• CEO Edi Wögerer erklärt: «Wir wollen unser Geschäftsmodell auf ganz Europa ausrollen.»

Bank Frick: «Nun wird es einfacher für uns»

Die Bank Frick geht mehrheitlich in ausländische Hände. Das südafrikanische Fintech-Unternehmen Net1 wird Mehrheitsaktionär. Bank-Frick-CEO Edi Wögerer erklärt, wohin die Reise gehen soll.

Warum hat die Familie Frick beschlossen, sich als ­Haupteigentümer zurück­zuziehen?

Edi Wögerer: Die Familie zieht sich nicht zurück, sondern es ist eher umgekehrt, dass Net 1 seine Beteiligung erhöhen wollte, weil sie an uns glaubt und weil das vertraglich bereits Anfang 2017 festgelegt wurde, dass Net1 Mehrheitsaktionär wer­den kann. Im Jahr 2011 haben wir uns die Frage gestellt, wohin die Reise im Banking geht und dabei relativ schnell erkannt, dass altbekannte Standortvorteile wegfallen werden. Uns war klar, dass wir neue Märkte erschliessen müssen, um erfolgreich zu sein. Daraus haben wir die beiden Kernstrategien formuliert, einerseits näher beim Kunden vor Ort präsent zu sein und andererseits neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Umgesetzt wurde dies, indem wir zum Beispiel in England eine Niederlassung eröffnet haben. Zudem sind wir ins E-Commerce-Geschäft eingestiegen, sprich wir übernehmen die Zahlungsabwicklung für Onlineshops. In diesem Kon­text sind wir auch schnell mit Fintech-Unternehmen in Kontakt gekommen.

So kam die Bank Frick also zu Net1 aus Südafrika?

Ja, genau. Es gibt viele Fintech-Unternehmen, welche über fertig entwickelte Produkte ver­fügen, die aber noch wenig ­Berührungspunkte zur Regulatorik hatten. Die technologi­sche Transformation mit den regulatorischen Rahmenbedingungen zu verbinden, ist daher eine Kernaufgabe einer Bank geworden, um neue Geschäftsmodelle daraus zu entwickeln. Wir sind dabei schon sehr früh im Jahr 2015 auf das Thema Blockchain gestossen und haben rasch das Potenzial erkannt. Inzwischen sind wir ja, wie bekannt ist, europaweit führend, was Blockchain-Banking angeht. Das Ziel ist es, weiter zu wachsen, unser Geschäftsmodell zu skalieren und auf Europa auszurollen. Dafür brauchen wir starke Partner. Wir haben lange diskutiert, wer das sein könnte. Mir war aber relativ schnell klar – so wie sich unsere Welt entwickelt – brauchen wir einen Technologiepartner und so übernahm unser Wunschpartner Net1 im Jahr 2017 bereits 30 Prozent des Stammkapitals der Bank, dies verbunden mit der Option, nun eben die Mehrheit übernehmen zu können.

Wäre es mit der jetzigen Minderheitsbeteiligung von Net1 nicht möglich gewesen, den europäischen Markt zu erobern?

Absolut, das wäre möglich gewesen. Aber Net1 ist ein international tätiges Unternehmen mit einer Strategie, wie es sich in Europa positionieren möch­te. Mit dem neuen Mehrheitseigner wird die Bank der Ankerpunkt und das Zentrum für die Europastrategie des weltweit tätigen Unternehmens. Alleine wäre es schwierig, aus dem ­kleinen Liechtenstein ein Geschäftsmodell nach Europa zu transportieren. Wir sind überzeugt, dass durch den Synergieeffekt, der in eine weltweite Strategie eingebettet ist, es einfacher für uns sein wird.

Was wird sich in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat ändern?

Erschreckend wenig. Die Geschäftsleitung bleibt in dieser Form bestehen, genauso wie der Name, das Key-Team und auch der Verwaltungsrat, wobei Mario Frick sicher bis ins Jahr 2023 Verwaltungsratspräsident bleibt.

Peter Marxer hat einmal gesagt: Kleine Banken im Land, die sich nicht auf eine Nische spezialisieren, werden nicht überleben können. Ist dies der Hintergrund der strategischen Neuausrichtung?

Unsere Geschäftsmodelle haben wir sicher in einer Wachstumsnische entwickelt. Im Blockchain-Geschäft zum Bei-spiel sind wir ein Nischen­player, der nicht das Massen­geschäft, sondern hohe qua­litative und regulatorische Standards anvisiert. Aber der Blockchain-Bereich zeigt auf, dass wir nicht ewig ein Nischenplayer bleiben müssen, sondern dass wir in Europa wirklich zu einem zentralen Standort und Player werden können.

Liefern die neuen Geschäftsmodelle denn auch einen bedeutenden Beitrag zum Gewinn?

Ja, das Betriebsergebnis steigt seit Jahren stetig. Die Investitionen sind aber in den letzten beiden Jahren deutlich stärker gestiegen und das reduziert den ausgewiesenen Nettogewinn.

Investiert hat die Bank auch in den Mitarbeiterbestand, der sich im Jahr 2018 um 50 Prozent, also von knapp 80 auf 120 Mitarbeiter, erhöht hat. Geht es in diesem Tempo weiter?

Nein. Wir mussten komplett neue Abteilungen aufbauen, die IT-lastig sind und auf ­Prozessoptimierung getrimmt sind. Wir haben damit unser Wachstum schon antizipiert und in allen relevanten Bereichen Expertise weiter verstärkt, insbesondere im Bereich Blockchain. Denn Blockchain darf man nicht isoliert denken, das Thema betrifft auch Compliance, Handel und viele andere Abteilungen.

Über Net1 gibt es einige Medienberichte, wonach das Fintech-Unternehmen in Südafrika Schwierigkeiten hat in Hinblick auf Verluste und es die Quartalsabschlüsse daher nicht rechtzeitig bei der Nasdaq einreichen konnte. Wie gross ist das Vertrauen in den neuen Partner?

Net1 hat bei sich selbst umstrukturiert und sich von bestimmten Geschäftsmodellen getrennt sowie Unternehmen veräussert. Zum Beispiel von den Sozialzahlungen für den südafrikanischen Staat, die sie lange abgewickelt haben. Eine solche Restrukturierungsphase wird an der Börse nicht gerne gesehen und langfristige Investitionen interessieren dort oft nur sekundär. Die Planungen bei Net1 sind nachhaltig und langfristig, was bei uns vollstes Vertrauen schafft.

Was ist die Vision der Bank Frick? Welche konkreten Zielmarken möchte sie errei­chen bezüglich verwaltete Vermögen oder Umsatz?

Primär geht es in dieser Umbruchsphase nicht um den finanziellen Fokus, sondern um die Chancen, welche wir aus Liechtenstein heraus nutzen können – durch einen freien Marktzugang nach Europa und in die Schweiz und ein neues Blockchain-Gesetz sowie eine Fintech-affine Regulierung. Ob­wohl Net1 bei der Nasdaq ge­listet ist, geht es dem Aktionär nicht nur um Dividende, sondern er sieht diese einma­lige Chance ebenfalls und investiert daher auch. (dal)

09. Okt 2019 / 08:00
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