• Weingut Gantenbein in Fläsch
    Daniel und Martha Gantenbein produzieren Weine, die weltweit ausgezeichnet werden. Bei der Herstellung setzen sie auf Gravitation.  (Daniel Schwendener)

Weingut Gantenbein: «Wir nehmen seit 20 Jahren keine neuen Kunden an»

Martha und Daniel Gantenbein aus Fläsch zählen zu den bekanntesten Winzern der Schweiz. Eine Flasche kostet um die 100 Franken. Weil sie bewusst nur kleine Mengen produzieren, sind sie meistens ausverkauft. Die Winzer sprechen über das Geheimnis ihres Erfolges.

2018 markierte ein Rekordjahr für Winzer der Region. Produzieren Sie gerade einen Jahrhundertwein?

Daniel Gantenbein: Obwohl es sehr heiss und trocken war, war es ein entspanntes Jahr für uns, weil wir im Frühling keine Massnahmen gegen den Frost treffen mussten und kaum Schädlinge auftraten. Der Erntebeginn Anfang September war extrem früh und wir mussten uns beeilen, denn die Zuckerwerte schossen schnell in die Höhe. Auch wenn die Substanz sicher gut ist und es einen besonderen Wein geben wird, können wir aber noch nicht von einem Jahrhundert-Jahrgang sprechen. Es ist noch zu früh, um Superlative zu bemühen.

In der Region hat sich die Erntemenge zum Teil verdoppelt. Haben Sie auch mehr geerntet als in anderen Jahren?

Martha Gantenbein: Wir haben heuer nicht mehr geerntet als in den Jahren zuvor. Die letzten drei Jahre waren qualitativ, aber auch mengenmässig eigentlich ausgeglichen. Ausreisser nach unten gab es zum Beispiel im Jahr 2013, weil es damals eine Verrieselung gab. Durch diese Störung der Blüte fiel die Ernte sehr gering aus. 

Sie könnten wahrscheinlich in einem Jahr wie diesem deutlich mehr produzieren. Halten Sie die Menge bewusst tief?

Martha Gantenbein: Die Nachfrage ist sehr gross. Das Besondere an unserem Weingut ist, dass wir nur drei Weine produzieren – alle auf derselben Qualitätsstufe. Es gibt bei uns nur einen Pinot Noir, einen Chardonnay und einen Riesling. Ob jemand einen Blauburgunder in Fläsch, London, New York oder Paris trinkt, er kann sich immer auf die gleiche Qualität verlassen.

Daniel Gantenbein: Unsere Idee ist es, einen Wein zu produzieren, der so gut wie nur möglich ist. Aus diesem Grund müssen wir massvoll produzieren, da die Weine sonst schnell belanglos und langweilig werden. Weil wir im Premiumsegment tätig sind, müssen wir unseren Kunden auch etwas bieten.

Ist die Kleinheit Ihr Geheimnis?

Daniel Gantenbein: Es lässt sich fast überall auf der Welt günstiger Wein produzieren als hier in der Schweiz. Wir konzentrieren uns daher auf ein Niveau, das uns eine anständige Wertschöpfung ermöglicht. Das Lohnniveau für Rebarbeiter ist bei uns zum Beispiel deutlich höher als in den Nachbarländern. Wir exportieren einen festen Anteil von 40 Prozent ins Ausland. Würden wir eine einfachere Qualität produzieren, dann wäre gerade der Export auch nicht gewinnbringend, weil wir zu teuer in der Produktion sind.

Die Entscheidung für den Export haben Sie bewusst getroffen. Eigentlich gäbe es genug Nachfrage in der Schweiz und Liechtenstein samt Wartelisten?

Martha Gantenbein: Der Export hat sich durch die Nachfrage ergeben. Wir haben uns 40 Prozent als Limit gesetzt, könnten aber locker die ganze Ernte nach Österreich und Deutschland verkaufen. Wir haben keine Wartelisten, sondern eine Liste mit Kunden, die einfach Vorrang haben. Wenn wir den Wein unseren Kunden zuteilen, dann ist er auch meist schon wieder ausverkauft.

