• Birgit Wimmer, VR-Präsidentin Casino Admiral
    Birgit Wimmer, VR-Präsidentin Casino Admiral  (Daniel Schwendener)

«Mir ist bewusst, dass Ängste in der Bevölkerung entstehen»

Mit Birgit Wimmer steht eine Frau an der Spitze der Holdinggesellschaften von Novomatic-Gründer Johann F. Graf. Im Interview erklärt sie, welche Ziele die Gruppe in Liechtenstein verfolgt und was sie über die kritische Casino-Debatte in Liechtenstein denkt.

Frau Wimmer, eine Frage vorneweg, bevor wir über Liechtenstein sprechen: Gegen Novomatic laufen in Österreich Ermittlungen. Was ist dran an den Vorwürfen, sich für die FPÖ stark gemacht zu haben, um im Gegenzug leichter an Lizenzen zu kommen?
Birgit Wimmer: Da es ein laufendes Verfahren ist, kann ich dazu keine Auskunft geben. Die Unternehmensgruppe ist aber natürlich an einer raschen Aufklärung interessiert. 

In Liechtenstein hat die Novo-Swiss  Gruppe (Anmerkung der Redaktion; Schwestergesellschaft der Novomatic Gruppe) gerade erst das zweite Casino eröffnet. Branchenkenner zweifeln an der Rentabilität von sechs Casinos im Fürstentum. Können mehr als drei Spielbanken Ihrer Ansicht nach in Liechtenstein rentabel sein?
Das kann ich nur schwer abschätzen. Wir konnten mit dem Casino in Ruggell das erste in Liechtenstein eröffnen und durften uns am 20. November über die Bewilligung in Triesen freuen. Welche Casinos und Angebote den meisten Zuspruch erhalten werden, wird sich zeigen. Der Markt wird sich aber regulieren. Die Rentabilität der Marktteilnehmer hängt davon ab, wer mit einem guten Konzept und einem seriösen Spieleangebot überzeugen kann. Beides sind unsere Stärken. Es wird zwar zu einer Umverteilung kommen, aber ich bin überzeugt, dass die bestehenden Casinos ihre Kunden und ihre Position am Markt halten können. 

In Bendern hat diese Woche ein neues Casino mit Pokerclub eröffnet. Sehen Sie darin eine grosse Konkurrenz?
Nein, in Bendern liegt der Schwerpunkt beim Pokerspiel. Bei uns hingegen ist der Fokus basierend auf langjähriger internationaler Erfahrung ein anderer. Wir haben zwar auch einige Pokertische aufgebaut, allerdings legen wir auf Pokerturniere nicht unser Hauptaugenmerk.  

Das Wettrennen um Marktanteile in Liechtenstein sorgte für Schlagzeilen auch in den Schweizer Medien, die von «Klein-Las Vegas» aufgrund der hohen Casinodichte über «Zockerparadies» reichen. Was denken Sie über solche Vergleiche? 
Journalisten finden manchmal plakative Bezeichnungen für bestimmte Themen, die ich nicht nachvollziehen kann. Die Dichte pro Einwohner ist für mich keine wegführende Vergleichsgrösse. Mit drei Spielcasinos hat das Tessin zum Beispiel die grösste Spielbankendichte der Schweiz und dennoch ist die Zahl der Spielsüchtigen nicht gestiegen. Mir ist jedoch bewusst, dass Ängste entstehen, die nur durch umfassende Aufklärung der Bevölkerung genommen werden können. Wir möchten aufzeigen, dass wir viel Geld und Know-how in den Spielerschutz investieren und gezielte Massnahmen setzen. Das Amt für Volkswirtschaft überwacht uns rigoros und die Standards sind in Liechtenstein im internationalen Vergleich hoch.

Die Regierung geht davon aus, dass mehr Spielangebote in Casinos nicht zu mehr Spielsüchtigen führen wird und stützt sich dabei auf wissenschaftliche Studien.
Ich persönlich denke auch, dass mehr Glücksspielangebot nicht zu mehr Süchtigen führt. Genauso wenig wie mehr Zigaretten-Automaten eine höhere Zahl von Rauchern oder mehr Bars eine höhere Anzahl von Alkoholabhängigen zur Folge haben. Wichtig ist, dass die Märkte reguliert sind, denn Verbote fördern illegales Glückspiel, illegale Spielhallen und damit auch die Spielsucht. Der Schweizer Casino-Verband schätzt, dass mit illegalem Glücksspiel, vor allem in Bars und Restaurants, schweizweit jährlich 150 Millionen Franken Bruttospielertrag erzielt wird. 

