• Die Digitalisierung bringt neue Arbeitsformen. Mit Homeoffice oder Arbeitsplattformen treten neue, grundsätzliche Fragen auf, die künftig zu lösen sein werden.	Bild: Istock
    Mit Homeoffice oder Arbeitsplattformen treten neue, grundsätzliche Fragen auf, die künftig zu lösen sein werden.  (AleksandarNakic)

Was bleibt nach Corona vom Homeoffice?

Die Pandemie hat den Berufsalltag auf den Kopf gestellt. Ob Corona einen Homeoffice-Boom in Liechtenstein auslöst, ist fraglich.

Die Coronakrise hat viele Firmen gezwungen, ihren Mitarbeitenden Homeoffice zu ermöglichen. Viele möchten das in der Schweiz beibehalten, wie eine Umfrage bei Schweizer HR-Managern und Personalfachleuten zeigt. 85 Prozent der Firmen gaben an, auch nach der Krise das Arbeiten von zu Hause aus zu erlauben. Mitarbeiter von Novartis können sogar für immer von zu Hause aus arbeiten – wenn sie wollen.

Ob auch Liechtensteiner Unternehmen zu einem solch grossen Schritt bereit wären? Eine Umfrage unter zufällig ausgewählten Unternehmen im Land und gleichzeitig eine Momentaufnahme zeigt, dass der Einfluss der Krise auf das Homeoffice hierzulande nicht ganz so gross sein dürfte. Hilti gibt seinen Mitarbeitern im Rahmen seines Konzeptes «flexibles Arbeiten» seit einigen Jahren schon die Möglichkeit, einen Teil ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus zu erbringen. «Aktuell machen wir uns ebenfalls erste Gedanken über eine mögliche Ausweitung der bestehenden Regelung, wobei uns die geltenden sozialversicherungsrechtlichen Regularien bei den sogenannten Grenzgängern jedoch einen sehr engen Rahmen vorgeben», sagt Nadine Bernhardt von der Kommunikationsabteilung bei Hilti.

Gesetzliche Hürden machen es schwieriger

Über 55 Prozent der Arbeitnehmer sind hierzulande Grenzgänger. In absoluten Zahlen ausgedrückt, pendeln 21 299 jeden Tag aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nach Liechtenstein. Auch bei grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen ist immer nur ein Staat zuständig für die Sozialversicherungen – derjenige, wo der Mitarbeiter seine Arbeit erbringt. Wer als Grenzgänger die Arbeitszeit faktisch zu mehr als 25 Prozent auf Dauer in seinem Wohnstaat erbringt, kann nicht mehr in Liechtenstein sozialversichert werden. Während der Coronazeit galt und gilt noch immer eine Ausnahme, die diese Regelung ausser Kraft setzt. Damit waren alle Nachbarstaaten einverstanden. «Es ist jedoch nicht abschätzbar, wann die einzelnen anderen Staaten, aus denen Liechtenstein seine Arbeitskräfte rekrutiert, wieder zurück zur vereinbarten staatsvertraglichen Regelung wollen», schrieb die Liechtensteiner AHV diese Woche auf ihrer Webseite.

Auch für die Kyberna, ein Vaduzer IT-Unternehmen, ist diese Regelung eine Hürde. Während der Coronazeit waren fast 100 Prozent der Mitar­beiter im Homeoffice tätig. Inzwischen hat die Firma, die selbst professionelle Homeoffice-Lösungen anbietet, auf knapp 50 Prozent Homeoffice reduziert. «Durch einen virtuellen Desktop können alle Mitarbeiter sicher auf alle Daten zugreifen», sagt Daniel Link als Leiter Business Cloud & IT-Infrastruktur. Die Kyberna werde Homeoffice sicher zum Teil weiterhin beibehalten, weil die Produktivität in der Zeit gestiegen sei und man überzeugt ist, dass eine grundlegende Veränderung in diesem Bereich laut Link stattfinden wird.

Positive Effekte hinsichtlich flexiblere Arbeitszeiten durch die Coronapandemie erkennt auch Simon Tribelhorn als Geschäftsführer des Bankenverbandes. Inzwischen sind die Mitarbeiter wieder aus dem Homeoffice zurückgekehrt und es herrsche Normalbetrieb. «Dass alle Beschäftigten wie bei Novartis im Homeoffice arbeiten, wird beim Verband nicht der Fall sein», sagt Tribelhorn. Viele Angestellte haben schon vor Corona zeitweise daheim gearbeitet. «Inwiefern wir das Angebot noch weiter ausbauen, müssen wir uns genauer anschauen. Das technische Set-up hat sich zwar sehr gut bewährt, doch der soziale Kontakt und persönliche Meetings sind in meinen Augen sehr wichtig», sagt Tribelhorn. Bei den Banken und damit Mitgliedern des Verbandes zeige sich, dass sie je nach Funktion und Tätigkeitsgebiet vermehrt das Arbeiten von zu Hause aus beibehalten werden. Überraschend schnell haben die Banken auf die Krise reagiert und ihre Mitarbeiter zur eigenen Sicherheit zu Hause arbeiten lassen.

In 24 Stunden zu 80 Prozent ins Homeoffice

So war es auch bei der Bank Frick. Innerhalb von 24 Stun­den hat das Institut 80 Prozent der Mitarbeiter ins Homeoffice schicken können. «Corona hat bisherige Strukturen aufgebrochen», sagt Matthias Willi als Media Manager auf Anfrage. Bank Frick sieht sich selber als sehr flexiblen Arbeitgeber. Daher haben die Mitarbeiter die Freiheit dort zu arbeiten, wo sie es möchten – in Absprache mit dem direkten Vorgesetzten. Allerdings ist es in mancher Abteilung, wie beispielsweise im Trading, nicht ganz so einfach möglich. Auch er nennt die 25-Prozent-Regelung als Hürde. Trotzdem habe sich das Modell bewährt.

Bei der Telecom Liechtenstein wird es hingegen nach Corona keine grosse Veränderung geben. Schon vor der Pandemie war es möglich, eine gewisse Zeit im Homeoffice tätig zu sein. Bei einer Vollzeitstelle wäre es ein Tag pro Woche, allerdings werde man dies auch nach der Krise beibehalten und die Regelung nicht ändern. Während des Lockdowns waren alle Mitarbeiter bis auf die Techniker daheim in den ­eigenen vier Wänden. Bei der ITW in Balzers ist Homeoffice gar kein Thema, wie es auf Anfrage knapp heisst. Selbst während der Coronazeit wurde normal weitergearbeitet – einfach mit Sicherheitsabstand. Es dürfte bei manchen Firmen noch einige Zeit dauern, bis flexiblere Modelle Einzug halten. (dal)

31. Jul 2020 / 23:33
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2 KOMMENTARE
Ob wir wollen oder nicht alles spricht dafür...
Die Digitalisierung, Klimaschutz und die Wettbewerbssituation in westlichen Ländern erzwingen Homeoffice mit oder ohne Corona. Ob wir wollen oder nicht alles spricht dafür zum Wechsel wenn wir auch wettbewerbsfähig bleiben wollen gegenüber Asien. Pendlerströme werden abreissen, sooner or later.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 01.08.2020 Antworten Melden
20% weniger Verkehr sind also ohne Problem möglich
Ein Tag pro Woche liegt also schon jetzt gesetzlich drinn. Der Staat könnte ja das Homeoffice fördern anstatt eine S-Bahn, würde am Ende sogar mehr bringen..
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 03.08.2020 Antworten Melden

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