Wie viele Flaschen Wein produzieren Sie eigentlich pro Jahr?

Daniel Gantenbein: Wir produzieren jährlich zwischen25 000 und 30 000 Flaschen. Pinot Noir und Chardonnay sind unsere zwei wichtigsten Sorten, während der Riesling nur einen kleinen Teil ausmacht. Dennoch ist er für uns eine Herzensangelegenheit. Wir haben einen Rebberg, der komplett aus Schiefer ist. Auf 4,5 Hektar bauen wir Pinot Noir und auf 1,5 Hektar Chardonnay an.

Was ist das Besondere an Ihrer Art des Weinbaus?

Martha Gantenbein: Es fängt schon beim Rebschnitt an. Wir achten darauf, dass jede Rebe optimal ist. Wir gehen von Anfang an ein Risiko ein und sind nicht zögerlich beim Schnitt. Wir setzen also nicht auf Sicherheit und schneiden weniger, weil beim nächsten Sturm vielleicht ein Teil abbrechen oder die Blüte schlecht sein könnte. Im Herbst gehen wir so oft durch die Rebstöcke, bis alle Trauben weggeschnitten sind, die nicht optimal sind. Wir machen dabei keine Kompromisse. Ein Wermutstropfen ist: Mit nur einer Qualität kann es mengenmässig sehr grosse Schwankungen geben. Aber uns ist eine gute Qualität wichtiger. Wir können im Weinkeller nichts wiedergutmachen, das am Rebberg fehlt. Ohne ein gutes Produkt, können wir nichts Gutes ins Glas bringen. Wir verarbeiten auch nur eigene Früchte und kaufen nicht von anderen Winzern zu, weil wir sehr hohe Ansprüche haben.

Sie haben vor 20 Jahren als eine der ersten Winzer in der Bündner Herrschaft den Barrique-Ausbau begonnen. Warum?

Daniel Gantenbein: Als wir 1993 begannen zu 100 Prozent in Barrique auszubauen, gab es damals auch andere Winzer in der Region, die Barrique nutzten, um eine Spezialität zu produzieren. Für uns ist es aber nichts Besonderes, weil wir das Eichenfass von Anfang an als Instrument betrachtet haben, das uns zum Ziel führt. Für uns ist damit keine Sonderedition verbunden. Der zweite grosse Schritt war 1995. Seitdem filtrieren wir den Pinot Noir nicht mehr, sondern es läuft alles über Gravitation und der Wein muss durch keine einzige Pumpe fliessen bis er in Flaschen abgefüllt wird.

Die Produktion mit Schwerkraft: Wie kamen Sie darauf?

Daniel Gantenbein:  Wir hatten die Chance vor Jahren, einen neuen Weinkeller zu bauen, und es wäre ein Versäumnis, hätten wir die Schwerkraft nicht mit in die Produktion einbezogen. Ich bin eigentlich gelernter Mechaniker und so konnte ich selbst an den Plänen für die Anlage tüfteln. Ich habe den Architekten damit alles genau vorgegeben.

Eine Flasche Ihres Weins kostet über 100 Franken. Sind Sie anfangs argwöhnisch beäugt worden?

Daniel Gantenbein: Als wir angefangen haben, kosteten alle Weine in Fläsch gleichviel. Wir gehen einen anderen Weg, der kostenintensiver ist und daher brauchen wir auch eine andere Kundschaft, die bereit ist mehr zu bezahlen. Das Konzept hat aber auch sicher viele motiviert, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Wir haben hier in Graubünden eine hohe Dichte an guten Winzern, vor allem auch von jungen und gut ausgebildeten Weinbauern. In Amerika kostet eine unserer Flaschen zum Beispiel schnell einmal 150 oder 160 Dollar. Dafür müssen wir einfach etwas bieten. Wir hatten Glück, vielen guten Leuten im Leben begegnen zu dürfen.  

