• St.Galler Handelstag 2018
    St.Galler Handelstag 2018

So wollen Karstadt und Co. überleben

Ob Kaufhauskette, Modehändler oder Fachgeschäft: Alle erkennen, dass sich ihr Geschäft durch die Digitalisierung schnell verändert, doch nur die wenigsten wissen, wie sie handeln sollen. Wie diese «Schockstarre», wie Gastgeber Prof. Thomas Rudolph es nennt, überwunden werden kann, wurde am 8. Handelstag an der Universität St.Gallen diskutiert.

Thomas Rudolph, Professor für Handelsmanagement an der Universität St.Gallen, präsentierte zunächst einige neue Erkenntnisse frisch aus dem Forschungslabor. Eine Grundvoraussetzung ist es, dass die Unternehmen erkennen, dass die Herausforderungen der Digitalisierung eine Geschäftsmodelltransformation (GMT) erfordern. Es geht also nicht nur um kleinere Strategieanpassungen, sondern darum, dass sich das komplette Unternehmen verändern muss – bis auf eines: das Leistungsversprechen. Merkmale einer GMT sind, dass die Veränderungen nicht revidierbar sind und dass das Risiko entsprechend hoch ist. 

Karstadt mit neuem Mut

Marco Werner, erst seit wenigen Monaten Chief Digital Officer von Karstadt, erklärte die neu formulierte Vision der vor ein paar Jahren schwer angeschlagenen Kaufhauskette. Der Konzern hat sich unlängst etwas erholt und angekündigt, dass man «wieder angreifen wolle». Werner gab einen Einblick in die Vision von Karstadt:  

Wir sind der erfolgreichste, vernetzte Marktplatz in Deutschland. Wir verbinden auf einzigartige Weise Warenwelten und Dienstleistungen individuell für jeden Kunden. Bei uns im Haus oder unterwegs. Deshalb kauft jede Familie ein Leben lang bei uns ein. Wir sind Händler, seit 1881, und stolz auf unsere Erfolge und unsere Kultur. 

Die Vision soll in folgenden drei Bereichen umgesetzt werden: 

Stationärer Marktplatz Online-Marktplatz Karstadt.de (ab Juli 2018) Drittmarkplätze (Amazon, E-Bay)
  • Neu und Umbauten
  • technischen Modernisierung
  • Warenwelten und Dienstleistungen
  • Kategorie-Leuchttürme
  • Erhöhung Sortimentsbreite und Tiefe
  • Anbindung externer Händler
  • Mobiles Einkaufen und Informieren
  • Erhöhung der Reichweite
  • ausgewählte Sortimente
  • Erschliessung neuer Märkte

Primark, der Preisbrecher ohne Online-Shop

Das Motto der irischen Kette für Billigmode lautet: «Amazing Fashion, Amazing Prices». Weltweit beschäftigt Primark 75'000 Mitarbeiter in über 350 Geschäften. Wolfgang Krogmann, CEO Primark für Deutschland und Österreich, gab ein paar Kostproben, wie aggressiv die Kette auf dem Markt auftritt: »Wir dulden nicht, dass uns jemand im Preis unterbietet». Wenn jemand Primemark unterbieten wolle, dann habe Primark die Ausdauer, die Geduld und das Kapital, um den Konkurrenten wieder auf andere Gedanken zu bringen. An seinen Vorredner von Karstadt gerichtet, sagte Krogmann, im Hintergrund eine Folie einer Primark-Filiale: «Hier gehen mehr Menschen auf die Toilette als bei Karstadt in die Geschäfte». 

Primark verdiente im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Britische Pfund. Das Erfolgsrezept? «Keine Werbung, keine Zwischenhändler, sehr schlanke Strukturen», sagt Krogmann. 

Obschon Primark besonders bei Jugendlichen sehr beliebt ist, betreibt das Unternehmen keinen Online-Shop. «Wir können uns einen Online-Shop nicht leisten», sagt Krogmann dazu. Der Aufwand für die Logistik und für das Management der Retouren sei einfach zu gross. 

Der Branchentreff in St.Gallen 

Der St.Galler Handelstag bietet seit acht Jahren eine Plattform für Herausforderungen des Handelsmanagements. Neben Vertretern von Karstadt und Primark waren weitere Referenten etablierter Unternehmen wie Migros, IKEA, Valora sowie dem Brillen- und Fashion-Startup viu zu Gast. 

(db)

06. Jun 2018 / 11:05
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