•  (Tatjana Schnalzger)

Cannabis-Nachfrage blüht auf: Kann Liechtenstein mitmischen?

Josef Goop baut in Liechtenstein eine diversifizierte Firmengruppe auf, um das medizinische Potenzial von Cannabis zu erforschen, Hanf für Verpackung und den medizinischen Bereich zu produzieren. Das Wettrennen im europäischen Markt hat begonnen.
 
Kanada hat gerade den Cannabiskonsum legalisiert. Seit Mittwoch dürfen Kanadier Cannabis kaufen, besitzen und konsumieren. Damit entsteht ein Milliardenmarkt – und zwar nicht der Einzige. Denn auch in Europa ist die Nachfrage enorm, vor allem im medizinischen Bereich. Deutschland importiert in diesem Jahr 1,5 Tonnen Cannabis aus den Niederlanden. Seit März 2017 ist in Deutschland das Gesetz «Cannabis als Medizin» in Kraft. Damit können Patienten, die schwer krank sind und unter Schmerzen leiden, Cannabis-Arzneimittel auf Rezept erhalten.
 
Die Importmenge erhöhte sich damit deutlich. Kanadische Unternehmen haben den europäischen Markt für medizinisches Cannabis bereits im Visier. «Das Land ist viel weiter als wir es hier in Europa sind», weiss Josef Goop. Damit spielt er nicht nur auf die aktuelle Legalisierung an, sondern viel mehr auf die Marktmacht der Kanadier für medizinisches Cannabis. Goop ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Liechtensteiner Unternehmens CannSol in Ruggell. 16 Jahre lang war er bei der Landespolizei tätig –als Instruktor und Einsatzleiter. In dieser Zeit gab es für ihn Cannabis nur innerhalb eines Schwarz-Weiss-Schemas: Legal oder nicht legal. Heute hat sich die Sichtweise auf die Hanfpflanze und seine Möglichkeiten völlig verändert. Das Spektrum reicht von medizinischem Cannabis und CBD-Hanf bis hin zu verschiedenen CBD-Produkten wie Öle und Salben mit immensem phytomedizinischem Potential. Aber der Reihe nach.
 
Cannabis in der Krebsforschung
 
Josef Goop baut mit CannSol ein Unternehmen auf, an das er fest glaubt und in das er selbst Geld investiert hat. In seiner CannSol Holding figurieren dereinst einmal fünf Töchter, nämlich die CannLab AG, die sich um die Forschung kümmert, die CannSol Distribution AG, die schon jetzt medizinische Cannabis-Produkte wie Öle etc. verkauft, die geplante MediCann AG, die den Anbau von medizinischem Cannabis in Europa betreiben wird und weitere Töchter im Kosmetik- und Verpackungsbereich. Das Ziel: Den Menschen das ganze Potenzial der Cannabispflanze zugänglich zu machen und dabei auch Möglichkeiten der phytomedizinischen Prophylax aufzuzeigen. Dafür hat er ein kleines Team zusammengestellt, zu dem auch der Schweizer Molekularbiologe Angelo Pidroni, die Ayurveda- und Notfallärztin mit grossem phytomedizinischen Wissen, Dr. Maria Johnson, und der Schweizer Politologe, Historiker und Publizist, lic. phil. I René Häusler gehört, welcher jahrelange Erfahrung im Anlagen- und Finanzbereich und ein reiches Netzwerk mitbringt und in der CannSol Gruppe als Vizepräsident der Holding und einiger Töchter sowie als Präsident der Forschungsfirma CannLab AG dient. In der Medizin – zum Beispiel bei Krebs – könnte die Pflanze von grossem Nutzen sein. «Doch das tatsächliche Wissen über die Wirkung der sogenannten Cannabinoide bei Tumorerkrankungen beschränkt sich bisher fast nur auf Zellstudien und Tierversuche», erklärt Pidroni. Diese geben aber Anlass zur Hoffnung. 
 
Eine grosse Vision
 
Vor vier Jahren brachte der Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Rostock mit Hilfe von Cannabinoiden Krebszellen im Laborversuch zum «platzen». Er schaffte es in ganz Deutschland in die Schlagzeilen und befeuerte die Diskussion um die Heilkraft der Pflanze. Seither sind zahlreiche Studien hinzugekommen, die solche Effekte von Cannabinoiden demonstrieren. «Im Tiermodell mit Mäusen konnten ganze Cannabis-Extrakte gute Effekte erzielen, vor allem bei Krebstypen, für welche die Schulmedizin keine spezifische Behandlung hat», erklärt Pidroni. Dazu zählt etwa eine aggressive Form des Brustkrebses. Doch was verursacht den positiven Effekt von Cannabis überhaupt? Obwohl bereits eine Vielzahl der Wirkungsweisen von Cannabinoiden bekannt sind, gibt es in der Forschung noch sehr viel aufzudecken.
 
Es gibt 113 Cannabinoide. Weil sich ein Stoff aus der Natur nicht patentieren lässt, scheint sich auch das Interesse der Pharmaindustrie an der Erforschung dieser interessanten Pflanze in Grenzen zu halten. Genau diese Forschung möchte Pidroni und Goop angehen, um, konzentriert in der CannLab AG, mehr über die Wirkung der Hanfpflanze zu erfahren. Denn erste Studien zeigen, dass Hanf einen positiven Effekt auf etliche Krankheiten hat. So auch bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa: Ein Forschungsteam aus Italien zeigte kürzlich, dass Cannabidiol stark entzündungshemmende Eigenschaften bei diesen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aufweist – im Tiermodell. Auch bei Epilepsie gibt es bereits viele  Erfahrungsberichte und Studien. Beispielsweise hat ein Westschweizer Arzt  einen vier Monate alten Säugling mit CBD-Öl behandelt und seine epileptischen Anfälle damit therapieren können. «Anstatt 20 Anfälle in der Woche waren es plötzlich nur ein, zwei oder drei», erzählt Goop. Solche Szenarien sind jedoch keine Seltenheit. Ein CBD Präparat aus Kanada wurde im Juni von der FDA zur Behandlung von Epilepsie in den USA zugelassen. 
 
