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    Der Wirtschaftsstandort Liechtenstein blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück.  (Daniel Schwendener)

Franken bleibt Sorgenkind

Liechtensteins Branchenvertreter äussern sich insgesamt zufrieden mit dem Verlauf des Jahres. Auch der Ausblick ist vorsichtig optimistisch. Unsicherheiten gibt es wegen des Handelskrieges und des starken Frankens.

Liechtenstein kann auf eines der erfolgreichsten Wirtschaftsjahre seiner Geschichte zurückblicken», bilanziert Regierungschef-Stellvertreter und Wirtschaftsminister Daniel Risch das sich zu Ende neigende Jahr. Ähnlich klingt es bei den drei grössten Branchenverbänden. Während die Liechtensteinische Industrie- und Handelskammer (LIHK) von einem «guten Jahr» spricht, klingt es bei der Wirtschaftskammer ähnlich. Der Bankenverband wertet die Banken weiterhin auf «Erfolgskurs». Der Grundtenor ist also sehr positiv, doch auch die Ängste wachsen. Wo es so gut läuft, kann man eigentlich nur verlieren. Deshalb beobachten Branchen-vertreter die Entwicklungen genau – vor allem in der Aussenpolitik sowie die Währungskurse. 

Als Exportweltmeister bestätigt

Der Blick auf 2018 gestaltet sich sehr positiv. Wie der Wirtschaftsminister erklärt, sei der Frankenschock längst verdaut. Das sei einerseits auf das Beschäftigungswachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2017 zurückzuführen. Risch weiter: «Dies spiegelt sich auch in den Exportzahlen wieder, die im dritten Quartal 2018 mehr als 12 Prozent über dem Vorjahresquartal lagen. Ein erfreuliches Ergebnis, dass uns als Exportweltmeister bestätigt.» Er rechnet dabei den Vergleich mit Deutschland auf: Während in der Bundesrepublik knapp ein Drittel des BIP aus Exporten generiert wird, so sind dies in Liechtenstein weit über 50 Prozent. «Oder anders ausgedrückt: Wir exportierten 90 000 Franken pro Kopf, Deutschland ‹gerade mal› 15 000.» Das hat Auswirkungen auf die Mitgliedsunternehmen der LIHK, wie Geschäftsführer Josef Beck erklärt. «Für die meisten war es ein sehr gutes Jahr.»

Frankenschock noch nicht verdaut

Für das kommende Jahr erwarten die meisten LIHK-Mitglieder dann auch ein moderates Umsatz- und Ertragswachstum. Unsicherheit und offene Fragen bestünden jedoch sowohl bezüglich der Zukunft des freien Handels und der Konjunktur in den weltweiten Absatzmärkten. «Jegliche Behinderungen des freien Handels wie Strafzölle sind schädlich für die exportorientierte Wirtschaft», erklärt Beck. Eine weitere Herausforderung ortet die LIHK bei der Entwicklung der Währungen gegenüber dem Schweizer Franken. «Die Entwicklung, insbesondere des Euro zum Schweizer Franken, könnte eine mögliche Herausforderung sein», so Beck. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. Denn dass der Frankenschock bereits Geschichte ist, kann Rainer Ritter, Präsident der Wirtschaftskammer, nicht bestätigen. Er sei noch nicht vollständig verdaut. Dazu komme, dass viele Gewerbeunternehmen weiterhin mit dem Kaufkraftverlust zu kämpfen haben, vor allem weil Kunden über die Grenze nach Vorarlberg abwandern oder Produkte und Dienstleistungen mittels Online-Handel billig einkaufen. Das werde auch im kommenden Jahr eine grosse Herausforderung für die Mitglieder der Wirtschaftskammer.

Staat ist gefordert

Trotzdem ist Ritter insgesamt zufrieden. «Wir erwarten im 2019 weiter volle Auftragsbücher unserer Mitglieder und wünschen uns dabei, dass die Margen wieder ein halbwegs gesundes Niveau erreichen.» Er plädiert deshalb dafür, dass auch die öffentlichen Institutionen wie Land und Gemeinden nicht immer den Preis als Hauptvergabekriterium ins Zentrum stellen, sondern auch Kriterien wie Lehrlingsausbildung, Qualität, Erreichbarkeit, Regionalität und weitere. Und noch ein weiteres Thema treibt den Wirtschaftskammer-Präsidenten um. Für das heimische Gewerbe wird sich der Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels weiter verschärfen. «Hier müssen wir schnellstmöglichst Gegensteuer geben», fordert Ritter.

Vorreiterrolle nicht verlieren

Die politischen Unsicherheiten beschäftigen auch die Finanzwelt – und zwar ganz besonders. Ausdruck davon sei auch das sehr volatile Börsenjahr 2018, wie Simon Tribelhorn vom Bankenverband erklärt. In vielen Bereichen würden die Karten neu gemischt. «Sowohl beim Nachhaltigkeits- wie auch beim Digitalisierungsthema wird das Jahr 2019 entscheidend sein, ob es uns gelingt, die gute Ausgangslage für unseren Finanzplatz und die Vorreiterrolle zu nutzen», so Tribelhorn.

Bürokratieabbau geplant

Auch Wirtschaftsminister Risch warnt davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Zwar erwartet er, dass die Europäische Zentralbank in absehbarer Zeit – analog den USA – an der Zinsschraube drehen wird. «Mit dem positiven Effekt, dass dadurch weiter Druck vom Franken genommen wird, was unserer Exportindustrie zugutekommt.» Doch auch er beobachtet die internationalen Entwicklungen genau. Risch dazu: «Die konjunkturellen Aussichten für die nächsten zwei bis drei Jahre sind als weitgehend robust einzustufen, wobei nach Aussagen von Experten der Wachstumspeak erreicht ist.» Dies habe in erster Linie mit den Unsicherheiten ausgehend vom Handelskrieg der USA mit China und Europa zu tun.

Der Wirtschaftsminister will sich deshalb weiter darauf konzentrieren, um für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, wie er erklärt. «Im Zuge dessen kommt es beispielsweise mit der Totalrevision des Gewerbegesetzes zu Vereinfachungen und letztendlich zu einem Bürokratieabbau.» Dabei soll vom heutigen Bewilligungssystem zu einem Meldesystem – mit Ausnahme von einigen qualifizierten Gewerben – umgestellt werden. Weitere Schwerpunktthemen werden für den Wirtschaftsminister die Finalisierung der Energiestrategie 2030 und das Thema Medienförderung sein. (ags)

21. Dez 2018 / 14:58
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