• Der neue CEO der Ivoclar: Diego Gabathuler
    Der neue CEO der Ivoclar: Diego Gabathuler  (Foto: Sven Beham)

«Die Digitalisierung bereitet mir keine Bauchschmerzen»

Diego Gabathuler übernimmt im Juli den CEO-Posten bei Ivoclar Vivadent. Böse Zungen behaupten, das Unternehmen habe die Digitalisierung verschlafen. Der Buchser sieht das anders und spricht darüber, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln soll.

Herr Gabathuler, wenn Sie zum heutigen Interview einen Gegenstand hätten mitbringen müssen, um sich den Lesern vorzustellen, welcher wäre das?
Diego Gabathuler: Jeder, der mich kennt, weiss eigentlich sofort, was jetzt kommt (lacht). Ich würde eine alte, mechanische Armbanduhr mitnehmen. Für mich sind Uhren insofern spannend, weil sie verschiedene Elemente verbinden: Die Technologie, das Design und die Schweiz. Das Uhrenhandwerk ist ein wesentlicher Teil der Geschichte meines Heimatlandes. Es beeindruckt mich, mit welcher Präzision Uhrmacher vor 300 Jahren in der Westschweiz begannen, Uhren oder einen ewigen Kalender zu bauen, der das Datum, Mondphasen, Sternenkonstellationen und Schaltjahre korrekt anzeigt. 

2019 ist Ihre grosse Stunde gekommen. Sie werden im Juli neuer CEO des Unternehmens. Was bereitet Ihnen vor dem Antritt bei Ivoclar Vivadent persönlich am meisten Sorgen?
Ich mache mir keine Sorgen, denn ein schönes und selbstbewusstes Lächeln gewinnt immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig werden Themen wie Gesundheit und Lebensqualität immer wichtiger. Beide Faktoren beflügeln unseren Markt. Als erfolgreiches Familienunternehmen blicken wir also auf einen wachsenden Markt und freuen uns über gesunde Margen. 

Die Digitalisierung bereitet Ihnen also keine Bauchschmerzen?
Nein. Der Kern unseres Produktes, also das Lächeln, wird immer analog und physisch bleiben. Die ganze Prozess-kette – vom Hersteller über die Labore bis hin zum Zahnarzt und zum Patienten – wird sich natürlich digitalisieren. Ich denke, es ist wichtig, zwei Punkte zu unterscheiden. Digitalisierung ist eine Vereinfachung und Automatisierung der Prozesse. Viel spannender ist aber der nächste Schritt: die digitale Transformation. Sprich, wenn Produkte und Services digital werden. In diesem Punkt stehen wir als Branche noch ganz am Anfang. Ich sehe enorme Chancen in der Digitalisierung der ganzen Prozesskette, weil diese bei uns recht komplex ist. Wenn wir das Zusammenspiel und die Kommunikation über intelligente Systeme und ein intelligentes Datenmanagement organisieren können, ist das eine riesige Chance.

In puncto Digitalisierung nutzte das Unternehmen zuletzt eine neue Chance. 2017 hat Ivoclar Vivadent das Zürcher Software-Start-up Kapanu gekauft. Warum?
Wir haben Kapanu akquiriert, weil wir vom grossen Potenzial in der Visualisierung von Behandlungsergebnissen überzeugt sind. Patienten sehen heute beim Zahnarzt noch nicht, wie das Ergebnis am Schluss aussehen wird. Die Augmented-Reality-Technologie von Kapanu ermöglicht uns eine sehr realitäts-nahe Simulation des Endergebnisses – also des Lächelns. Wir erachten dies vor allem auf der Marketingseite als grosse Chance, aber auch in der Kommunikation zwischen Zahnarzt und Patient. 

Wird Kapanu in das Unternehmen integriert und wurden die Mitarbeiter des Start-ups übernommen?
Nein, uns ist wichtig, dass das Team in Zürich eigenständig operieren wird. Wir haben alle Mitarbeitenden übernommen, wobei jeder einzelne über herausragende Fähigkeiten im Bereich neue Technologien verfügt. Das Start-up wird von den Gründern weiterhin geführt. Sie sind kein exklusiver Lieferant von Ivoclar Vivadent, sondern sie können ihre Technologien auch an andere Industrien und Unternehmen verkaufen, zum Beispiel an Firmen der Kosmetikindustrie. 

Manche sprechen davon, dass Ivoclar Vivadent die Digitalisierung etwas verschlafen habe und aus diesem Grund Kapanu übernommen hat ...
Nein, Ivoclar hat die Digitalisierung nicht verschlafen. In der computerintegrierten Produktion fertigen wir seit Jahren das weltweit führende Material im meistverbreiteten CAD-CAM-System der Welt. Trotzdem haben wir uns entschlossen, unser eigenes System zu entwickeln, und zwar nicht aus der Not heraus, sondern in Hinblick auf eine langfristige Unabhängigkeit im strategischen Sinn. 

