•  (naumax)

Im Zeichen des Drachen

Nach der Übernahme der Raiffeisen Privatbank stellte sich der neue Eigner aus Hong Kong diese Woche in Vaduz vor. Es ist die zweite Bank, die in chinesische Hände geht. Es könnte erst der Anfang sein.
Von Dorothea Alber
 
Nach der Bendura Bank bekommt auch die Raiffeisen Privatbank einen Eigner aus Südost-Asien. Diese Woche stellte sich der neue Eigentümer – die Mason Group aus Hong Kong – in Vaduz vor. Sie hat die Bank übernommen, für die sich nun ein Zukunftsmarkt mit entsprechenden Wachstumsperspektiven eröffnet. «Alleine könnten wir diesen Markt nicht angehen», sagt Alexander Putzer, der CEO der Raiffeisen. Er ist zudem überzeugt: «Der Besitzerwechsel ist ein Vorteil für beide. Wir haben einen dynamischen und investitionsfreudigen Eigner bekommen». Bereits jetzt habe die Mason Group begonnen in die Raiffeisen Privatbank grössere Beträge zu investieren –zum Beispiel in die IT, aber auch ins Personal am Standort in Vaduz. «Wir haben bereits begonnen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen», erklärt Putzer. Nach den Sparmassnahmen der Bank in den letzten Jahren sind das gute Vorzeichen. Dass sich der Markt in China dadurch öffnet, bedeute aber laut Putzer keineswegs, dass die Bank nur noch auf dieses Neugeschäft fokussiert. Man bleibe den Kunden im deutschsprachingen Raum selbstverständlich treu. 
Finanzplatz lockt China-Investoren
Das Interesse chinesischer Unternehmen an Zukäufen in Europa ist generell hoch. Im Jahr 2016 haben Chinesen rund 86 Milliarden US-Dollar in Europa investiert. Die chinesischen Investoren sind bereit, auch hohe Summen zu bezahlen, um auf diesem Weg neue Geschäftsfelder oder neue Märkte zu erschliessen. «Dass zunehmend in Europa investiert wird, hängt sicher auch mit der neuen Administration in den USA zusammen, wo es die Chinesen künftig schwerer haben werden, Investitionen zu tätigen», erklärt Simon Tribelhorn vom Liechtensteiner Bankenverband.
«Wir gehen davon aus, dass China weiter investieren wird. Es ist kein Geheimnis, dass dabei auch mehrere Standorte geprüft werden», erklärt Tribelhorn weiter. Er kann sich gut vorstellen, dass weitere Banken nach Liechtenstein kommen. 
Weil die Margen europäischer Banken aber sinken, gelten sie eigentlich nicht als die profitabelsten Investments. Umso stärker drängt sich die Frage auf, woher das Interesse von chinesischen Investoren rührt. Eine weitere Übernahme, nämlich jene der damaligen Valartis Bank, erfolgte sogar von einem branchenfremden Unternehmen – einem chinesischen Luxusgüterkonzern. Dank der Übernahme durch CWJ eröffnet sich auch der Bendura Bank das Tor nach Asien. Dort kann das eigenständige Institut mit ihrem neuen Mehrheitsaktionär den Markt besonders intensiv bearbeiten. Auf den chinesischen Markt schielen auch andere Banken Liechtensteins – nirgendwo wachsen Vermögen so stark. Jetzt gilt es die Chancen zu nutzen.
Die neue Mittelklasse Chinas schafft ihr Geld nämlich ins Ausland, da es in der Volksrepublik kaum Anlagemöglichkeiten und keine Rechtssicherheit gibt. 
Einige sind überzeugt: Mit einer Basis in Europa wollen die Chinesen ausserhalb der Reichweite der chinesischen Kapitalkontrollen gelangen. Diese sollen den Kapitalabfluss aus der Volksrepublik stoppen. Chinas Devisenberg ist wegen der Kapitalflucht schon um über 900 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Alexander Putzer sieht das anders: «Mein Eindruck ist, dass China eine Brücke schlagen will, um die beiden Welten zu verbinden: Das schnell wachsende Asien und ddie Kaufkraft Europas». Die Raiffeisen Privatbank und Mason Group hat zwar mit Blick auf eine zukünftige weitere Öffnung auch diesen Markt ins Auge gefasst, derzeit kommen die Kunden der Mason Group aber hauptsächlich aus Hong Kong. «Hier gibt es keine derartigen Kapitalkontrollen», erklärt Alexander Putzer als CEO der Raiffeisen Privatbank in Liechtenstein. 
Am Schweizer Finanzplatz spielt China auch zunehmend eine Rolle – allerdings in anderer Form. Finanzdienstleister kommen in die Schweiz. Mit der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und der China Construction Bank (CCB) haben sich bereits zwei Grossbanken niedergelassen. Der Schweizer Finanzplatz ist auch darum zur Drehscheibe für die chinesische Währung Renminbi geworden. Schweizer Unternehmen müssen Renminbi nicht mehr in London oder Hongkong kaufen, sondern können dies in Zürich tun. Ob Liechtenstein hier ebenfalls Banken aus dem Reich der Mitte anziehen kann? Gegenüber «Wirtschaft regional» zeigte sich Simon Tribelhorn im Jahr 2015 zuversichtlich: Auch Liechtenstein werde von chinesischen Banken evaluiert. Zahlreiche chinesische Player, darunter alle grossen Banken haben an verschiedenen Standorten innerhalb des Binnenmarktes Niederlassungen eröffnet. 
Daher sagt Tribelhorn auf Anfrage heute: «Damit dürfte sich der Fokus vielleicht etwas geändert haben. Während vorher noch die Internationalisierung des Reminbi im Vordergrund stand, steht heute eher der Zugang zum Binnenmarkt und seinen rund 500 Millionen potenziellen Kunden für kleinere Player im Fokus». Hier könne Liechtenstein mit seinen attraktiven Standortfaktoren punkten. Denn Liechtenstein ist das einzige Land mit einem Triple-A-Rating, das keine Staatsschulden hat. «Als EWR-Mitglied eignet sich Liechtenstein als idealer Hub und damit Tor zum Europäischen Binnenmarkt mit einem ungehinderten Marktzugang», ist Simon Tribelhorn vom Bankenverband überzeugt. 
11. Mai 2018 / 17:18
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
16. Oktober 2018 / 11:31
16. Oktober 2018 / 14:28
16. Oktober 2018 / 06:03
16. Oktober 2018 / 09:53
Aktuell
17. Oktober 2018 / 00:01
16. Oktober 2018 / 14:28
16. Oktober 2018 / 11:31
16. Oktober 2018 / 09:53
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Thöny Wettbewerb
Zu gewinnen 300.- Gutschein von Thöny Innenausbau
08.10.2018
Facebook
Top