Alex Ritter: Ein Beizer durch und durch

Escape, Bogarts, Beat, Altenbach - wer in den vergangenen Jahrzehnten den Ausgang in Liechtenstein genoss, verdankte dies nicht zuletzt Alex Ritter. Der Wirt profitiert von Erfahrungen, die er als Fahrer von Eminem, Iron Maiden und anderen sammeln durfte.

Alex Ritter erlebte viel und erreichte dadurch umso mehr. Denn auf seinem Lebensweg passierte er abenteuerlustig, wie er ist, einige Wegstationen, auf denen er sich persönlich weiterent­wickeln durfte. «Ohne Geschehnisse kein Weiterkommen und ohne Weiterkommen keine Geschehnisse», ist ein Lebensmotto Ritters. Das Ziel sei dabei nicht unbedingt, besonders alt zu werden, sondern die Lebenszeit, die einem gegeben ist, in seinem vollen Umfang und Facettenreichtum zu geniessen. Dafür benötige der Mensch Authentizität, denn nur der, der echt ist, brächte es weit. «Ich denke, es gibt Leute, die mit 30 Jahren mehr erlebt haben als mancher 60-Jähriger.»

Im Gespräch mutet der Vielgeprüfte beinahe philosophisch an. Friedrich Nietzsche meinte, dass sich nur derjenige Philosoph nennen dürfe, der auch nach seinen Einsichten lebe. Zwar würde sich Ritter den Titel des Philosophen nicht geben, doch ging er durch das Leben mit all seinen Mühen authentisch und echt. Sein Werdegang ist ein Zeugnis seiner Einstellung. Er führte mehrere Barbetriebe beziehungsweise Restaurants und erfuhr dabei einiges an Unglück, zum Beispiel als die Bar «Stella» in Feldkirch abbrannte. Daneben war der Lebenskünstler zeitweise im Fahrservice involviert und kutschierte Musiker auf ihren Tourneen. Die Liste der Bands und Künstler, die er begleitete, beeindruckt, denn auf dieser scheint unter anderen Robbie Williams, Coldplay, Iron Maiden, Eric Clapton oder auch Eminem auf.

Ritter ist Beizer durch und durch 

«Die Beiz ist der Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens», sagt Ritter. Vielen Bürger scheine das nicht bewusst zu sein, denn die meisten sähen ein Lokal lediglich als Verpflegungsstation. «Doch eine Gaststätte bietet den Gästen neben Genussmitteln vor allem einen Austausch mit Mitmenschen, egal aus welchem Hintergrund oder welcher sozialen Schicht diese stammen.» Im Altenbach im Vaduzer Städtle teilen sich deshalb Banker wie Handwerker den Bartresen. Beim Feierabendbier wird Smalltalk betrieben und es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Alex Ritter scheint stolz auf das Altenbach zu sein, das er seit dem 1. November vergangenen Jahres führt: «Ich bin sehr zufrieden, wie sich das Lokal entwickelt hat». Dank gelte dabei seinen Angestellten, die im Service als auch in der Küche eine hervorragende Arbeit verrichten würden. «Liechtenstein ist nicht wie eine Grossstadt, denn hier geht der Gast nicht nur in eine Bar, sondern auch zu den Personen, die in der Bar arbeiten», gibt der erfahrene Wirt preis.

Früher habe ein Lokal jedoch noch eher als Begegnungszone gedient. Ritter spricht hierbei von der «glorreichen Zeit der Gastronomie.»  Vor dem Handy und dem Internet fand die Kommunikation hauptsächlich nach der Arbeit in der Beiz statt. Alex erlebte die Zeitenwende hautnah. Das erste Lokal, das er zusammen mit drei Freunden von 1996 bis 2001 gepachtet hatte, war das Escape in Triesen. Im ersten Jahr herrschte von Montag bis Sonntag volles Haus, dann folgte langsam das Internet. Dies führte spürbar zu einem Rückgang der Besucherzahlen. Leute würden sich nun vor allem heute eher mit sozialen Medien und Messengern wie WhatsApp austauschen. Dennoch war das Escape laut Ritter sehr angesagt: «Wir hatten Stammgäste, die zu uns von Zürich oder St. Moritz kamen.» Die Hochzeitsparty von Prinzessin Tatjana und Philipp von Lattdorf sei in dieser Zeit einer der Höhepunkte schlechthin gewesen. Nach fünf Jahren beschlossen die vier Freunde, aufgrund von auseinandergehenden Zukunftsvisionen unterschiedliche Rich­tungen einzuschlagen.
«Die Gastronomie ist nicht ein so einfaches Gewerbe, wie es sich vielleicht manche vorstellen», sagt Ritter. «Wenn man in einem Restaurant gut wirtschaftet, bleiben einem vielleicht 2 bis 3 Prozent vom Umsatz. Eine einfache Küche  nach heutigem Standard kostet zum Beispiel relativ schnell zwischen 100 000 und 150 000 Schweizer Franken. Es dauert seine Zeit, bis man einen solchen Betrag amortisiert hat.» Im Vergleich sei der ehemalige Club Beat in Schaan, den er für einige Jahren führte, wirtschaftlich interessanter gewesen. «Wenn ein Club gut läuft, bleibt mehr Geld hängen. Denn um Drinks auszuschenken, reichen, plump gesagt, ein Kühlschrank und Gläser an Investition». Das Projekt Beat beendete Ritter aufgrund von Veränderungen in der persönlichen Lebenssituation. 

«Escape, Bogarts, Beat, Altenbach» - die Liste der Gastronomiebetriebe, in denen er gearbeitet oder die er geführt hat, liest sich nicht minder beeindruckend als die Liste der von ihm begleitenden Bands. Der Tausendsassa wechselte zwischen den beiden Gewerben, je nach den Möglichkeiten, die sich ihm boten. Mit 49 Jahren hat er sich nun vom Tourleben zu Ruhe gesetzt, denn gesehen habe er in der erfüllenden Zeit genug. Was ihm davon blieb: Erinnerungen, Erfahrungswerte und Freundschaften. 

«Eminem ist menschenscheu»
Als Tourneefahrer hing an ihm die Aufgabe, Bands an die richtige Destination zu führen – sei es Konzerthallen, Hotels oder Restaurants. Schon vor der Ankunft erkundigte er sich je nach den Bedürfnissen der Künstler über die zu fahrenden Routen. In dieser Zeit lernte er rund 120 europäische Städte kennen. 
«Bei Eric Clapton musste ich wissen, wo der schnellste Weg zu einem Kentucky Fried Chicken lag», informiert Ritter. Dies war die erste Tournee, die Ritter begleitete, und auch eine der besonderen, weil er einer seiner Idole kennenlernen dufte. Claptons Persönlichkeit imponierte ihm. «Clapton war eine gestandene Person, der das Leben in seiner vollen Bandbreite erfuhr, angefangen bei den Drogenexzessen oder beim Verlust seiner Tochter.» 

In Mailand verweilte Ritter im Backstagebereich des Blues- und Rockgitarristen, wo mehrere Supermodels zugegen gewesen seien. «Es fand die Fashion Week statt. Von der Konzertarena begleitete uns eine Polizeieskorte in die Sushi Lounge auf Einladung von Giorgio Armani, der mit Clapton befreundet ist», sagt Ritter. Auch die zwischenzeitlich verstorbene Sängerin Aaliyah sei an der Tafel gesessen, die wie das Bildnis des letzten Abendmals gewirkt hätte. (dab)

21. Sep 2019 / 17:51
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