Sie sprechen die Strategie des Unternehmens an. Was wird sich mit Ihrem Antritt als CEO bei Ivoclar Vivadent ändern?
Wenn Sie etwas Fundamentales erwarten, muss ich Sie leider enttäuschen. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich ein gut geführtes und gesundes Familienunternehmen als CEO übernehmen darf. Mir ist aber dennoch wichtig, weiterhin in die Entwicklung der Mitarbeitenden und in das Talent-Management zu investieren. Ich möchte die Diversität noch weiter erhöhen und bin der Meinung, je grösser die Diversität in den Teams ist und je verschiedener die Backgrounds sind, desto besser und innovativer sind die Lösungen. Ich möchte auch mit den Partnern und den Kunden stärker emotional kommunizieren. Zudem haben wir uns zum Ziel gesetzt, noch stärker am Branding beziehungsweise dem Markenwert durch verstärkte Kommunikation zu arbeiten. Ich glaube, Ivoclar Vivadent war in der Vergangenheit eher bescheiden, obwohl wir in den letzten 50 Jahren den Markt mehrfach disruptiert haben. In der heutigen Welt ist es wichtig, die eigenen Leistungen konsequent zu kommunizieren. Es gibt so viele Geschichten, die wir erzählen können.  

Zurückhaltend ist das Unternehmen auch bei der Kommunikation von Kennzahlen. Der Umsatz wuchs 2017 um 4,5 Prozent. Wie rentabel ist das Unternehmen? 
Genaue Zahlen nennen wir als Familienunternehmen nicht, ich kann aber so viel sagen: Die Rentabilität ist sehr gut. In der Technologiebranche hängt diese sehr oft direkt mit der Innovationskraft zusammen. Schlussendlich sind Innovationen der einzige Weg, um eine Erosion bei Preis und Marge zu verhindern. Wir haben in den letzten zehn Jahren zahlreiche Innovationen auf den Markt gebracht und konnten zehn Jahre in Folge schneller als der Markt wachsen.  

2019 setzt Ivoclar Vivadent weiter auf Marktexpansion. Welche Länder beziehungsweise Regionen stehen dabei im Fokus?  
Nach wie vor im Fokus stehen China, Russland, Brasilien, Mexiko und Indien als sehr grosse Märkte. Kleinere, aber nicht weniger attraktive Märkte wie beispielsweise Kolumbien, Argentinien oder Thailand sind für uns ebenfalls wichtig. 

Welcher dieser Märkte ist besonders herausfordernd und warum? 
China ist für uns ein hochattraktiver Markt. Das Problem im Land ist, dass es nicht genug Zahnmediziner gibt, um die Nachfrage in der wachsenden Mittelschicht zu decken. Da zu wenige junge Leute Zahnmedizin studieren, wird sich dies in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Das Wachstum ist daher vorerst beschränkt. Auch in anderen Ländern gibt es Herausforderungen. In Brasilien beispielsweise rutschte der Markt aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen im ersten Halbjahr um 15 Prozent ins Minus. Darüber hinaus sind Wechselkurschwankungen in diesen Wachstumsmärkten auch ein Thema, weil es in den letzten Monaten einen Negativtrend gab. Dem steht der positive Schub auf der Euro-Seite gegenüber. Zudem haben wir durch unsere sieben Produktionsstandorte in verschiedenen Währungszonen ein recht gutes, natürliches Hedging. 

Wachsen will Ivoclar Vivadent nicht nur geografisch, sondern auch im Bereich der ästhetischen Therapiekonzepte. Welche Marktchancen bestehen hier noch? 
Wir sind schon seit Jahren bekannt für unsere ästhetischen Lösungen, in die wir weiter investieren werden. Daran wird sich auch im digitalen Zeitalter nichts ändern. Produkte, die nicht direkt in Zusammenhang mit hoher Ästhetik stehen, sind für uns ohnehin weniger interessant. Wir möchten aber vermehrt in Prävention investieren. Sowohl auf der Konsumentenseite als auch bei den Regierungen nimmt das Bewusstsein für Zahngesundheit durch den steigenden Kostendruck zu. Zwei professionelle Zahnreinigungen pro Jahr sind bereits eine gute Investition in gesunde Zähne und ein schönes Lächeln. 

Wie wird das konkret aussehen – lanciert Ivoclar Vivadent Präventionsprogramme?
Den Bereich Prävention werden wir weltweit mit neuen Produkten und neuen Programmen neu aufbauen. 
Bislang stand Prävention also nicht im Fokus?
Der Bereich Prävention existiert bereits länger, aber er gewinnt zunehmend an Bedeutung: Mehr personelle Ressourcen werden dafür mobilisiert und wir investieren vermehrt in Forschung und Entwicklung in diesem Bereich.

2018 plante Ivoclar Vivadent weltweit Investitionen von rund 82 Millionen Schweizer Franken bei einem Umsatz von 809 Millionen Franken. Wie sieht Ihr Ausblick für das Jahr 2019 aus? 
In Schaan bauen wir ab diesem Sommer ein neues Hauptgebäude mit modernen Arbeitsplätzen, einem neuen Personalrestaurant sowie einem Fortbildungszentrum für Zahnärzte und Zahntechniker. Die Investitionssumme dafür beträgt 50 Millionen Franken. Darüber hinaus werden wir im Rahmen des Vorjahres in Innovationen investieren. Wir reinvestieren einen wesentlichen Teil unserer Erträge in die Zukunft. Wir haben in den vergangenen Jahren – auch nach der Frankenstärke – immer wieder Geld investiert und ich bin sehr froh, dass wir hier nicht auf die Bremse gestiegen sind. (dal)

 

16. Jan 2019 / 09:56
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