•  (Eva-Katalin)

Der Buchhandel erholt sich

Der Deutschschweizer Buchmarkt weist laut aktuellem Marktreport des Schweizer Buchhändler­­– und Verleger–Verbandes (sbvv) stabile Zahlen auf: Auch Liechtensteiner Buchhandlungen sind mit 2018 zufrieden.

DDer angebliche Niedergang der Buchbranche findet so, wie er von vielen Experten prognostiziert wurde, nicht statt. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Marktreports zum Deutschschweizer Buchmarkt, die der Schweizer Buchhändler– und Verleger-Verband in dieser Woche veröffentlichte. 

Negativtrend unterbrochen

Der Buchmarkt hat sich 2018 im Grossen und Ganzen endlich stabilisiert: Der Gesamtumsatz mit Büchern, stationär und online, ging im Vergleich zum Vorjahr nur um 1 Prozent zurück. 2014 kündigte sich eine regelrechte Talfahrt an: Die Umsätze vieler Händler brachen über drei Jahre hinweg ein. Buchhandlungen mussten schliessen oder setzten vorwiegend auf den Onlinehandel. Im nahegelegenen Haag-Center schloss die Migros-Tochter Ex Libris ihre Filiale. Jede dritte Stelle baute Ex Libris schweizweit ab, drei Viertel der Filialen mussten schliessen. Die Migros begründete diese Massnahme mit dem «Strukturwandel der Branche«. Das heisst konkret: weniger stationärer Handel, mehr online. Auch der Liechtensteiner Buchhandel erlebte über die vergangenen Jahre hinweg Einbussen, wie Renate Risch von der Omni-Buchhandlung in Eschen bestätigte: «Wir haben in den letzten Jahren eher Einbussen im Bereich Buchhandel hinnehmen müssen, konnten aber das Geschäftsjahr 2018 mit einer Umsatzsteigerung von rund 10 Prozent abschliessen. Das stimmt uns sehr zuversichtlich.» 

Theresa Hardegger vom Bücherwurm in Vaduz ist mit dem Endjahresergebnis 2018 ebenfalls zufrieden: «Wir haben über die Jahre eine stabile Stammkundschaft aufgebaut. Unser Standort im Vaduzer Zentrum trägt sicher auch dazu bei, dass wir gute Verkaufszahlen präsentieren können.» Aber um als Buchhandlung ökonomisch überleben zu können, brauche es mehr. Sie sei froh, dass sie zusätzliche Einnahmen durch die Papeterie und das Spielwarengeschäft generieren könnten. Und auch Renate Risch erklärt, dass sie ohne Zusatzprodukte nicht überleben könnten. «Wir setzten in den letzten Jahren immer mehr auf einen Mix aus Büchern, Spielen und Geschenkartikeln zu erschwinglichen Preisen. Zudem bieten wir unserer Kundschaft auch verschiedene Events an, die das Buch oder Spiele ins Zentrum stellen.» 

Alois Büchel landete Bestseller

Zuversichtlich stimmt die Buchbranche ausserdem die Nachricht, dass wieder mehr Kinder- und Jugendbücher verkauft wurden und die Zahl der Jugendlichen, die Bücher lesen, konstant bleibt. Sie liegt seit 2012 trotz den Verlockungen von Social Media, Spotify, Netflix und anderen bei rund 30 Prozent. Das Vorurteil, dass junge Menschen nicht mehr lesen wollen, stimmt so also nicht. Und aufhorchen lässt zudem die Tatsache, dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen – laut der aktuellen James-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Bücher in gedruckter Version bevorzugen. Viele «Digital Natives» bleiben im Analogen verankert. Auch gesamthaft betrachtet liegt der Umsatzanteil der auf E-Readern, Tablets oder Smartphones gelesenen Bücher im Durchschnitt weiter unter zehn Prozent des Gesamtumsatzes. Zu den umsatzstärksten Büchern gehörten 2018 «Becoming» (Michelle Obama), «Mein Herz in zwei Welten» (Jojo Moyes) und «Königskinder» (Alex Capus). Titel, die in kaum einer Buchhandlung fehlen durften, wie auch Liechtensteiner Buchhändler bestätigten. «Unter den Liechtensteiner Publikationen ragte gegen Ende Jahr das Buch ‹Unfassbar› von Alois Büchel heraus, das sich am besten verkaufte», so Risch. 

Kampf ums Überleben

Allerdings muss mit etwas Sorge betrachtet werden, dass in den letzten drei Jahren in Folge die Zahl der im Buchhandel verkauften Bücher abgenommen hat: 2018 um weitere 3,6 Prozent. Der Rückgang kann auch mit der Verlagerung zu E-Books zusammenhängen, die in diesen Zahlen jedoch nicht enthalten sind. 
Andere klassische Medien konnten sich allerdings weiterhin nicht erholen: Zeitungen, die Musikbranche oder das Kino kämpfen nach wie vor mit rückläufigen Zahlen – und oft ums Überleben.
Die Verlagerung des Geschäfts in den Onlinehandel ist inzwischen in fast allen Bereichen angekommen. Experten gehen davon aus, dass das Verhältnis 80 Prozent Print und 20 Prozent Digital langfristig bestehen bleibt. Der Buchhandel lebt seit 2008 mit der Amazon-Konkurrenz. Der Internethandel mit gedruckten Büchern ist aber gesättigt. Die Verkaufszahlen stagnieren. Für Hardegger kommt dies nicht überraschend: «Unsere Kundschaft schätzt die persönliche Beratung und den Service. Wir sind überzeugt, dass darin die Stärke einer kleinen Buchhandlung besteht. Wir werden auch in Zukunft zu den Leuten den Kontakt suchen.» (rpm)

08. Feb 2019 / 18:27
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)

Verwandte Artikel

Lesertrend
Meistkommentiert
01. Februar 2019 / 08:00
Meistgelesen
19. Februar 2019 / 21:07
19. Februar 2019 / 15:08
19. Februar 2019 / 15:51
18. Februar 2019 / 14:35
Aktuell
19. Februar 2019 / 21:07
19. Februar 2019 / 15:51
19. Februar 2019 / 15:08
19. Februar 2019 / 13:25
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Pizol
Wöchentlich Tageskarten der Skigebiete in der Region zu gewinnen
04.01.2019
Facebook
Top