• Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes

Wenn die Karten neu gemischt werden

«Nachdenken und vor allem Handeln ist gefragt», meint Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes.

2019 verspricht ein ereignisreiches Jahr zu werden. Dies gilt nicht nur für Liechtenstein aufgrund des 300-Jahr-Jubliäums oder für uns als Liechtensteinischer Bankenverband mit der Feier des 50-jährigen Bestehens.

Nein, international gesehen wird uns das Christkind eine wahre Wundertüte bescheren. Die Unsicherheit – oder um es positiv zu formulieren – die Spannung wird weit über den Jahreswechsel hinaus andauern. Denn ausgepackt werden die Geschenke erst im Laufe des nächsten Jahres. Da wäre zunächst der Brexit. Die Abstimmung über das Austrittsabkommen in Westminster ist aktuell auf den 21. Januar geplant. Die Zustimmung ist keineswegs in trockenen Tüchern. Die EU bereitet sich denn auch auf einen harten Brexit vor. Dann ist das institutionelle Verhältnis der Schweiz mit der EU weiterhin ungelöst. Soeben hat die EU die Börsen-äquivalenz zwar provisorisch um ein halbes Jahr verlängert. Gleichzeitig hat die EU aber unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass es keinen besseren Deal als das soeben ausverhandelte Rahmenabkommen geben und eine zügige Behandlung auf der Seite der Schweiz erwartet wird.

Derweil stellt sich in Italien die Frage, ob Ministerpräsident Conti und seine Regierung das Haushaltsdefizit wirklich in den Griff bekommen und zu welchem Preis. In Frankreich und Österreich hat sich in der Zwischenzeit die Euphorie über die Wahlen der beiden «Shooting Stars» Macron und Kurz gelegt. Und in Deutschland ist unklar, ob Bundeskanzlerin Merkel bis ans Ende ihrer letzten Legislaturperiode regieren wird. Der oder die Nachfolgerin wird nicht nur ein schweres Erbe antreten, sondern auch eine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung von Europa spielen. Europa und die EU stehen somit weiterhin vor grossen Herausforderungen. Und genau in diese Zeit fallen im nächsten Jahr noch die Wahlen von Parlament und Kommission. Es ist zu befürchten, dass die zunehmend nationalstaatlich- protektionistischen und populistischen Tendenzen weiter zunehmen und sich auf die Europawahlen und in der Folge auch auf die europäische Agenda auswirken werden.

 

Parallel dazu dürfte der Wettstreit um den Platz der Wirtschaftsmacht Nr. 1 oder wie die «NZZ» kürzlich titelte «der kalte Krieg um die technologische Zukunft» zwischen den USA und China in eine nächste Runde gehen. Der Streit um Huawei ist nur ein Beispiel. Neben der Technologie und der Digitalisierung werden wir in Zukunft ähnliche Diskussionen auch im Bereich der Nachhaltigkeit sehen. Man muss weder Wahrsager noch Genie sein, um zu merken, dass Nachhaltigkeit eines der zentralen Zukunftsthemen sein wird. Noch hat Europa erklärtermassen eine Führungsrolle übernommen. Noch vor den Wahlen wird die EU das Regulierungspaket zu «sustainable finance» verabschieden und die Finanzintermediäre der EWR-Mitgliedsländer werden neue verpflichtende Vorgaben erhalten. Doch auch hier läuft Europa Gefahr, an Bedeutung und Einfluss einzubüssen. Während die Trump-Administration ihr Abseitsstehen vom Klimaabkommen noch aufrecht hält, hat New York unter der Führung von Mike Bloomberg das Heft in die Hand genommen. Mit der Gründung der ‘US Alliance on Sustainable Finance’ zusammen mit weiteren Schwergewichten aus der Wirtschaft hat er die Wichtigkeit, den Handlungsbedarf und die Entschlossenheit hin zu einer nachhaltigeren Ausrichtung der Finanzströme klar aufgezeigt.

All diese Entwicklungen werden nicht spurlos an uns vorbeigehen. Nachdenken darüber und vor allem Handeln sind gefragt. Gerade Liechtenstein als kleines, exportorientiertes Land ist auf internationale Kooperation und Integration sowie ein starkes, subsidär geführtes Europa angewiesen. Thematisch muss Liechtenstein weiter die beiden Themen – Digitalisierung und Nachhaltigkeit – verfolgen. Was die Regierung im Bereich Blockchain vormacht, sollte ebenso im Bereich Nachhaltigkeit gelten. Das 300 Jahr-Jubiläum beschert uns einen einmaligen Joker. Denn trotz der vielen Herausforderungen in Europa weckt das Jubiläum Interesse und Aufmerksamkeit. Wir werden dem als Bankenverband gebührend Rechnung tragen: zum einen bleiben Nachhaltigkeit und Digitalisierung unsere beiden Top-Themen; zum anderen werden wir vom 20. bis 22. November 2019 unser 50-jähriges Jubiläum dazu nutzen, Liechtenstein und seinen Bankenplatz einer internationalen Audienz aufzuzeigen.

21. Dez 2018 / 14:50
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