Was sagen Sie zu den Ängsten und Vorwürfen, der Casino-Boom könnte dem Ruf Liechtensteins schaden?
Ich glaube, dass ist jetzt am Anfang noch ein Thema. Je länger der Casinomarkt in Liechtenstein besteht, desto eher wird man erkennen, dass dem nicht so ist. Das Geldspielgesetz ist darüber hinaus sehr streng und das Amt für Volkswirtschaft macht einen sehr guten Job. Ich sehe wie gesagt eine deutlich grössere Gefahr in der Illegalität des Glücksspiels, weil dort keine Kontrollen herrschen. 

Liechtenstein kann als regulierter Markt vom neuen Wirtschaftszweig profitieren. Die Geldspielabgabe lag 2018 bei fast 20 Millionen Franken. Wie hoch sind Ihre Erwartungen an den Bruttospielertrag für das laufende Jahr?
Das ist schwierig abzuschätzen, weil sicher einige unserer Gäste die neuen Casinos in Bendern und in Schaan, welches 2020 eröffnen soll, ausprobieren werden. Im Endeffekt hängt es von unserem Angebot und Service ab, wie wir uns am Markt positionieren können. Ich gehe jedoch grundsätzlich davon aus, dass wir den Bruttospielertrag (BSE) aus dem vergangenen Jahr, der bei 35 Millionen Franken lag, 2019 in der Gruppe halten können. 

Das Investitionsvolumen in das Bauprojekt Triesen lag bei rund 4,2 Millionen Franken..Wie gut muss das Casino in Triesen laufen, um rentabel zu sein?
Ich gehe davon aus, dass wir in Triesen etwa einen Drittel der Gästezahlen benötigen, welche Ruggell derzeit aufweist. Das wären 220 bis 230 Gäste pro Tag. 

Sind Automaten für das Casino Admiral das rentabelste Geschäft?
Das Live-Game ist einerseits sehr personalintensiv und andererseits ist das Spielaufkommen so unterschiedlich, dass es nicht leicht vorhersehbar ist. Wenn man das Live-Game mit Geldspielautomaten vergleicht, dann sind letztere das einträglichere Geschäft. 

Die Casinos in der Schweiz beziehungsweise der Region beklagten sich zuletzt, Liechtensteiner Spielbanken würden ihnen das Wasser abgraben. Das Casino St. Gallen hat mit stark rückläufigen Einnahmen zu kämpfen. Die Erträge sind regelrecht eingebrochen.
In dem Zusammenhang ist es ganz wichtig zu erwähnen, dass die Bruttospielerträge in der Schweiz im Jahr 2018 – als es die beiden Casinos in Liechtenstein bereits gab – wieder um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 703.2 Mio. Franken angestiegen sind. Ich frage mich also, wo diese Abwanderung geblieben ist? 

Der Vorwurf tauchte des öfteren auf, Liechtenstein ist nur deshalb so erfolgreich, weil die gesperrten Spieler aus der Schweiz ins Land kommen. Ist das begründet?
Nein. Ich denke, wenn es in den nächsten Jahren noch weitere Casinos geben wird, dürfte es in diesem Punkt auch noch zu Änderungen kommen. Ich stehe einem Austausch der Spielsperren aber kritisch gegenüber. 

Aus welchen Gründen – weil man von Liechtenstein etwas verlangen würde, das die Schweiz und Österreich selbst nicht umgesetzt haben?
Ja, richtig. Wenn es einen solchen Austausch von Sperrlisten gibt, dann sollte dieser für Liechtenstein auch fair sein. Ein Austausch sollte dann für alle Casinos in der Region gelten. 

Und was sagen Sie zu der Debatte, dass die Liechtensteiner Casinos weniger Abgaben leisten müssen im Vergleich zur Schweiz?
Wir haben einen Vergleich zu Casinos in der Region angestellt und festgestellt, dass die Geldspielabgaben in der Praxis marginal niedriger sind als in der Schweiz. Es gibt in Liechtenstein einen maximalen Steuersatz von 40 und in der Schweiz von 80 Prozent. In der Schweiz wird ab 20 Millionen BSE jede weitere Million mit 0,5 Prozent progressiv besteuert. Dabei muss man aber bedenken, dass Casinos Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, im regionalen Markt hohe Wertschöpfungen im Gewerbe auslösen, Vereine und Organisationen unterstützen und daher stärker als Wirtschaftsfaktor betrachtet werden sollten. Wir sind zudem nicht in Liechtenstein aufgrund von niedrigeren Steuersätzen, sondern weil sich der Markt geöffnet hat und wir das ergänzende Geschäft als Chance sehen. Wir müssen als Casino aber alles dazu beitragen, um Menschen, Familien und Existenzen nicht zu gefährden. Andererseits sollten Menschen auch nicht entmündigt werden und die freie Wahl haben, ob sie ins Casino gehen wollen oder nicht. (dal)

 

14. Dez 2019 / 15:00
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