• Autobahnvignette
     (Keystone)

«Die E-Vignette wird uns Kunden kosten»

Ab 2022 kommt in Liechtenstein und der Schweiz die E-Vignette. Das führt zu finanziellen Einbussen bei den bisherigen Verkaufsstellen.

Die Schweiz plant, die Nationalstrassenabgabe zu modernisieren und sie sanft in Richtung Digitalisierung zu führen. Ab 2022 wird daher in der Schweiz und Liechtenstein neben der klebenden Autobahnvignette auch eine E-Vignette zum Verkauf angeboten. Die Einführung soll schrittweise und (zunächst) auf freiwilliger Basis erfolgen. 

Einige Vorteile der E-Variante sind offensichtlich: kein mühsames Abkratzen mehr auf der Frontscheibe, orts- und zeitunabhängiger Erwerb sowie die Gültigkeit der einen (digitalen) Vignette für sämtliche Fahrzeuge von Wechselkennzeichen-Besitzern. 

Wichtige Begleiteinkäufe werden wegfallen
Von den insgesamt knapp 10 Millionen produzierten Schweizer Vignetten werden derzeit rund 2 Millionen im Ausland, 1,5 Millionen an der Grenze und rund 6,5 Millionen im Inland abgesetzt. Die Vertriebspartner im Inland und Ausland entschädigt die Eidgenössische Zollverwaltung aktuell mit 10 Prozent des Vignettenpreises, also mit vier Franken je verkaufter Vignette. 

Für die Verkaufsstellen der  Vignette, den Post- und Tankstellen, Garagen, TCS-Geschäftsstellen oder Strassenverkehrsämtern wird die Umstellung ab 2022 also finanzielle Einbussen mit sich bringen, wenn auch unterschiedlich in ihrer Gewichtung. 

«Vor allem zu Beginn des Jahres verkaufen wir sehr viele Vignetten, die dann doch einiges zum Gesamtumsatz beitragen. Weil in Zukunft wichtige Begleiteinkäufe wegfallen könnten, wird uns die Digitalisierung bestimmt Kunden kosten», erklärt eine Angestellte der Agrola-Tankstelle in Schaanwald. Wer eine Vignette erwerbe, nehme nämlich für gewöhnlich  gleich auch noch eine Kleinigkeit wie Getränke oder Essen als Wegzehrung mit.

Auf Anfrage bestätigt auch die Nendler Grenzgarage Peter Meier AG die Relevanz des Vignettenverkaufs: «Das Geschäft mit den Vignetten ist für uns ebenfalls wichtig. Wir rechnen aber nicht gleich schon ab 2022 mit grossen Einbussen. Das Geschäft wird sich wahrscheinlich schrittweise verändern.»

Vignetten nur kleiner Teil des Drittartikelgeschäfts
Eine etwas andere Ausgangslage zeigt sich bei der Liechtensteinischen Post AG: Zum konkreten Jahresumsatz, der mit den Autobahnvignetten erwirtschaftet wird, will sie sich zwar nicht äussern. Mediensprecher Wolfgang Strunk meint aber, dass der Verkauf der Autobahnvignette nur einen kleinen Teil des Drittartikelgeschäfts ausmache, bei dem zudem eine relativ geringe Marge erzielt werde. «In Zukunft werden jedoch sicher weniger Vignetten über den Postschalter oder über einen Briefträger bezogen», ist er überzeugt. 

Die volkswirtschaftlichen Folgen der Umstellung sind auch dem Schweizer Bundesrat bekannt. In einer «Botschaft zur Änderung des Nationalstrassenabgabegesetzes» heisst es: «Durch den Rückgang des Klebevignettenverkaufs reduzieren sich bei allen Beteiligten die Aufwände für den Vertrieb, aber auch die Einnahmen aus der Vertriebsentschädigung.» 

ACS und TCS verlieren rund acht Millionen Franken
Bei einem Anteil von rund 20 Prozent würden die inländischen Vertriebspartner bereits im ersten Jahr rund 8 Millionen Franken verlieren, was sich sukzessive auf rund 26 Millionen Franken erhöhen werde. Der Vertrieb im Ausland erfolge heute über den «Vignettenpool» der beiden Automobilclubs der Schweiz ACS und TCS.

Durch eine Einstellung des Vertriebs der Klebevignette würden den beiden Organisationen die daraus resultierenden Vertriebsentschädigungen von rund 8 Millionen Franken entgehen, welche sie sich mit ihren ausländischen Vertriebspartnern teilten. An den Autobahnzollstellen erfolge der Vignettenverkauf zum grössten Teil über externes Verkaufspersonal. Ein Rückgang des Klebevignettenverkaufs an der Grenze habe entsprechende Konsequenzen für die Firma.  (rpm)

20. Jan 2020 / 20:55
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3 KOMMENTARE
Begleiteinkäufe?
Also bei mir ist die Vignette der Begleiteinkauf, nicht umgekehrt. Die habe ich jeweils mitgenommen, wenn ich sowieso tanken gegangen bin. Ich fahr doch nicht extra Vignette holen und kaufe dann noch Chips oder so. Wer eine Vignette braucht, hat ein Auto und wer ein Auto hat, der muss tanken. Das verbindet man jeweils, würde ich meinen.
Seltsame Argumentation der Tankstellenbetreiber.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 21.01.2020 Antworten Melden
@Sumpf
Endlich da kann niemand mehr verloren gehen
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Der total gläserene Mensch
...rückt wieder ein Stück näher. "Vergessen" zu erwähnen wurde noch, dass mit dieser Vignette nachvollzogen werden kann, wo jemand zu einem gewissen Zeitpunkt war.Auf die Sekunde genau. Natürlich auch bei Ein-Ausreise Schweiz. Es ist dann technisch ein leichtes, sämtliche Strassen so zu überwachen. Wann müssen wir uns gesetzlich den "Multi-Chip" unter die Haut spritzen lassen? Zum Glück will uns im FL niemand überwachen.......oder?
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