•  (xieyuliang)

Bangen um den eigenen Beruf

Laut einer Schweizer Studie wird in Zukunft rund die Hälfte aller Beschäftigten – aufgrund von Automatisierungsprozessen – den Job verlieren. Liechtensteiner Experten widersprechen den Schreckensszenarien und sehen vor allem auch neue Chancen im Wandel.
Turbulent. 

Liechtenstein hat prozentual eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa: 1,9 Prozent, wie das Amt für Statistik zuletzt für das Jahr 2017 bekannt gab. 369 Personen waren damals durchschnittlich von der Arbeitslosigkeit in Liechtenstein betroffen. Der Arbeitsmarkt unterliegt aktuell aber einem rasanten Wandel. Die Automatisierung vieler Berufe führt dazu, dass Jobs verschwinden, im Gegenzug neue Berufsbilder entstehen. Auch hierzulande bangen Menschen um ihre berufliche Existenz, weil sie von Robotern oder Künstlicher Intelligenz potentiell aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden könnten. Das wirft die Frage auf, wie sich in den kommenden Jahren der Arbeitsmarkt in Liechtenstein entwickeln wird, ob bestimmte Berufe als gefährdet oder sicher gelten können.   

Hilfs- und Bürokräfte gefährdet

Das renommierte Schweizer Beratungsunternehmen «Deloitte», das Partnerschaften mit Apple, Amazon oder Facebook unterhält, hat bereits 2015 eine Analyse des Schweizer Arbeitsmarktes durchgeführt, um den zukünftigen Effekt der Automatisierung auf die Beschäftigung besser abschätzen zu können. Die Auswirkungen der Automa­tisierung seien bereits sichtbar, be­hauptet das Beratungsunternehmen: Be­schäftigungsfelder, die kaum durch Automatisierung tangiert werden könnten, seien in den vergangenen Jahren gewachsen, während Tätigkeiten mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit kaum gewachsen oder sogar abgenommen hätten. Das heisst in anderen Worten: Je höher tendenziell das Ausbildungsniveau und die damit verbundene Qualifikation des Arbeiters, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit, dass der Beruf von einer Maschine übernommen wird. Als Beispiele werden Berufe wie Anwälte, Ärzte oder Psychologen genannt. 
Hingegen sei es wahrscheinlich, dass bei Hilfs- und Bürokräften in Zukunft Stellen abgebaut werden. Als besonders gefährdet werden etwa Sekretariatskräfte oder Bank- und Schalterbedienstete eingestuft. Die Analyse von «Deloitte» kommt zum Ergebnis, dass in den nächsten Jahren gesamthaft rund die Hälfte der Beschäftigten durch Automatisierung ersetzt werden können. Das Verhältnis von Ausbildungsniveau und Automatisierungswahrscheinlichkeit dürfe aber nicht als absolut gültig angesehen werden. Denn Berufe in der Betreuung und Pflege sind auch in den kommenden Jahren gefragt: Kinderbetreuer, medizinische Pflegeberufe ohne akademischen Ausbildungshintergrund, aber auch Fitnesstrainer oder Coiffeure. Sicher bietet der Gesundheitssektor auch in Zukunft zahlreiche Möglichkeiten der Beschäftigung. Die medizinische Versorgung in Liechtenstein ist gut, wir leben gesünder als früher und wir leben länger. Der demografische Wandel ist bereits Tatsache und die Anzahl alter Menschen wird sich erhöhen. Dadurch sind Fachkräfte gesucht, die sich um die ältere Generation kümmern. 

Menschliche Qualitäten bleiben

Umgekehrt gehören etwa Buchhalter und Steuerberater zu den Tätigkeiten, die eine hohe Qualifikation voraussetzen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert werden. Was zeichnet nun einen sicheren Job aus? Die Meinungen gehen diesbezüglich weit auseinander. Aber sicher ist: Eine berufliche Tätigkeit, die auf spezifisch menschlichen Qualitäten basiert, kann eben kaum von einer Maschine übernommen werden können. Kreativität, soziale Interaktion oder Kundenservice sind in diesem Zusammenhang entscheidende Faktoren. Das bestätigt auch Sarah Frick, Abteilungsleiterin Berufsberatung des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung: «Menschliche Interaktion ist eines unserer Grundbedürfnisse und wird nicht durch Maschinen ersetzt. In Pflegeberufen beispielsweise spielen Emotionen und Empathie eine wichtige Rolle. Eine Maschine kann aktuell auch noch keine psychologische Beratung anbieten oder gar ethische Entscheidungen treffen. Der Mensch ist und bleibt hier unersetzlich.»

Technologische Entwicklungen führten in der Vergangenheit immer dazu, dass sich neben dem Verschwinden alter Berufe neue Jobs entwickeln konnten. So wurden gemäss dem «Deloitte»-Bericht in den letzten 25 Jahren insgesamt mehr Stellen geschaffen als verdrängt. Arnold Kind, Leiter des Liechtensteiner Schulamts, erklärte vor wenigen Wochen an einer Pressekonferenz zum digitalen Lernen im Schulalltag, dass 65 Prozent der heutigen Kinder zukünftig in Berufen tätig sein würden, die es heute noch gar nicht gebe. Auch Frick sieht einen Wandel auf dem Arbeitsmarkt: «Zukünftig werden vermehrt Berufe entstehen, die sich an der Schnittstelle von Information, Technik und digitaler Visualisierung von Inhalten bewegen.» Ein Beruf, der diesem Muster bereits entspricht, ist beispielsweise der Mediamatiker, eine berufliche Grundausbildung im Bereich Informationstechnik. 

Frick hält die Schreckensszenarien, die in den Medien kursieren, für übertrieben: «Veränderungen sind nunmal fester Bestandteil der Arbeitswelt. Diese gab es bereits vor der Digitalisierung und wird es auch noch danach geben. Man muss sich bewusst sein, dass die Digitalisierung auch unzählige Chancen und neue Arbeitsplätze mit sich bringt. Dafür muss der Einzelne aber natürlich auch bereit sein, sich weiterzuentwickeln.» (rpm)

22. Feb 2019 / 19:00
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