Die vier Mitglieder des Kernteams sind sich bewusst, dass sie eine grosse Vision verfolgen, ihre Produkte europaweit auf den Markt zu bringen. «Aber man muss gross denken», ist Goop überzeugt. Sie wollen aber keine Einzelkämpfer aus Liechtenstein sein, sondern bauen ihr internationales Netzwerk aus Universitäten und Forschungsinstitutionen weiter aus und wollen Forschungsarbeiten in renommierten Fachjournalen veröffentlichen. Denn nicht nur die Forschung ist extrem kostenintensiv, sondern auch die Produktion und die weitere Extraktion von Cannabinoiden aus der Pflanze. Goop möchte medizinisches Cannabis für den pharmazeutischen Handel produzieren –vorerst aber im Ausland. Noch lassen es die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz und Liechtenstein noch nicht für alle Anwendungsbereiche zu. Der genaue Standort für eine Produktion samt Hanfplantagen muss zwar erst noch evaluiert werden, doch Griechenland oder Tschechien gehören bislang zu den Favoriten. Hier will Goop Cannabis anpflanzen und vor allem die Extrakte aus den Pflanzen gewinnen – für die Medizin.
 
Standbein CBD-Hanf
 
Sollte es irgendwann auch in der Schweiz und in Liechtenstein erlaubt sein, medizinisches Cannabis anzupflanzen, dann würde er auch in Liechtenstein produzieren und Arbeitsplätze schaffen. Noch gibt es kein 30-köpfiges Forschungsteam, das für CannSol arbeitet. Neben Molekularbiologe Pidroni, der Ärztin Johnson und den anderen im oben erwähnten Kernteam werden aber bald weitere Mitarbeiter zur Gruppe stossen.  
Medizinisches Cannabis soll aber nicht das einzige Standbein des Unternehmens bleiben. CBD-Hanf ist ebenfalls ein Markt, der für Josef Goop grosses Potenzial hat. Dabei handelt es sich um das legale Hanf, das auch in der Schweiz und in Liechtenstein vor Kurzem legalisiert wurde. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein natürlich vorkommender Wirkstoff aus der Klasse der Cannabinoide und ist neben THC das zweite Hauptcannabinoid in Cannabis. «CBD und THC sind vom Aufbau her sehr ähnlich, wirken jedoch im Körper meist an unterschiedlichen Stellen», erklärt Pidroni. Auch Aussehen und Geruch von medizinischem THC- und CBD-Blüten lassen sich nicht unterscheiden. Der grosse Unterschied ist aber: THC wirkt berauschend. 
 
Viele schwarze Schafe
 
Goop und sein Team bauen zusammen den Onlineshop hanfshop.li auf. Er soll die besten CBD-Produkte – europaweit – zusammenfassen. Damit soll dem Endkonsumenten die Entscheidung abgenommen werden, ob CBD-Produkte gut oder minderwertig sind. «Wir werden jedes einzelne Produkt sowie den Hersteller sehr genau überprüfen. Dabei werden die Nachvollziehbarkeit, die CBD Konzentrationen und die Grenzwerte bei Schwermetallen und Pestiziden durch ein unabhängiges Labor überprüft», erklärt Goop. Einzelne dieser sehr guten Produkte seien bereits im Angebot bei Apotheken, Drogerien und ausgewählten Fachgeschäften. Es gebe aber viele schwarze Schafe auf dem Markt, die zum Beispiel CBD-Öl verkaufen, bei dem gemogelt wird. Es enthält etwa deutlich weniger CBD als auf der Packung versprochen. Goop möchte mit den Tests schwarze Schafe aussortieren, um den Ruf und das Ansehen der seriösen Hersteller zu schützen. Dadurch sei der Onlineshop ein Gütesiegel für qualitativ hochwertige Produkte. 
 
Natürlich soll das Unternehmen auch seine Früchte tragen und Gewinn erwirtschaften. Dafür braucht es Kapital. Goop ist bereits im Gespräch mit Investoren, die Interesse angemeldet haben. Einen Versuch eines Konkurrenten aus Kanada, das junge Start-up aufzukaufen, hat er bereits abgewehrt und das Angebot dankend ausgeschlagen. «Wir sind offen, wenn uns irgendwann ein grösseres Unternehmen aufkaufen möchte.» Allerdings ging es in diesem Fall nur darum, einen Konkurrenten auszuschalten.  
Die Konkurrenz ist gross. Vor allem kanadische Unternehmen versuchen derzeit emsig im europäischen Markt Fuss zu fassen. Das Wettrennen hat begonnen. Doch auch wenn Kanada eine Nasenlänge in Sachen Cannabis voraus ist, so lässt sich Josef Goop und sein Team nicht entmutigen. Die Zeit drängt aber. «Jetzt geht es einfach darum, das Unternehmen so schnell wie möglich aufzubauen.» Es wäre ein Unternehmen, das Liechtenstein vielleicht weltbekannt machen könnte – sollte ein Durchbruch gerade in der Forschung gelingen. (dal)
19. Okt 2018 / 18:26
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