Liechtenstein verursacht Preis-Explosion

Die Preise für Wohneigentum in Werdenberg explodieren. Schuld daran ist offenbar Liechtenstein – aber nicht nur.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Preise für Wohneigentum in der Ostschweiz zwischen 40 und 60 Prozent angestiegen. Weil sie in Werdenberg im gleichen Zeitraum sogar um 88 Prozent in die Höhe geschossen sind, ist es die Region mit der dritthöchsten Preissteigerung der gesamten Schweiz – hinter Zürich und Horgen. Gab es früher noch Häuser für 650000 Franken zu kaufen, müssen Käufer heute mindestens eine Million berappen. Auch die Grundstückspreise sind nach oben geschnellt. Vor zwei Jahren lag die obere Grenze bei 600 Franken. «Inzwischen ist ein Grundstück unter 800 Franken pro Quadratmeter gar nicht mehr zu finden», bestätigt der Immobilienmakler Heinz Senn. Er betreut Kunden auf beiden Seiten des Rheins. 

Steuern locken nach Werdenberg

Gerade Buchs, das einstige Mauerblümchen, sei regelrecht aufgeblüht. Das liegt für Senn einerseits ganz klar an den Steuern. «Buchs liegt  im Ranking des Kantons St. Gallen als steuergünstigste Gemeinde auf Platz vier». Inzwischen werde Buchs andererseits als Stadt wahrgenommen, deren urbane Infrastruktur heute geschätzt werde. Auch Grabs profitiert davon: Viele wollen im Grünen wohnen, aber dennoch in der Nähe einer urbanen Infrastruktur leben. Drittens machen die tiefen Zinsen Wohneigentum gegenüber Mietwohnungen attraktiver. 

Liechtenstein als Preistreiber

Der Hauptgrund für die Preis-Explosion sind aber laut Experten vor allem die EU-Zuzüger und Einwanderer aus dem Rest der Welt, welche in Liechtenstein arbeiten, aber keine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Daher lassen sich viele gute Steuerzahler in Buchs, Grabs, Gams oder Sennwald nieder. Das Bevölkerungswachstum ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Seit dem Jahr 2010 bis heute haben sich im Kanton St. Gallen 3443 Zuzüger niedergelassen, die aus der EU oder aus anderen Ländern der Welt kommen, aber nicht in der Schweiz arbeiten. Der grösste Teil davon – insgesamt 3053 Personen – liessen sich in der Region Werdenberg, Sarganserland und Rheintal nieder. Statistiken darüber, in welchem Land sie arbeiten, gibt es laut Kanton St. Gallen nicht.  «Bei den Zuzügern in die Region Rheintal-Werdenberg-Sarganserland mit Arbeitsort im Ausland dürfte sich dieser jedoch mehrheitlich in Liechtenstein befinden», erklärt  René Hungerbühler vom Migrationsamt St. Gallen. 

Das Problem: Das liechtensteinische Aufenthaltsrecht ist sehr restriktiv. Ausländer, die in Liechtenstein wohnen möchten, können dies nur mit Aufenthaltsbewilligung. Jedes Jahr werden insgesamt 89 solcher «Greencards» an Angehörige von EWR-Staaten und Schweizern verlost. Der Immobilien-Fachmann Heinz Senn spricht sich aber nicht dafür aus, dass sich Liechtensteins Grenzen öffnen. Der Markt sei auf beiden Seiten des Rheins ausgetrocknet. «Ich habe nicht das Gefühl, dass durch eine Grenzöffnung Liechtensteins viele nach Liechtenstein ziehen würden», sagt Senn. Das würde auch den Leerstand im Land nicht beheben. Mehr als 800 Wohnungen stehen in Liechtenstein leer – meist Altbauwohnungen.   

Gebaut wird in Liechtenstein trotzdem wieder deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Investitionen von über einer halben Milliarde Frankenwurden im vergangenen Jahr getätigt. Mehr Wohnbauprojekte hatten zu diesem Anstieg geführt. Im Rheintal und Werdenberg herrschen derweil ähnliche Verhältnisse. Der Leerstand im Rheintal und Werdenberg wächst, während die Neubautätigkeit hoch ist. Das dürfte dazu führen, dass die Preise weiter deutlich steigen, ist auch Heinz Senn überzeugt. «Vor ein paar Jahren zahlten Käufer noch 200 bis 300 Franken pro Quadratmeter für ein Grundstück in Sennwald. Das wäre heute undenkbar». Der Preisdruck dürfte weiter bestehen.  Allein in diesem Jahr sind bislang 267 Personen in die Region Werdenberg, Sarganserland und Rheintal eingewandert, die im Ausland arbeiten. (dal)

26. Okt 2018 / 18:06
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