• Alois Widmann in Vaduz
    Konnte mit seinem Unternehmen einen Meilenstein erreichen: Alois Widmann.  (Daniel Schwendener)

Vaduzer Blackbox für Autos ist marktreif

Alois Widmann hat mit seinem Diagnosegerät für Fahrzeuge den zweiten Grosskunden an Land gezogen. Sein im Jahr 2017 gegründetes Start-up Globalmatix wurde jüngst für über 14 Millionen Euro an den Softwarehersteller Softing aus Deutschland verkauft.

In seinem Büro lehnt ein Regal an der Wand mit alten Mobiltelefonen, die das Prädikat «Museumsstück» verdienen. Einige haben schon 20 Jahre auf dem Buckel, andere entstammen einer neueren Generation. Eines haben sie gemeinsam: Sie haben ausgedient. Und dennoch fungieren sie als Sinnbild für die Karriere von Alois Widmann. Der gebürtige Münchner lebt seit 20 Jahren in Liechtenstein. Seine Arbeit als Mobilfunkexperte hat ihn damals nach Vaduz geführt. Er war bei der Deutschen Telekom und später bei der FIAG Telecom tätig, bevor er nach Liechtenstein kam, um im Auftrag der Regierung im Jahr 1999 das erste 3G-Mobilfunknetz des Landes aufzubauen. Inzwischen hat sich der Mobilfunk stark weiterentwickelt. Nicht nur Menschen kommunizieren miteinander, sondern auch Maschinen. «Internet der Dinge» und «Industrie 4.0» stehen in den Startlöchern. Daten werden dafür nicht nur über WLAN, sondern auch übers Mobilfunknetz übertragen. 

Grosse Autohersteller als Kunden gewonnen

«Die nächste grosse Wachstumswelle steht dem Mobilfunk bevor», ist Widmann überzeugt. Dieser Trend beflügelte den Gründer in seiner Idee, auf die Autoindustrie zu schielen. 2017 gründete er das Liechtensteiner Unternehmen Globalmatix AG, mit dem er nun einen nächsten grossen Schritt gemacht hat, um den Markt für in Fahrzeugen gewonnene Diagnosedaten kräftig aufzumischen. Diese Blackbox – ein Kästchen von nur rund 20 Zentimetern  Länge und 5 Zentimetern Breite – ist seit dem 7. Januar 2020 marktreif. Auf einer Platine reiht sich modernste Computertechnologie an eine leistungsfähige Notstrombatterie so­wie an ein Modem inklusive SIM-Karte als Chip. Die Technologie überzeugt: Vor Kurzem konnte Widmann einen Vertrag mit Daimler unterzeichnen und das Unternehmen somit als Kunden gewinnen. Porsche setzte die Technologie bereits in Rennwagen ein, um Daten zu Bremswerten, Drehzahl, Fliehkräfte oder das ABS-System zu übertragen.

Globalmatix

Die xTCU kommt auch in Rennboliden von Porsche zum Einsatz.

Inzwischen gehört Porsche USA zu den Kunden, welche die Box namens xTCU einsetzen. Die gewonnenen Service- und Sicherheits-daten werden über das Mobilfunknetz in Echtzeit in eine Cloud übertragen. «Es eröffnen sich 1000 Anwendungsmöglichkeiten.» Die Box in den Autos weiss per Ferndiagnose, wie es den Systemen des Autos geht. Widmann spricht von vorhersehbarer Wartung. In Echtzeit wissen Flottenmanager sofort Bescheid, wenn etwas nicht stimmt. Den grossen Vorteil sieht Widmann in der Kostenersparnis. «Bei grossen Flotten mit Fahrzeugen von bis zu 300 000 Autos hat dies zum Beispiel gigantische Auswirkungen auf die Kosten. Die Autos fallen durch die ständige Fernwartung nicht aus. Bei grossen Autovermietern und anderen Unternehmen mit grossen Flotten könnte dies ein riesiger Vorteil sein. Doch laut Widmann gehe es nicht nur ums Flottenmanagement. Seine «Blackbox» kann auch eine Mitteilung senden, wenn es zum Beispiel regnet und das Autofenster noch offen ist. Oder sie kann Informationen in Echtzeit bei einem Parkschaden zuschicken. 

In Liechtenstein bis zur Marktreife getestet

Im vergangenen Jahr wurde das Vaduzer Unternehmen von der börsenkotierten Softing AG aus Deutschland übernommen, welche das Start-up für knapp 14 Millionen Euro kaufte. Softing ist auf das Auslesen von Fahrzeugdaten über kabelgebundene Stecker spezialisiert. Dank der Technologie aus Liechtenstein kann das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern seine Dienstleistungen nun auch über die Cloud anbieten. Für die deutsche Firma gilt das Start-up in Vaduz als grosser Hoffnungsträger. Tatsächlich ist die Box von Globalmatix bereits im Alltag angekommen. Die Fahrzeuge Liechtensteiner Unternehmen wurden mit dem Hightech-Kästchen ausgestattet, um künftig Diagnosedaten in die Firmenzentralen zu übermitteln. Beispielsweise sind einige Geräte in Zustellfahrzeugen der Liechtensteinischen Post AG eingebaut. Knapp 50 Fahrzeuge des Labormedizinischen Zentrums Dr Risch wurden kürzlich probeweise mit einer sogenannten xTCU ausgestattet. Unter anderem transportieren diese hochsensible Blutkonserven in der ganzen Schweiz. Das Geschäft entwickelt sich weg von einem Start-up hin zu einem Unternehmen, das dank der Mutter schnell skalieren und wachsen kann. Gute Vorzeichen für eine grosse Erfolgsgeschichte. (dal)

17. Jan 2020 / 09:51
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