• Ländlegold PK in Ruggell
    PK, Ländlegold Bier beim Gerstenfeld in Ruggell Feld, Gerstenfeld, (Getreide) FOTO & COPYRIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

Der Kampf um die Liechtensteiner Biertrinker

Der Biermarkt erlebt einen rasanten Wandel: Heute geht der Trend hin zu regionaler Produktion. Im Fürstentum gibt es derzeit acht aktive Bierbrauereien. Aber auch Schweizer Unternehmen wie «Sonnenbräu» drängen seit einigen Jahren in den liechtensteinischen Markt stärker vor.

Als Bierbrauer hat man nicht immer leichtes Spiel. Die schlechte Nachricht zuerst: Innerhalb der vergangenen
25 Jahre ist der Bierkonsum um insgesamt 24 Prozent eingebrochen. Die gute Nachricht folgt: Die Nachfrage nach Bier bleibt seit drei Jahren im Grossen und Ganzen konstant. Rein statistisch gesehen konsumierte jeder Liechtensteiner und Schweizer im Jahr 2018 rund 55 Liter Bier pro Kopf. Ein solides Jahr für die Bierproduzenten, vor allem auch weil das Wetter mitspielte. Die Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigten jeweils klar: Der Bierkonsum steigt, wenn warme Temperaturen vorherrschen. Das war 2018 im April, Mai und Juli der Fall. Das gilt jedoch auch für das laufende Geschäftsjahr. Bruno Güntensperger, Geschäftsführer von Brauhaus AG, ist im Grossen und Ganzen zufrieden: «Der Start verlief gut. Nach einem etwas harzigen Mai, der regnerisch und kalt war, können wir jetzt aber wieder von einem sehr guten Sommer ausgehen.»
Die Anzahl Liechtensteiner und Schweizer Brauereien ist mittlerweile beträchtlich. Waren in der Schweiz 1940 noch 60 Brauereien bei der Eidgenössischen Zollverwaltung gemeldet, sind es heute bereits 1021 Brauereien. In Liechtenstein sind aktuell 8 Brauereien verzeichnet: im Unterland 2, im Oberland 6. Als Braustätte gilt, wer berufs- oder hobbymässig mehr als 4 Hektoliter (400 Liter) Bier pro Jahr braut oder dieses unabhängig von der Menge abgibt oder verkauft.

Brauhaus belebt Tradition wieder
Die Geschichte der Liechtensteiner Bierherstellung reicht zurück ins 18. Jahrhundert. Das Historische Lexikon des Fürstentums Liechtenstein berichtet, dass das fürstliche Rentamt ab 1794 eine jeweils zeitlich befristete Konzession zur Bierbrauerei versteigerte. Mit der Aufhebung der «Monopolgewerbe» 1848 fiel die Versteigerung der Bierbrauereikonzession dahin. Der letzte Inhaber einer solchen Konzession, ein Baptist Quaderer aus Schaan, nahm seine Tätigkeit 1841 auf. Die Familie Quaderer war bis 1917 mit der Bierbrauerei befasst, dann erzwangen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs deren Einstellung. Erst 2007, also 90 Jahre später,  lebte die Bierbrauerei in Liechtenstein mit der Eröffnung der Liechtensteiner Brauhaus AG in Schaan wieder auf. Brauhaus AG ist bis heute der einzige Bierbrauereibetrieb, der diese Tätigkeit professionell ausführt und sogar Lernende ausbildet. 2010 kam mit «PrinzenBräu» eine weitere Brauerei aus Balzers dazu. Daneben gibt es aber mittlerweile eine ganze Reihe an Kleinstbetrieben, verstreut über das gesamte Land: F. lli Pasquale (Ruggell), Brauerei Liechtensteiner Edelbrand (Schellenberg), Brauerei Fülli-Bier (Planken), Brauerei Quaderer (Schaan), Brauerei «Wäsch Kohi Sud» (Schaan) und «FäsSele-Bräu» (Vaduz).

Trend geht zu Regionalität
In Zeiten der Globalisierung verlangt der Kunde immer stärker nach regionalen Produkten. Das bestätigt auch Brauhaus-Geschäftsführer Bruno Güntensperger: «Regionalität ist heute bei allen Konsumgütern und Dienstleistungen wichtig, so auch beim Bier. Der Grundsatz lautet: Dort, wo ich lebe, gebe ich mein Geld aus, geniesse ich die Bildung, ermögliche ich Arbeits- und Ausbildungsplätze.» Den Trend zur Regionalität haben aber auch längst grössere Brauereien wie beispielsweise das Schweizer Unternehmen «Sonnenbräu» erkannt, das im Liechtensteiner Markt vor allem mit Brauhaus konkurriert.

Sonnenbräu mit Ruggeller Gerste
Mit ihrem Produkt «Ländlegold» richtet sich Sonnenbräu bewusst an der Liechtensteiner Klientel aus. Mit Erfolg. Jährlich werden rund 50 000 Bierflaschen produziert. Zusätzlich liess sich das Unternehmen mit dem «Culinarium»-Label auszeichnen, einem Gütesiegel für Produkte aus der Region, welches versichert, dass bei zusammengesetzten Produkten 80 Prozent der Zutaten aus der Region stammt. Die für das «Ländlegold» verwendete Gerste wächst also direkt in Ruggell. Das Gerstenfeld befindet sich im Ruggeller Riet, unmittelbar hinter dem «Kokon». «Die Sonnenbräu war Pionierin in der Lancierung respektive dem Wiederanbau von Schweizer Braugerste. Einer der Bauern und wichtiger Partner in diesem Projekt ist der Ruggeller Landwirt Mathias Büchel», sagt Sonnenbräu-Geschäftsführerin Claudia Graf, die Ururenkelin des Sonnenbräu-Gründer-
vaters Eduard Graf. Die Zusammenarbeit mit Büchel habe nun schon seit Jahren Bestand und man wolle diese Zusammenarbeit in den kommenden Jahren so fortsetzen. (rpm)

20. Jul 2019 / 07:00
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