• Dorothea Rohlfing
    Dorothea Rohlfing

«Abenteuerliche Anfragen»

Im vergangenen Jahr wurden weltweit 31 Milliarden Dollar in Fintechs investiert. Sieben Milliarden davon sollen nach Liechtenstein fliessen. Dorothea Rohlfing von der FMA hilft den Gründern bei Fragen zur Regulierung.

Frau Rohlfing, wie viele Anfragen im Bereich Fintech bearbeiten Sie gerade?

Dorothea Rohlfing: Seit Anfang Jahr sind über 170 Anfragen an uns gelangt. Gewisse lassen sich rasch erledigen. Die meisten erfordern vertiefte Abklärungen. Wir laden die Unternehmen gerne zum Gespräch ein. So können wir uns ein Bild vom Geschäftsmodell machen, lernen die Menschen hinter dem Projekt kennen und wir können Fragen stellen. Umgekehrt natürlich auch. Das hat sich bewährt. Die meisten Fintechs wollen sichergehen, dass sie gesetzeskonform handeln und suchen den Kontakt zu uns.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Fintech? Seit etwa 2015. Ich war von Anfang an dabei, als die FMA das Team Regulierungslabor ins Leben rief. Fintech ist hochdynamisch. Wir sprechen heute über Dinge, die es damals gar nicht gab. Damals war Crowdfunding das grosse Thema, dann Blockchain, Kryptowährungen, ICOs und zurzeit sind es Kryptobörsen.

Haben Sie manchmal Schwierigkeiten, ein Fintech-Geschäftsmodell aufgrund seiner Komplexität zu verstehen?

Fintech-Geschäftsmodelle sind oft sehr komplex und schwierig zu verstehen. Wir haben als Team in den letzten drei Jahren aber enorm viel gelernt. Wir generieren auch viel Wissen in den Gesprächen mit den Fintech-Unternehmen. Hier kommt uns unser Ansatz, flexible Anlaufstelle für Fintechs zu sein, sehr entgegen. Ständiges Lernen ist für die FMA in dieser dynamischen Fintech-Welt zentral. Nur wenn wir die Modelle verstehen, können wir sie auch sicher beurteilen.

Was würden Sie erfinden, um Ihren Arbeitsalltag diesbezüglich zu erleichtern?

Einen Knopf, der die Zeit anhält. Dann könnte ich mich zurücklehnen und mich in aller Ruhe mit dem komplexen Fintech-Universum beschäftigen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren durch Fintech verändert?

Sehr stark. Ich war zuvor unter anderem in der Geldwäschereibekämpfung tätig. Heute beschäftige ich mich von früh bis spät mit Fintech. Der Berührungspunkt zur Geldwäschereiprävention besteht aber weiterhin. Tätigkeiten im Fintech-Bereich unterstehen unter Umständen dem Sorgfaltspflichtgesetz.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Mit dem Chef eines Fintech-Start-ups.

Ohne Namen zu nennen: Gab es schon eine Anfrage oder ein Unternehmen, das sich in Liechtenstein niederliess, bei dem Sie dachten: «Das ist eine Goldgrube»? Das direkt nicht. Doch es ist eindrücklich, wie ideenreich die Szene ist. Von abenteuerlich erscheinenden Vorhaben bis zu sehr einleuchtenden Projekten wie: Wie gelangen Musiker sicher, günstig und rasch zu ihrem Geld, wenn ihre Musik genutzt wird.

Gab es bereits eine skurrile Anfrage, über die Sie lachen mussten?

Wir nehmen natürlich jede Anfrage ernst. Aber ja. Wir kriegen Mails, ob wir in dieses oder jenes Start-up investieren wollen, oder solche, die über einen einzigen schlecht formulierten Satz nicht hinausgehen. Je besser das Geschäftsmodell erklärt und dokumentiert ist, desto konkreter können wir die regulatorische Einordnung vornehmen.

