Bio auf dem Vormarsch

Die Winzer der Region haben ein Rekordjahr hinter sich. In Graubünden schnellte die Erntemenge in andere Sphären. Ein Trend zeichnet sich dabei ab: 11 Prozent der Anbaufläche ist inzwischen biologisch.

Der milde Frühling mit Föhnnächten und der heisse Sommer bescherten den Winzern der Region eine Rekordernte. Sie sorgten nicht nur für besonders süsse Trauben mit hohem Zuckergehalt, sondern auch für grosse Erntemengen. Im Kanton Graubünden ist jene von 2,6 Millionen Kilogramm im Jahr 2017 auf 3,5 Millionen nach oben geschnellt. Im Kanton St. Gallen liegt die Ernte sowohl bei den weissen als auch den roten Sorten rund 35 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Alleine beim Pinot Noir hat sich der Ertrag fast verdoppelt. «Die Qualität ist hervorragend ausgefallen», betont Markus Hardegger, vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Salez. In der griechischen Mythologie wäre wohl dem Gott des Weines «Dionysos» dafür Dank gezollt worden. Heute müsste der Dank eher an den Klimawandel gehen, denn die wärmeren Jahre nehmen laut Hans Jüstrich vom Rebbaukommissariat Graubünden zu. Gleichzeitig fällt auf, dass immer mehr Betriebe auf Bio setzen. In Graubünden waren es dieses Jahr acht Winzer, die auf biologischen Anbau umstellten – 18 Hektar mehr, die ohne Chemie bewirtschaftet werden.
Der Bioweinbau in der Schweiz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Im einschlägigen Marktspiegel von Bio Suisse, dem Dachverband der Bioproduzenten mit dem Label «Knospe», heisst es: «Das Jahr 2017 kann als Rekordumstellungsjahr bezeichnet werden.» Traditionelle Weinbaukantone wie Genf, Neuenburg, Waadt und Wallis verzeichnen ein überdurchschnittliches Wachstum. Der Deutschschweizer Markt ist aber immer noch der stärkste.   Das macht sich auch am Umsatz von Bioweinen im Detailhandel bemerkbar, der im vergangenen Jahr um 8.4 Prozent auf 36 Millionen Schweizer Franken wuchs – ein Wertanteil des Bioweins mit Rekordhoch.


Region mit guten Bioweinen
In Walenstadt beträgt der Bioanteil dank zwei grösseren Betrieben mehr als 60 Prozent. Zu den Pionieren des Bio-Weinbaus gehören zum Beispiel Bruno Bosshart mit seiner Frau Esther und Schwägerin Romy Grimm in Berschis am Südfuss der Churfirsten und dem Ostufer des Walensees. Ende der 1980er-Jahre haben sie auf Bioweinbau umgestellt und in den letzten 20 Jahren viel experimentiert. Der Familienbetrieb produziert Weine sowohl aus der Traditionsrebe Pinot Noir als auch aus pilzwiderstandsfähigen (Piwi) Sorten wie Seyval Blanc, Saphira, Johanniter oder Cabernet Jura. Die Weine des Betriebes wurden mehrfach ausgezeichnet. Seit fünf Jahren zeichnen die Zeitschrift «Vinum» und die Vereinigung Bio Suisse mit dem Schweizer Bioweinpreis die besten Beispiele der Schweiz aus. Dieses Jahr reichten 36 Betriebe 175 Weine ein. Dazu zählen auch Christian und Francisca Obrecht aus Jenins. Sie haben erst kürzlich vom konventionellen Anbau auf Bio gewechselt. Seit 2017 tragen ihre Produkte das Demeter-Siegel. Sie haben lange darauf hingearbeitet: 2008 begann ihre Umstellungsarbeit. «Wir sind überzeugt, dass Bio der Qualität und Nachhaltigkeit stärker Rechnung trägt», sagt Francisca Obricht. Beim Schnitt der Rebstöcke gibt zum Beispiel der Mond die Leitplanken, erzählt die Winzerin.

Im Finale des Preises stand mehrfach auch Harry Zech. Der Schaanwälder Winzer hat sich nicht nur in Liechtenstein, sondern in der ganzen Region einen Namen gemacht – vor allem auch für seine Weissweine. Er baut im Unterland auf 2,7 Hektar verschiedene Rebsorten an. «Ich hatte so viel Ertrag wie noch nie zuvor», erklärt Zech und spielt damit auf das Rekordjahr 2018 an. Vor drei Jahren hat er seinen Betrieb auf biodynamischen Weinbau nach den «Demeter»-Richtlinien umgestellt. Das Markenzeichen «Demeter» ist noch höher qualifiziert als nur eine Biomarke. Er verzichtet komplett auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf Herbizide und auf Kunstdünger. Die Reben können mehr Nährstoffe aufnehmen und der Boden bleibt fruchtbarer. «Das spiegelt sich im Weincharakter wider und verbessert die Qualität». Und jene ist für Zech das oberste Gebot. Direkt nach der Umstellung auf biodynamischen Anbau ging der Ertrag um mindestens ein Drittel zurück. Inzwischen habe sich das Ökosystem aber eingependelt. Sowohl Boden wie Reben müssen sich erst umstellen und dazu braucht es ungefähr drei Jahre. Der erste Demeter-Wein von Zech hatte den Jahrgang 2017. Wie in Graubünden gibt es in Liechtenstein einen Aktionsplan, mit dem Ziel den Biorebbau auszubauen.  Gemäss Schätzungen werden in Liechtenstein auf der Rebfläche von circa 26 Hektar pro Jahr circa 100 000 Liter Wein pro Jahr produziert.

Schätzungsweise gibt es im Land circa vier Hektar Reben, welche biologisch bewirtschaftet werden, das sind circa 15 Prozent der gesamten Rebfläche. Es gibt einige Grundsätze für den Biowein: So verzichtet man auf Kunstdünger und synthetische Spritzmittel. Die Rebzeilen werden mit Pflanzen begrünt, die im Sommer oder Herbst als Stickstoffdünger verwendet werden. Die Winzer kräftigen die Reben, in dem sie Pflanzenextrakte wie Brennnessel-Brühe spritzen. Bei der Vinifikation im Keller wird auf künstliche Schönungsmittel verzichtet. «Immer häufiger beobachte ich, dass Winzer auf Bio umstellen. Doch nach Demeter produziert kaum jemand in der Region», sagt Zech.

 

09. Dez 2018 / 16:17
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
yesterday
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für Samstag, 3. August, 21 Uhr
18.07.2019
Facebook
Top