• Aerial view of a new residential neighborhood
    Strom vom Dach nebenan beziehen? Das könnte in Liechtenstein bald Realität werden.  (iStock)

Werden Liechtensteiner Hausbesitzer bald zu Stromversorgern?

Im Gegensatz zur Schweiz wurde der Strommarkt in Liechtenstein liberalisiert – dem Projekt «Quartierstrom» steht rechtlich nichts im Weg. So könnte jeder mit jedem Strom handeln.

Walenstadt hat mit dem Projekt «Quartierstrom» bereits Schlagzeilen gemacht – und Liechtenstein könnte dem Beispiel bald folgen. Würde das Projekt «Quartierstrom» analog zu Walenstadt auf die 38 547 Einwohner und damit das ganze Land ausgeweitet werden, wäre Liechtenstein das erste Land der Welt mit dezentraler Stromversorgung.

Gute Halbzeitbilanz aus Walenstadt
Bei «Quartierstrom» handelt es sich um eine dezentrale Stromversorgung nach dem Mieterstrommodell. Das heisst, anstatt von einem grossen Kraftwerk Strom zu beziehen, wird Strom und Wärme im «Quartier» – also direkt im Haus – produziert. Entweder mit Photovoltaikanlagen oder mit Blockheizkraftwerken (BHKW). Wer Solarstrom produziert, verkauft ihn aber nicht mehr dem Stromversorger, sondern direkt im lokalen Strommarkt zu einem Preis, der von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Der Handel wird automatisch über eine Blockchain abgewickelt.

Für die Bezüger fallen so deutlich tiefere Netzkosten an, als wenn Strom von weiter her bezogen wird. Über ein Web-Portal können die teilnehmenden Haushalte ihre individuellen Präferenzen für den Kauf und den Verkauf angeben: Betreiber von Solaranlagen bestimmen, zu welchen Bedingungen sie den überschüssigen Solarstrom im Quartier abgeben wollen. Die Stromkonsumenten legen umgekehrt fest, bis zu welchem Preis sie Strom aus dem Quartier beziehen wollen. Die wichtigste Frage, die mit dem Pilotprojekt in Walenstadt beantwortet werden soll: Wie weit steigert der lokale Strommarkt den Absatz dezentral erzeugter erneuerbarer Energie und vermag so einen Beitrag Richtung Ziele der Energiestrategie 2050 zu leisten? Die «Halbzeitbilanz» der 36 Haushalte und des Altersheims in Walenstadt spricht eine klare Sprache. Im Juni dieses Jahres konnte die Gemeinschaft ihren Strombedarf zu 47 Prozent selbst decken, in den Vormonaten lag dieser Anteil bei 30 bis 40 Prozent. Die angeschlossenen Prosumenten verbrauchten 25 bis 40 Prozent ihrer Produktion im eigenen Haushalt, 20 bis 30 Prozent verkauften sie in der Nachbarschaft. Der Eigenverbrauch der Gemeinschaft als Ganzes lag 20 bis 30 Prozent höher als beim klassischen Eigenverbrauch der einzelnen Prosumenten.

«Prosumer entlasten das öffentliche Netz»
Diese Resultate sind den Liechtensteinischen Kraftwerken natürlich bekannt – weshalb sie am Thema «Quartierstrom» auch dranbleiben und im August ein Entwicklungsprojekt gestartet haben. Die rechtliche Situation in Liechtenstein sieht denn auch vor, dass jeder mit jedem Strom handeln kann. Sobald dieser Handel das öffentliche LKW-Netz benutzt, sind aus regulatorischer Sicht natürlich Netznutzungsgebühren geschuldet. Und dafür müssen entsprechende Messungen durchgeführt werden.

Angesprochen auf die mögliche Konkurrenzierung durch Privathaushalte erklärt LKW-Generaldirektor Gerald Marxer: «Es ist heute schon so, dass die sogenannten Prosumer, welche ihren PV-Strom auf dem Dach erzeugen und im Gebäude selbst verbrauchen, logischerweise weniger Strom aus dem Netz und somit von den LKW beziehen. Somit besteht eine gewisse Konkurrenzsituation.» Gleichzeitig würden Prosumer aber auch das öffentliche Netz entlasten, was langfristig zu einer Reduktion der Netzinvestitionen führen könnte.

Ob und um wie viel mit dem Modell «Quartierstrom» der Eigenversorgungsgrad erhöht werden könnte, kann laut Gerald Marxer kaum abgeschätzt werden. Grundsätzlich würden solche Modelle den Eigenversorgungsgrad nicht erhöhen. Sie reduzieren allerdings den Stromimport, wenn neue PV-Anlagen gebaut würden. Letztes Jahr kamen übrigens rund 5 Prozent des Landesabsatzes aus allen PV-Anlagen. (dv)

21. Nov 2019 / 23:16
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2 KOMMENTARE
Pervers
Die Netzgebühren sind höher als der Stromverbrauch. Das hat man davon vom zuviel Strom sparen Ersatz der Leuchtmittel mit LED. Man kommt sich wie der letzte Idiot vor. Das LKW gewinnt immer. Wir bezahlen das Netzt doppelt einmal bei der Erstellung und dann laufend durch Gebrauch. Und wo geht das Geld hin? In fette Gehälter und Pensionen in Management und VR. Super traurig
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 23.11.2019 Antworten Melden
Gesamtstromverbrauch ?
Werden Liechtensteiner Hausbesitzer bald zu eigen Stromversorgern ?
Und, wie hoch ist der Verbrauch anteilmässig von Industrie und Privathaushalten in Prozent ?
Und, was zahlt die Industrie für eine KWh Brutto, also inklusieve aller Abgaben und Netzkosten ?
Im Privathaushalt sind das ca. 20 Rappen pro KWh über 5 Jahre durchschnittlich.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.11.2019 Antworten Melden

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