Liechtenstein ist ein Hub für Blockchain-Unternehmen geworden. Wird das geplante Blockchain-Gesetz Ihre Arbeit erleichtern?

Kaum. Das Blockchain-Gesetz ersetzt ja die bestehende Finanzmarktregulierung nicht. Der Vernehmlassungsent wurf sieht neue Aufgaben für die FMA vor. Und weilBlockchain-Anwendungen nicht auf den Finanzmarkt beschränkt sind, stossenwir auf neues Terrain vor. Wir analysieren nun den Entwurf und werden eine Vernehmlassungsantwortverfassen. Die ganze Welt schaut derzeit auf uns. Das ist für mich als Liechtensteinerin besonders aufregend.

Wie prüfen Sie ein Fintech-Unternehmen, ob es eine Bewilligung bekommt?

Der Anfragesteller stellt uns eine Dokumentation zu. Oft in Kombination mit einem Treffen bei der FMA. Dabei erläutert er sein Geschäftsmodell und wie er dieses umsetzen will. Wir prüfen dann, ob dafür eine Bewilligung der FMA erforderlich ist. Falls ja, sind die Bewilligungsvoraussetzungen im jeweiligen Spezialgesetz genau geregelt. Viele Fintechs fallen heute allerdings nicht unter die Finanzmarktgesetzgebung und unterstehen damit auch nicht unserer Aufsicht.

Denken Sie, dass Liechtenstein aufgrund seiner Positionierung als Blockchain-Hub auch schwarze Schafe anzieht? 

Ja. Die Thematik zieht auch Leute an, die das schnelle Geld machen wollen. Identifizieren wir solche Unternhemen, leiten wir natürlich die notwendigen und für uns gesetzlich möglichen Schritte ein. Beispielsweise erstatten wir Strafanzeige oder leiten ein Verfahren ein.

Die Kritik ? gerade an Kryptowährungen ? nimmt zu. Wie gehen Sie damit um, dass Ihre Arbeit so kritisch beäugt wird?

Ich verstehe das Unbehagen gegenüber der Fintech-Branche. Sie sprechen eine Sprache und von Dingen, die der normale Bürger kaum versteht und ihn nicht berühren. Das macht misstrauisch. Wir erachten neue Finanztechnologien als Chance für Liechtenstein, befassen uns aber auch mit den Risiken.

Der erste Liechtensteiner Krypto-Handelsplatz steht in den Startlöchern. Wie sehr verfolgen Sie die Nachrichten diesbezüglich? Die Beobachtung der Medien ist Teil unserer Arbeit. Sie liefert uns wichtige Hinweise. Und wir stellen natürlich fest, dass Liechtenstein weltweit Aufmerksamkeit hat und unter Beobachtung steht.

Glauben Sie, dass Blockchain-Geschäftsmodelle Zukunft haben?

Zweifellos. Es ist eine Technologie, die auch ausserhalb des Finanzmarktes immer mehr eingesetzt wird und das Potenzial hat, unsere Welt zu verändern. Kürzlich hat die Weltbank eine Anleihe via Blockchain emittiert. Auch in Liechtenstein wurde gerade der Prospekt für einen ersten Security-Token genehmigt. Dass diese Technologie weiterhin genutzt wird, ist klar.

Investieren Sie persönlich in digitale Währungen?

Ja, da und dort kleinere Beträge. Ich will wissen, wie das geht und was abläuft. Aus beruflicher Neugier also und weil ich die Kryptowelt spannend finde. Wer damit aber das grosse Geld machen will, geht auch hohe Risiken ein.

Dorothea Rohlfing arbeitet bei der Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht (FMA) und leitet seit Juni dieses Jahres das Regulierungslabor im Stab der Geschäftsleitung. Die 32-jährige Liechtensteinerin studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, absolvierte ein Praktikum bei der FMA und begann dann ihre Karriere als juristische Spezialistin im Bereich Banken.

24. Sep 2018 / 15:41
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