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     (Jorge Villalba)

Amazon liefert 100 Millionen Artikel weniger

Wer seine Weihnachtseinkäufe lieber vom Bürostuhl aus tätigt, hat gerade noch Glück gehabt: Wie der US-Onlineversand diese Woche rund 100 000 Schweizer Kunden mitteilte, sind sie ab dem 26. Dezember 2018 vom Einkaufen auf Amazon.com sowie anderen Domains ausserhalb des EU-Raums ausgeschlossen. Geschenkkarten-Guthaben lassen sich nicht auf die europäischen Seiten transferieren, weshalb das Unternehmen empfiehlt, diese vor der Frist einzusetzen.

Teilrevision der Mehrwertsteuer

Als Grund für diesen Entscheid werden in der Amazon-Mitteilung «Änderungen im Schweizer Steuergesetz» genannt. Genauer geht es um die Teilrevision des Mehrwertsteuergesetzes zur Versandhandelsregelung, die per 1. Januar 2019 in Kraft tritt und gemäss der Eidgenössischen Steuerverwaltung eine Gleichstellung zwischen den ausländischen und Schweizer Unternehmen anstrebt. Damit gelten neu auch sogenannte Kleinsendungen (Warenwert unter 65 Franken) als Inlandlieferungen, sobald man in der Schweiz mit diesen einen Umsatz von 100 000 Franken pro Jahr erzielt. Demzufolge müssen sich auch ausländische Versandhändler im MWST-Register eintragen lassen, wenn sie weiterhin in die Schweiz liefern wollen. Amazon konzentriere sich daher auf ihre fünf europäischen Websites, um die bürokratischen Prozesse zu erleichtern. «Kunden können weiterhin über die europäischen Websites einkaufen und an jede Schweizer Adresse liefern lassen», empfiehlt Christine Maukel, Manger Public Relations bei Amazon Deutschland, als Alternativen zur US-Domain.

«Ich verstehe die mediale Aufregung nicht ganz», meint Patrik Kessler, Präsident vom Verband des Schweizer Versandhandels (VSV). Er gehe davon aus, dass aus der Schweiz ohnehin nur wenige Bestellungen auf Amazon.com getätigt wurden. Zudem seien über die europäischen Seiten weiterhin 300 Millionen Artikel verfügbar, was rund 75 Prozent des US-Angebots entspricht. Für regionale Händler ergebe sich durch die neue Regelung nicht zwingend ein Vorteil, vielmehr für die Kunden. Bisher lässt die Gesetzgebung nämlich gewisse Türen offen, indem ausländische Versandhändler die Mehrwertsteuer von sich abwälzen können. In solchen Fällen fordert sie der Zoll dann vom Kunden ein, was oft für verdutzte Gesichter sorgt. «Durch eine saubere MWST-Registrierung erleben die Schweizer auf der Abrechnung keine Überraschungen mehr», erläutert Kessler. Mit der frühzeitigen Reaktion nehme Amazon seiner Meinung nach eine Vorbildrolle ein. Wie bei jeder neuen Verordnung gäbe es gewisse Trittbrettfahrer. Gerade die kleineren Händler, wie sie beim chinesischen Alibaba.com zu finden sind, seien schwieriger ausfindig zu machen. «Es ist bloss eine Frage der Zeit, bis auch hierfür Lösungen gefunden werden», hält der VSV-Präsident fest.

Auch Jan Bomholt, Geschäftsführer vom Grenz-Paketlieferdienst «MeinEinkauf», geht davon aus, dass sich für die Schweizer Amazon-Kunden wenig bis überhaupt nichts ändere. Bei den Artikeln, welche ab dem kommenden Jahr nur noch ausserhalb Europas erwerblich sind, handle es sich hauptsächlich um unabhängige Dritthändler, die ihre Waren über den «Marketplace» von Amazon anbieten. «Wir sind gespannt, ob durch die neue Regelung nun die Bestellungen bei uns zunehmen.»

Ähnliche Situation in Liechtenstein

Wie die Liechtensteinische Steuerverwaltung auf Anfrage bestätigt, gelten für das Fürstentum ab dem 1. Januar 2019 dieselben Bedingungen analog zur anderen Seite des Rheins. Da allerdings so gut wie jeder Versandhändler sowohl in die Schweiz als auch nach Liechtenstein liefert, ist nur eine MWST-Registrierung notwendig. Diese kann bei der Eidgenössische Steuerverwaltung in Bern über ihre Homepage beantragt werden. Die Liechtensteiner Behörde kündigt an, eine entsprechende Information bis Ende Jahr zu publizieren. (gk)

09. Dez 2018 / 16:21
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