• Ernst August Prinz von Hannover hat seinen Liechtensteiner Treuhänder, Prinz Michael von und zu Liechtenstein, angezeigt. Doch ob diese Anzeige wirklich berechtigt ist, ist noch offen und bereits jetzt umstritten.  (Keystone)

Streit unter Prinzen

Ernst August Prinz von Hannover geht mit einer Strafanzeige gegen seinen Liechtensteiner Treuhänder vor. Jener versichert, dass die Vorwürfe haltlos sind. Steht die Anzeige auf wackeligen Beinen?
Reaktion. 

Wenn sich zwei Prinzen streiten und deren Vaduzer Vermögensverwalter ebenfalls blauen Blutes ist, dann ist dein gefundenes Fressen für so manches Boulevardblatt. Gerade wenn einer von ihnen, Ernst August Prinz von Hannover, seit Jahren als unberechenbarer Exzentriker in die Schlagzeilen gerät. Im Erbschaftsstreit mit seinem Sohn berichtete aktuell auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» in ihrer letzten Sonntagsausgabe über den Prinzen. Der Grund: Ernst August hat Strafanzeige gegen seinen langjährigen Vaduzer Treuhänder, Prinz Michael von und zu Liechtenstein, und einen seiner Angestellten eingereicht, wie die Staatsanwaltschaft Vaduz entsprechende Medienberichte bestätigte. Sie umfasst 53 Seiten. «Die Anzeige wird von uns geprüft», erklärt Staatsanwalt Robert Wallner auf Anfrage. Der Vorwurf des Familienoberhaupts der Welfen: Untreue und Betrug. Man habe ihn statutenwidrig aus dem Vorstand der Herzog-von-Cumberland-Stiftung verdrängt. Sein ältester Sohn, Ernst August Prinz von Hannover junior, nahm dessen Platz in der Stiftung ein, die den Besitz der Welfen in Österreich verwaltet und bereits im Jahr 1960 gegründet wurde.

Skepsis über Strafanzeige
Prinz Michael von und zu Liechtenstein verwaltet mit seiner Firma Industrie- und Finanzkontor laut Handelsregisterauszug treuhänderisch die Grundstücke in Österreich, die in der 1960 eingerichteten Herzog-von-Cumberland-Stiftung gebündelt sind. Auf Anfrage wehrt sich die Treuhandgesellschaft nun gegen die deutschen Medienberichte: «Uns ist keine Strafanzeige bekannt. Die Vorwürfe sind haltlos. Der Stiftungsvorstand handelt immer im Einklang mit Gesetz, Stiftungssatzung, dem wohlverstandenen Stifterwillen und den langfristigen Interessen des Hauses Hannover.» Mehr kann die Treuhandgesellschaft nicht dazu sagen. Kein Wunder: Gehört doch Verschwiegenheit und der Schutz der Kunden berufsbedingt zu seiner obersten Pflicht. Das macht es schwer, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Ein unabhängiger Berufskollege in Liechtenstein,

der nicht namentlich genannt werden will, mahnt zur Vorsicht in dem Fall. Prinz Ernst August sei entsprechend der Statuten bereits im Jahr 2012 abberufen worden. Das geht aus dem Handelsregisterauszug der Herzogvon-Cumberland-Stiftung hervor. Wiedas Protokoll der Stiftungsratssitzung zudem zeigt, nahm Prinz Ernst August seine Aufgaben nicht wahr und musste daher abberufen werden. Der Brancheninsider stellt sich die Frage: «Warum klagt der Prinz erst sieben Jahre danach?» Über die Gründe seiner Abberufung könne man nur spekulieren. Aus dem 150-Seiten-Auszug aus dem Handelsregister geht das nicht hervor. «Aber ich bin überzeugt, dass der Treuhänder dies nicht ohne triftigen Grund gemacht hat und damit den Zweck der Stiftung erfüllte, nämlich das Familienvermögen langfristig zu schützen».

Staatsanwaltschaft muss prüfen
Wichtig zu erwähnen in einem solchen Streitfall ist: Die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft ist per Gesetz dazu verpflichtet, jeden ihr zur Kenntnis gelangten Verdacht einer strafbaren Handlung aufzuklären und zu diesem Zweck Vorerhebungen durch die Landespolizei oder den Untersuchungsrichter führen zu lassen. Demnach ist noch offen, inwieweit die Strafanzeige tatsächlich überhaupt ihre Berechtigung hat. Der Liechtensteiner Staatsanwalt Robert Wallner gab dazu auf Anfrage keine Auskunft. Ob tatsächlich mit einer Anklage zu rechnen ist, bleibt offen. Über die genauen Gründe, warum Ernst August Prinz von Hannover aus der Stiftung abberufen wurde, könnte vor allem sein Sohn Auskunft geben. Jener erklärt schriftlich nur so viel: «Die zuletzt vom Anwalt meines Vaters geäusserten Unterstellungen im Zusammenhang mit der Abberufung meines Vaters als Stiftungsvorstand sind falsch und entbehren jeder sachlichen Grundlage».

Schulden des Vaters tilgen
Schon seit Jahren tobt zwischen Ernst August Prinz von Hannover und seinem Sohn ein Erbschaftsstreit. Dabei geht es unter anderem um die Marienburg südlich von Hannover. Die niedersächsische Landesregierung hat den geplanten Kauf des Stammsitzes der Familie aufgrund des Zwistes auf Eis gelegt. Der Vater stemmt sich gegen den Verkauf. Dabei will der Sohn offenbar nur den Schuldenberg verkleinern.

Ernst August Erbprinz von Hannover junior kann zur Sanierung des Schlosses Marienburg eigenen Angaben zufolge nicht genügend eigene Geldreserven aufbringen. «Ich wäre froh und stolz, wenn ich das Schloss allein erhalten könnte. Aber ich kann es einfach nicht», sagte der 35-Jährige der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (HAZ) erst kürzlich. Es herrschten völlig falsche Vorstellungen vom Reichtum seiner Familie. Zwar sind die Welfen eines der ältesten europäischen Adelshäuser, doch unermesslich reich seien sie deswegen nicht, sagt der Junior, der als Banker tätig ist.

2004 hat ihm sein Vater zwar Grundbesitz übertragen. Jener bestehe aber vor allem aus land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Die Erträge daraus reichten nicht aus, um Schloss Marienburg zu sanieren und zu erhalten. Liquides Vermögen sei ihm nicht übertragen worden. 44 Millionen Euro, die er 2005 bei einem Kunstverkauf auf dem Schloss eingenommen hatte, bilden die Ausnahme. Sie seien zur Sanierung des Schlosses vorgesehen. Doch die Gelder seien für Verbindlichkeiten verwendet worden, die laut Prinz Ernst August junior entstanden sind, bevor er Verantwortung für das Familienvermögen übernommen hatte. Er gab im Interview zu Protokoll, dass die Schulden des Vaters ein erhebliches Mass erreicht hätten und getilgt werden mussten. (dal)

16. Feb 2019 / 11:08
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