Sie sind auch in der Spitzengastronomie gut vertreten. War der Auslöser dafür, dass Sie hier auch den richtigen Menschen begegnet sind?

Daniel Gantenbein:  Uns war im Leben gutes Essen und Trinken immer schon sehr wichtig. Und mit gutem Essen meine ich nicht Trüffel und Kaviar, sondern einfache, gute Produkte – ein gutes Risotto zum Beispiel. Felix Real aus Liechtenstein war zum Beispiel ein ganz grosszügiger Mensch, mit dem wir ganz tolle Abende verbracht haben. Er hat uns wahnsinnig gute, alte Burgunder gezeigt und aufgetischt – wir hätten damals als junge «Schnufer» die finanziellen Mittel dafür gar nicht gehabt. Es braucht einfach gute Leute, die einen weiterbringen.

Gibt es eine lustige Anekdote, an die Sie gerne zurückdenken?

Daniel Gantenbein: Ich kann mich erinnern, als ich vor etlichen Jahren am 23. Dezember einmal mit Freunden bei Felix Real im Restaurant in Vaduz war. Wir hatten schon Bedenken – kurz bevor die Rechnung kam – dass wir daheim ein Stück «Wingert» verkaufen müssen (lacht). Ich war froh, hat er uns am Ende eingeladen. Wir waren nur selten bei ihm, aber bei einem tollem Burgunder werden wir einfach schnell schwach. Das ist eine Berufskrankheit.

Sie produzieren also nicht nur, Sie trinken auch gerne Wein. Haben Sie selbst auch eine private Weinsammlung?

Martha Gantenbein: Ja, unser Weinkeller ist ganz gut bestückt. Wir treffen uns gerne mit Freunden und trinken zusammen auch mal eine besondere Flasche Wein. Es ist einfach schön, sich mit anderen darüber austauschen zu können und solche Momente mit Freunden zu teilen.

Was ist denn der Lieblingswein der Gantenbeins?

Daniel Gantenbein: Ein besonderer Tropfen ist für uns der Musigny von Domaine Comte Georges de Vogue, Jahrgang 1969. Unser Weinkeller ist gut bestückt mit Burgunder-Weinen aus Frankreich, aber auch Riesling aus Deutschland ist für uns ein grosses Thema.

Gibt es im Weinkeller auch Bio-Weine und wie stehen Sie als Winzer zu diesem Thema? In Graubünden und der Region scheint sich ein Trend abzuzeichnen.

Martha Gantenbein: Ja, in der ganzen Schweiz gibt es diesen Trend. Es gibt wenige Bio-Betriebe in unserer Gegend, die Pioniere sind.  Wir befinden wir uns aber vom Klima her in einem Gebiet, in dem dies nicht ganz so einfach möglich ist, wie in südlicheren Regionen. Das Gleichgewicht der Böden und der Reben, beschäftigt uns schon seit Langem. Wir versuchen so wenig wie möglich an Pflanzenschutzmittel und so viel wie nötig einzusetzen. Das ist für uns der beste Weg, um eine gute Qualität zu erreichen.

Eine Abschlussfrage: Gibt es eigentlich noch eine Chance für neue Kunden, den Jahrgang 2018 direkt bei Ihnen zu kaufen?

Daniel Gantenbein:  Nein. Wir nehmen bereits seit 20 Jahren keine neuen Kunden an, sondern wollen den bestehenden Kunden unsere Wertschätzung entgegenbringen. Wir haben aber ein sehr gutes Netz an Händlern, wie zum Beispiel Ritter Weine in Schaan (lacht). Es gibt in der Schweiz nur ein oder zwei andere Weinhandlungen, die beim Sortiment auf dieser Augenhöhe sind. Zudem lieben wir die Weinbar in Schaan – nur schade, dass sie nicht näher ist (lacht).

(Interview: dal)

15. Dez 2018 / 09:30
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