•  (Daniel Ospelt)

Cyber-Risiken ernst nehmen

«Cyber-Sicherheit ist eine Managementaufgabe.»

Schnell ein Ticket über die App kaufen, online Einkäufe tätigen oder medizinischen Rat einholen, die Steuererklärung digital einreichen, mit dem Smartphone bezahlen, sich von einem Robo-Adviser eine Anlagestrategie vorschlagen lassen oder am Flughafen über die App eine Reiseversicherung abschliessen: Der digitale Wandel durchdringt immer stärker unseren Alltag und bringt manche Annehmlichkeiten mit sich.

Doch es steigen auch die Risiken, wenn wir immer mehr persönliche Daten im virtuellen Raum hinterlassen. Denn Daten sind im digitalen Zeitalter das neue Gold oder auch das neue Öl. Sie sind entsprechend begehrt und durch vielerlei kriminelle Machenschaften und Interessen gefährdet. Wir sind deshalb alle darauf angewiesen, dass unsere Daten von denjenigen, denen wir sie anvertrauen, vor Missbrauch geschützt respektive diese Cyber-Risiken ernst genommen werden. Dabei geht es um notwendige Vorkehrungen gegen die Gefährdung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen im virtuellen Raum durch Cyber-Angriffe. Cyber-Sicherheit wird mit der fortschreitenden Digitalisierung ein immer dringenderes Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Cyber-Angriffe finden täglich zu Tausenden statt. Die Frage lautet nicht, ob solche gegen das eigene Unternehmen gerichtet sein könnten, sondern wie man sich erfolgreich gegen sie schützen kann, wie man sie innert nützlicher Frist entdeckt und was man tut, wenn ein Angriff erfolgreich war.

Das Schadenpotenzial durch Cyber-Angriffe ist enorm hoch. Cyber-Risiken sind deshalb verstärkt in den Fokus der Finanzmarktaufsicht gelangt. Die europäischen Aufsichtsbehörden haben diese gar als eines von vier Top-Risiken für das europäische Finanzsystem identifiziert. Die FMA hat diesen Monat gegenüber Banken, Versicherungen und den weiteren Finanzmarktakteuren ihre Erwartungen zum Umgang mit Cyber-Risiken veröffentlicht. Unsere Behörde erwartet, dass Cyber-Risiken in ein umfassendes internes Risikomanagement mit den Elementen Identifikation, Schutz, Erkennung, Reaktion, Wiederherstellung und Meldung einbezogen werden. Ihre Stellung als Intermediär bürdet ihnen eine grosse Verantwortung gegenüber ihren Kunden auf.

Diese Erwartungen gelten natürlich auch für die FMA. Wir nehmen das Thema Cyber-Sicherheit sehr ernst. Die von uns beaufsichtigten Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten bei der FMA vor Missbrauch geschützt sind. Ein erfolgreicher Angriff gegen unsere Behörde wäre zumindest mit einem grossen Reputations- und Vertrauensverlust verbunden. Cyber-Sicherheit ist deshalb eine Managementaufgabe. An einem Strategietag in diesem Jahr hat der Aufsichtsrat zusammen mit der Geschäftsleitung dieses Thema detailliert mit Experten diskutiert und weitere Massnahmen beschlossen.

Auch die FMA muss anderen vertrauen können. Wir beziehen die IT-Infrastruktur von der Liechtensteinischen Landesverwaltung. Das ist sinnvoll und effizient. Denn Grösse verringert auch die Kosten für den Schutz vor Cyber-Risiken. Wir konnten uns davon überzeugen, dass wir mit dem Amt für Informatik als Partner über hohe Sicherheitsstandards verfügen. Diese werden auch regelmässig zum Beispiel durch Penetrationstests überprüft. Das genügt allerdings nicht, denn das schwächste Glied in der Kette ist oft der Mensch. Hacker nutzen dessen Unachtsamkeit, Neugier oder Unwissen, um auch die sichersten Systeme aus­zutricksen. Regelmässige Schulungen der eigenen Mitarbeiter zu IT-­Sicherheit gehören deshalb zum Standard. 

Selbst mit der Blockchain-Technologie, die als sicher gilt, verliert Cyber-Sicherheit nicht an Bedeutung. Schliesslich können beispielsweise auf dem Computer gespeicherte Schlüssel durch einen Angriff gestohlen werden. Liechtenstein, das zu Recht die Chancen neuer Finanztechnologien nutzt und sich international als Fintech-Standort einen Namen gemacht hat, tut gut daran, auch der Risikoseite die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken.

26. Okt 2018 / 18:23
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