• Die einschneidenden Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus dürften die Schweizer Wirtschaft 2020 in eine Rezession stürzen - im Bild ein geschlossenes Restaurant in Bern.
    Die einschneidenden Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus dürften die Schweizer Wirtschaft 2020 in eine Rezession stürzen - im Bild ein geschlossenes Restaurant in Bern.  (KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Bund erwartet deutliche Rezession

Das Coronavirus wird die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr stark treffen. Davon gehen nun auch die Ökonomen des Bundes aus.
Bern. 

Konkret schätzt die Expertengruppe des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen wird. Bei ihrer letzten Einschätzung im vergangenen Dezember war sie noch von einem Wachstum von 1,7 Prozent ausgegangen.

Sollten die für das laufende Jahr geplanten internationalen Sportanlässe nicht durchgeführt werden, würde das Minus gar 1,5 Prozent betragen, teilte das Seco am Donnerstagnachmittag mit. So oder so fällt die Schweiz laut der Prognose in eine Rezession.

Zuvor hatten schon andere Prognoseinstitute für das laufende Jahr eine ähnliche Entwicklung vorhergesagt. Zuletzt am Vormittag die Schweizerische Nationalbank.

Exporte brechen ein

Die Schweizer Wirtschaft sei über verschiedene Kanäle von der Verbreitung des neuen Coronavirus betroffen, begründete das Seco die Prognose. Das Virus hinterlasse zum einen einschneidende Spuren bei wichtigen Handelspartners, was in den exportorientierten Branchen zu Umsatzrückgängen führe.

So wird nun ein Rückgang der Exporte von 4,9 Prozent vorhergesagt, nachdem im Dezember noch eine Zunahme um 3,0 Prozent erwartet worden war. Negativ wirkten sich zudem die Beeinträchtigung der Lieferketten und der stärker gewordene Franken aus.

Zum anderen sei die Schweiz selber direkt vom Virus und den deswegen beschlossenen Massnahmen betroffen. Zahlreiche Unternehmen müssten den Betrieb temporär einschränken oder einstellen. In der Folge würden Ausgaben für Freizeit und Reisen, aber auch für langlebige Konsumgüter temporär einbrechen. Deshalb geht das Seco von einem rückläufigen Konsum aus (-0,5%).

Die Unternehmen würden wegen der Unsicherheit auch deutlich weniger investieren (Ausrüstungsinvestitionen: -5,0%) und Stellen streichen. Daher werde die Arbeitslosenquote im laufenden Jahr voraussichtlich auf 2,8 Prozent ansteigen.

Wiederbelebung im zweiten Semester

Sofern sich die Pandemie im Verlauf des Jahres stabilisiere, sei in der zweiten Jahreshälfte und 2021 mit einer "Wiederbelebung der Konjunktur" zu rechnen, schätzt das Seco. So wird ein Wachstum von 3,3 Prozent erwartet.

Der hohe Wert dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch damit das Niveau nicht mehr erreicht werde, wie wenn die Coronakrise nie stattgefunden hätte.

Wie üblich betont das Seco in der Mitteilung auch die Prognoserisiken. Die Unsicherheit sei derzeit "ausserordentlich hoch". So sei mit einem noch schärferen Einbruch zu rechnen, sollte sich das Virus stärker ausbreiten und sollten dadurch noch strengere Einschränkungen der ökonomischen Aktivität nötig werden als angenommen. (sda/awp)

19. Mär 2020 / 14:04
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