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Persönlich

In Kursen bin ich oft die einzige Frau

Andrea Matt führt das Elektrofachgeschäft ihres Vaters weiter. Für sie ist es nicht aussergewöhnlich, in dieser Branche zu arbeiten.
Nicole Öhri-Elkuch
Nicole Öhri-Elkuch
Andrea Matt in Mauren
Die gebürtige Maurerin führt gemeinsam mit ihrer Mutter den Familienbetrieb in zweiter Generation. Sie ist 1985 geboren und wohnt mit ihrem Mann in Triesenberg. (Bild: Daniel Schwendener)

Frau Matt, Sie haben das Elektronikgeschäft von Ihrem Vater übernommen. War es schon immer klar, dass Sie in seine Fussstapfen treten werden oder hatten Sie einen anderen Berufswunsch? 

Andrea Matt: Von klein auf habe ich beim Geschäft mitgeholfen und war eigentlich immer der Meinung, dass ich irgendwann mal das Geschäft auch übernehmen werde. Mein Vater meinte jedoch, dass ich als Plan B noch eine andere Richtung einschlagen sollte. Also habe ich nach dem Wirtschaftsgymnasium Sozialwissenschaften bei einer Fernuni studiert. Prozentual habe ich dann auch in diesem Bereich gearbeitet, schlussendlich bin ich aber nie vom Geschäft losgekommen.


 Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Ich versuche auf die Wünsche meiner Kunden einzugehen. Das heisst, ich frage sie erst nach ihren Gewohnheiten und suche dann das passende Produkt. Ich muss immer lächeln, wenn sie den Laden betreten und sagen, dass sie einfach einen normalen Fernseher brauchen. Den meisten ist gar nicht bewusst, dass es doch noch viele kleine Unterschiede bei den Herstellern und Modellen gibt.  Gerade in den vergangenen Jahren mit dem Beginn des Glasfasernetzes waren viele Kunden ratlos, was die Wahl des TV-Anbieters betrifft. Auch hier helfen wir gerne weiter und versuchen das passende Angebot und dementsprechend auch die Produkte für sie zu finden. Wenn die Kunden anschiessend ein positives Feedback geben und sie erstaunt sind, wie einfach das Ganze doch ist, dann haben wir einen guten Job gemacht. Und das ist auch das Spannende an der Arbeit: aus verschiedensten Möglichkeiten genau das richtige Produkt für unseren Kunden zu finden und ihn damit glücklich zu machen.


Glauben Sie, dass Sie es als Inhaberin eines Elektronikfachgeschäft schwerer haben, als es ein Mann hätte?

Heutzutage nicht mehr. Viele weibliche Kunden sind sogar erfreut, wenn eine Frau bei ihren Problemen weiterhilft, weil sie sich mehr ernstgenommen fühlen. Aber auch Männer haben da sehr selten ein Problem damit. Sie sind spätestens dann zufrieden, wenn wir ihr Problem gelöst haben, das sie schon seit mehreren Tagen oder Wochen in den Wahnsinn treibt. Auch wenn ich an Produkteschulungen oder Kurse gehe, merke ich nichts von irgendeiner Diskriminierung. Ich stelle meist erst am Ende des Tages fest, dass ich die einzige weibliche Person vor Ort war. Als ich vor knapp 20 Jahren an die ersten branchenspezifischen Einkaufsmessen mitgegangen bin, sah es schon anders aus. Dort wollten mir die Vertreter erklären, wie ich beispielsweise einen Fernseher am Besten reinige oder welche Stereoanlage am wenigsten Staub ansetzt. Aber spätestens als meine Mutter und ich nach technischen Details und möglichen Fehlerquellen fragten, wurden die Augen grösser und das Mundwerk kleiner.


Wie reagieren Sie auf Kritik?
Ich hoffe, dass ich auf Kritik von Kunden und anderen Mitmenschen höflich reagiere und ich versuche zuzuhören. Es braucht sehr viel bis ich aus der Haut fahre oder überhaupt sich mein Puls wegen Kritik oder ähnlichem erhöht. Ich vergeude keine Zeit mehr für schlechte Launen, sondern versuche es gleich besser zu machen.


 Welches Elektronikgerät ist privat Ihr Favorit und weshalb?

Mein Fernseher. Kein gutes Vorbild, aber der Fernseher läuft immer, wenn ich zuhause bin. Auch wenn ich nicht davor sitze. Er ist meine Hintergrundkulisse beim Arbeiten, Kochen, Basteln, einfach bei allem. Wenn ich mir mein Wohnzimmer aber einmal anders gestalte, stelle ich mir eine Sonoro Stereo-Anlage mit fetten Standlautsprechern hinein und höre mir meine ganzen gesammelten CDs durch (Die Sammlung geht übrigens immer noch weiter).


 Wie begegnen Sie Veränderungen und warum?

Ich versuche sie so gut wie möglich anzunehmen, wobei ich mittlerweile auch merke, dass es mir etwas schwerer wie früher fällt. So kann es beim einten oder anderen Thema auch mal vorkommen, dass ich stur beim Alten bleibe. Aber ganz nach dem Motto: Leben und leben lassen.


Was macht Ihnen beruflich am meisten Angst?

Dass die ganzen verschiedenen technischen Neuerungen und Verknüpfungen in der Elektronikwelt zu rasant vorwärtsgehen.


Wann und wo können Sie wirklich abschalten?

Beim Wandern mit meinem Mann und Freunden, bei den Proben und Auftritten mit der Harmoniemusik Konkordia Mauren und wenn mich Gernot Beck beim wöchentlichen Intervall-Training «triezt»


Worüber können Sie herzlich lachen?
Über schlechte Witze, die nur selten ein anderer gut findet (es gibt seltene Exemplare, die meinen Humor teilen).


In welches Land würden Sie auswandern und warum gerade dorthin?

Ich möchte nicht auswandern. Ich bin glücklich in einem kleinen Land wie Liechtenstein, wo sich jeder um drei Ecken kennt und wo ich spätestens innerhalb von 15 Minuten bei meiner Familie und meinen Freunden bin. In der Vergangenheit durfte ich mehrtägige Kurse in Wien und verschiedenen Städten in Deutschland besuchen, doch die Menschenmenge und Lautstärke hat mich abgeschreckt und ich ging immer wieder sehr gerne nach Hause. Einzig ein mehrwöchiger Winter-Aufenthalt in einem kleinen abgelegenen Dorf in Schweden würde mich reizen. Dort würde ich den Tag mit Huskys, Schneeschuhwanderungen und anderen Winteraktivitäten verbringen.


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Meine ersten Ferienjobs hatte ich bei Denner, Chemichl und im Freibad Vaduz. 


Was würden Sie mit dem Geld machen, wenn Sie im Lotto gewinnen?

Ich würde einen Teil meiner Arbeit an einen Angestellten abgeben, eine Haushaltshilfe für Arbeiten anstellen, auf die ich keine Lust habe, und dann noch mehr wandern und Radfahren gehen. Ansonsten würde sich nicht viel ändern. Ich mag mein Leben und kann nicht behaupten, dass es an irgendwas fehlt. (Den anderen Teil meiner Arbeit würde ich weiterhin selbst machen, damit ich weiterhin einen geregelten Tag, Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen habe und die Freizeit zu schätzen weiss.)


 Wie lautet ihr Lebensmotto?

Vergiss die Welt, friss das Glück, atme den Wahnsinn!


Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Dass wieder etwas «Normalität» einkehrt, nicht mehr so viele Katastrophen passieren, ob Mensch- oder Naturgemacht. 

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