• Die Crew des SRF-Radionachrichtenkanals "SRF 4 News" zügelt nach Zürich. (Archivbild)
    Die Crew des SRF-Radionachrichtenkanals "SRF 4 News" zügelt nach Zürich. (Archivbild)  (KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

SRF zügelt 70 News-Stellen nach Zürich

Aktuelle Nachrichten produziert und sendet Radio SRF künftig aus Zürich und Hintergründe und Analysen aus Bern. 70 Mitarbeitende der Nachrichtenredaktion und von "SRF 4 News" zügeln von Bern nach Zürich, 230 SRG-Angestellte bleiben in Bern.
Bern/Zürich. 

Die Geschäftsleitung von Radio und Fernsehen SRF hat dies am Dienstag im Rahmen der neuen Audiostrategie definitiv entschieden, wie das Unternehmen mitteilte. In Zürich wird sich die Aktualitätsredaktion um die tagesaktuellen Inhalte für die Formate im linearen Programm und für die digitalen Angebote kümmern. In Bern soll ein Kompetenzzentrum für Hintergrund, Vertiefung und Analyse entstehen.

Im Radiostudio Bern verbleiben die Inland- und Auslandredaktion sowie die Magazin- und Hintergrundsendungen wie "Echo der Zeit", "Rendez-vous" oder "Info3". Die durch den Teilumzug freiwerdende Fläche in Bern übernimmt SWI swissinfo.ch, der internationale Auslanddienst der SRG, der rund 100 Mitarbeitende beschäftigt. Effektiv verbleiben somit knapp 150 SRF-Radioangestellte in Bern.

Der Teilumzug ist einerseits der neuen Audiostrategie geschuldet, die den Standort Leutschenbach mit der "Radio Hall" als einzigen und zentralen Entwicklungs- und Produktionsstandort für digitale Audioangebote von SRF festlegt. Andererseits habe diese Reorganisation auch finanzielle Gründe, heisst es in der Mitteilung.

Digitalzentrum Leutschenbach

Mit dem Umzug des 24-Stunden-Nachrichtensenders "SRF 4 News" und der Nachrichtenredaktion bündle SRF im Newsroom auf dem Campus Leutschenbach die Aktualitätsberichterstattung und sichere die digitale Transformation im Audiobereich. Der Sender könne sich so innerhalb des Newsrooms zu einem eigentlichen Newsroom-Radio weiterentwickeln.

Insgesamt strebt SRF mit der Strategie eine Schärfung der Profile aller SRF-Radiosender sowie einen Ausbau der Produktion von originären Podcasts an, wie es weiter heisst. Letztere fänden vor allem bei den Jungen Anklang.

Die Umzugspläne von Radio SRF hatten auf dem politischen Parkett für einigen Wirbel gesorgt. So intervenierten etwa Stadt und Kanton Bern und kritisierten die Schwächung des Standortes Bern.

Bedauern und Kritik

Die Radio- und Fernsehgenossenschaft Bern Freiburg Wallis bedauerte am Dienstag den "schmerzlichen" Entscheid in einer Mitteilung. Der Vorstand der regionalen Trägergenossenschaft beobachte die zunehmende Konzentration der Deutschschweizer Medien im Grossraum Zürich mit Sorge.

Auch die Organisation Hauptstadtregion Schweiz sowie Stadt und Kanton Bern sind über den Umzugsentscheid enttäuscht. Damit gehe ein Teil der publizistischen Vielfalt innerhalb des öffentlichen Medienhauses verloren, und die in Bern verbleibenden Hintergrundformate würden geschwächt, kritisieren sie.

Der Entscheid sei ein "Verlust für den Journalismus in der Hauptstadt -und im speziellen für das Radiostudio Bern", liess auch das Schweizer Syndikat Medienschaffender SSM verlauten. Es bleibe die Befürchtung, dass die Radio-Hintergrundsendungen von der digitalen Entwicklung abgeschnitten und schrittweise abgebaut würden.

Die Vereinigung Pro Idée Suisse sprach von einem "Trauerspiel" und von "einem Sterben auf Raten" des Berner Radiostudios. Was drohe sei ein "medienpolitisch unhaltbarer Einheitsbrei aus dem Zürcher Leutschenbach".

Bund will bei Standorten nicht dreinreden

Auf nationaler Ebene hielt sich das Parlament weitgehend heraus aus der Debatte. Der Ständerat versenkte zwei parlamentarische Initiativen, die verlangt hatten, dass Radio-Informationssendungen schwergewichtig in Bern und Lausanne zu produzieren seien, wie dies der Nationalrat zuerst entschieden hatte.

Bereits Anfang Oktober wurde die Verlegung der Nachrichtensendungen des Westschweizer Fernsehens RTS von Genf nach Lausanne von der SRG als definitiv kommuniziert. Der Umzug soll 2024 erfolgen. Die Nachrichten des Westschweizer Radios werden bereits in Lausanne produziert. (sda)

10. Dez 2019 / 15:56
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