahre Haft.  (KEYSTONE/EPA RITZAU SCANPIX/THOMAS SJOERUP)

Todesstrafe für Mord an zwei Touristinnen

Im Prozess um die mutmasslich islamistisch motivierte Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen in Marokko sind drei Angeklagte zum Tode verurteilt worden. Ein mitangeklagter schweizerisch-spanischer Doppelbürger erhielt 20 Jahre Gefängnis.
Salé. 

Ein Anti-Terror-Gericht im marokkanischen Salé folgte damit am Donnerstag der Forderung der Staatsanwaltschaft, die die drei Hauptverdächtigen zuvor als "blutrünstige Monster" bezeichnet hatte. Angeklagt waren insgesamt 24 Verdächtige aus der radikalislamischen Szene. Die drei Hauptverdächtigen hatten den Mord an den jungen Frauen aus Dänemark und Norwegen im Dezember gestanden.

Der nun wegen "Gründung einer terroristischen Organisation" verurteilte Schweizer hatte stets seine Unschuld beteuert. Das Gericht verhängte gegen ihn die von der Staatsanwaltschaft geforderte Haftstrafe. Der zum Islam konvervierte Mann soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen können.

Gegenüber dem Westschweizer Radio RTS sagte die Anwältin des verurteilten Schweizers, sie werde das Urteil "selbstverständlich" anfechten, es sei "monströs und inakzeptabel". Die Richter hätten die Anschuldigungen nicht einmal geprüft. Materiell gebe es keine Beweise für das angebliche Verschulden ihres Mandanten.

Anwältin kritisiert EDA

Die Anwältin vertrat die Ansicht, der Prozess gegen den Schweizer sei nicht fair und ausgewogen gewesen. Sie bedauerte weiter, dass das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Prozess durch Abwesenheit geglänzt habe.

"Es gibt keinen Gott neben Gott", sagte der Hauptverdächtige, der in traditioneller salafistischer Kleidung vor Gericht erschien, während der letzten Anhörung am Donnerstag. "Lass ihn mir vergeben", fügte er an.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Dezember die Todesstrafe für die drei Hauptangeklagten gefordert. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass einer von ihnen der Anführer des für die Morde verantwortlichen Dschihadistennetzwerks war.

Mutter eines Opfers forderte Todesstrafe

Auch die Mutter des dänischen Mordopfers, hatte die Todesstrafe gegen die Täter gefordert. "Am gerechtesten wäre es, gegen diese Bestien die Todesstrafe zu verhängen, die sie verdienen", hatte die Dänin vergangene Woche in einem von ihrem Anwalt vor Gericht verlesenen Brief erklärt.

Der Anwalt der dänischen Opferfamilie sagte der Nachrichtenagentur AFP vor der Urteilsverkündung: "Wir erwarten Strafen, die der Grausamkeit der Tat entsprechen." Die Todesstrafe ist in Marokko seit 1993 nicht mehr vollstreckt worden.

Die Familie des norwegischen Mordopfers nahm nicht am Prozess teil. Das Gericht in Salé ordnete jedoch an, dass die drei Hauptverdächtigen den Eltern der getöteten Norwegerin zwei Millionen Dirham (rund 200'000 Franken) Entschädigung zahlen müssen.

Entschädigungsforderung abgewiesen

Die Forderung der Eltern des dänischen Mordopfers nach einer Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Dirham vom marokkanischen Staat wies das Gericht jedoch ab. Die Anwälte der Familie hatten Marokko "moralische Verantwortung" für die Ermordung ihrer Tochter vorgeworfen, da die Behörden die Verdächtigen nicht hinreichend überwacht hätten.

Die 24-jährige dänische Studentin Luisa Vesterager Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge brutal ermordet worden.

In einem nach dem Mord verbreiteten Video hatten die mutmasslichen Täter dem Anführer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer. Der Fall hatte in ganz Marokko für Entsetzen gesorgt.

Alle Mittäter sind IS-Anhänger

Alle ausser den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren. Für einen der Mittäter plädierte sie auf lebenslange Haft. Der 33-jährige Klempner hatte die drei Hauptverdächtigen begleitet, den Tatort aber kurz vor den Morden verlassen.

Nach Auffassung der Ermittler waren die Verdächtigen von der IS-Ideologie inspiriert, hatten aber keinen Kontakt zu den Dschihadisten in Syrien oder dem Irak. Der IS selbst reklamierte die Tat nie für sich. (sda/afp)

18. Jul 2019 / 16:57
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