US-Konzern sorgt für Aufruhr

Akquisition Ein US-Konzern will den Schweizer Tabakhersteller Koch & Gsell übernehmen – und kündigt dies als nahezu beschlossene Sache an. Doch aus St. Gallen kommt ein klares Nein zum Deal – zumindest bei diesem Käufer.

Es war von Anfang an eine Erfolgsstory, auch wenn vermutlich die wenigsten auch nur ein paar Rappen darauf gesetzt hätten. Als vor gut drei Jahren die ersten Heimat-Zigaretten in die Regale kamen, stiessen sie auf reges Käufer-interesse. Die Glimmstängel aus Schweizer Tabak deckten offenbar eine grosse Nachfrage ab. Als die St. Galler auch noch mit der Produktion von Hanf-Zigaretten begannen, lief das Geschäft dann richtig rund. Die Mitarbeiteranzahl wurde verdoppelt, der Betrieb lief 14 Stunden täglich. Und trotzdem kam die Produktion kaum nach, die 20-Franken-teuren Hanf-Zigaretten waren nicht selten ausverkauft. Die junge Geschichte der Koch & Gsell AG, der Produzentin der Heimat-Zigaretten, liest sich wie ein Schweizer Unternehmermärchen. Das bleibt nicht unbemerkt.

US-Plattform meldet Verkauf

Anfang des Jahres dann die Knallermeldung in amerikanischen Investment-Portalen: Der US-Biotechnologiekonzern Therapeutic Solutions Group TCI Ltd. hat über die Gunpowder Capital Corp. eine Absichtserklärung veröffentlicht. Darin erklärt sie, dass man eine vollständige Übernahme der Koch & Gsell anstrebe. Und nicht nur das: Ausführlich wird das Übernahmeverfahren beschrieben, 
inklusive Kaufpreis. So sollen  am 25. Januar 2019 200 000 Dollar überwiesen werden. Dazu kommen weitere 10 460 000 Dollar, die vor dem 15. März 2019 bezahlt werden sollten. Es wäre der Preis für 51 Prozent der Aktien. Innerhalb eines Jahres bekäme Gunpowder ausserdem das Recht, für weitere 12 250 000 Dollar die restlichen Aktienanteile zu übernehmen. 

In der Mitteilung selbst wird Paul Haber, CFO der Gunpowder-Gruppe, zitiert: Man sehe ein riesiges Potenzial in dem Markt und könne sich gut vorstellen, die Produkte auch in den USA und Kanada zu vertreiben. Doch so schön das alles klingt: Die Wahrheit sieht etwas anders aus. 

Koch will nicht verkaufen

Roger Koch, Mitgründer und Geschäftsführer von Koch & Gsell, kann es auch knapp eineinhalb Wochen nach der ersten Veröffentlichung nicht fassen. Die Mitteilung enthalte so viel Falsches, dass er die kanadische Börsenaufsicht informiert habe, erklärt Koch auf Anfrage. Sie wurde von Koch selbst auch nie abgesegnet. «Wir haben keine Absicht, dieser Firma Koch & Gsell zu verkaufen», stellt der Schweizer Unternehmer klar. Es gebe zwar viele Interessenten und Gespräche, «aber denen verkaufen wir es sicher nicht». 
Unterdessen veröffentlichte auch Gunpowder einen Nachtrag, wobei es hier immer noch optimistisch klingt: «Es gibt keine Gewissheit, dass die Parteien zu gegenseitig akzeptablen Bedingungen kommen. Gunpowder wird ein Update bereitstellen, sobald eines verfügbar ist.» Doch ob es tatsächlich zu einem Update kommt, ist nach dem klaren Nein aus der Schweiz wohl eher unwahrscheinlich.

Expansion in die EU

Unabhängig von den Querelen in Nordamerika hat Koch & Gsell in Europa noch grosse Pläne. Wie die «Wirtschaftspresseagentur» berichtet, möchten die St. Galler über Vorarlberg in die EU expandieren. Dazu wurde vor einigen Monaten in Feldkirch eine entsprechende Gesellschaft gegründet. Wie Koch gegenüber der Agentur ausführt, sei eine eigene Produktion in der EU derzeit nicht geplant. Stattdessen will der Schweizer Tabakhersteller die Feldkircher GmbH dazu nutzen, um die Heimat-Zigaretten in Österreich und anderen EU-Ländern auf den Markt zu bringen. Man wolle auch in der Union reüssieren, so Koch. Dabei sei die nicht immer klare Rechtslage in den verschiedenen EU-Ländern aber eine Herausforderung. Gemäss der Agentur wird die Gesellschaft in den nächsten Wochen nun mit Personal ausgestattet. (ags)

11. Jan 2019 / 18:58
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