• Kaum offizielle Termine vor elf Uhr morgens: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
    Kaum offizielle Termine vor elf Uhr morgens: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)  (KEYSTONE/AP/CAROLYN KASTER)

Trump will nicht als faul gelten

US-Präsident Donald Trump hat sich vor dem Vorwurf eher entspannter Arbeitszeiten verwahrt. "Fakt ist, ich habe wahrscheinlich längere Arbeitstage als fast alle Präsidenten vor mir", schrieb Trump am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter.
Washington. 

Als er das Präsidentenamt übernommen habe, habe in den USA Chaos geherrscht. "Ich hatte keine andere Wahl, als sehr lange Arbeitstage hinzulegen!"

Die US-Website "Axios" hatte vor einer Woche Trumps vertraulichen Kalender für die vergangenen drei Monate veröffentlicht. Demnach wurden ganze 60 Prozent der Arbeitszeit des Präsidenten als "Exekutivzeit" eingestuft. Dies sind Phasen ohne durchstrukturierte Abläufe und Termine, in denen Trump telefonieren, frühstücken, twittern oder Nachrichtensender verfolgen kann. Meist stehen offizielle Termine erst gegen 11.00 Uhr oder noch später an.

Medien: Erstklässler haben es strenger

Die Terminpläne sorgten besonders bei Trump-kritischen Medien für Spott. Der Sender CNN warf mit Blick auf die Frisur und den Teint des Präsidenten etwa die Frage auf, ob Trump in den Stunden vor dem ersten Termin sein Haar frisiere oder Bräunungscreme auftrage. Wenn Trump nicht auf Reisen sei, wirkten die Terminpläne "weniger voll als die eines Erstklässlers".

"Wenn der Begriff Exekutivzeit verwendet wird, dann arbeite ich in der Regel und entspanne nicht", schrieb Trump nun. Diese Zeit müsse als "positiv, nicht negativ" angesehen werden.

"Executive Time" lässt sich sinngemäss mit "Chefzeit" oder "Führungszeit" übersetzen und ist als präsidialer Tagesordnungspunkt eine Erfindung von Trumps Weissem Haus. Trump meinte am Sonntag, die Medien hätten positiv über seine Terminpläne berichten sollen. "Wenn der Begriff "Executive Time" genutzt wird, arbeite ich in der Regel und ruhe mich nicht aus."

Oft schon vor 6 Uhr wach

Axios hatte berichtet, der Frühaufsteher Trump sei oft schon vor 6.00 Uhr wach. In den Zeitplänen sei meist die Zeit bis 11.00 Uhr als "Executive Time" aufgeführt, die Trump demnach im Oval Office verbringe. Trump sei nach Angaben von sechs Quellen in dieser Zeit aber nie in seinem Büro. Stattdessen sei er in der Residenz, schaue Fernsehen und lese Zeitungen. Dann reagiere er auf das, was er sehe und lese, und rufe etwa Berater, Freunde oder Kongressabgeordnete an. Häufig schickt Trump am Morgen auch Twitter-Botschaften in die Welt.

Trumps unkonventioneller Regierungsstil macht es schwierig zu definieren, wo die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit verläuft. Mit seinen Tweets beispielsweise macht er auf jeden Fall Politik, auch in der "Executive Time". Dennoch erscheint sehr fragwürdig, ob Trump - wie er nun behauptet - wirklich mehr arbeitet als die meisten seiner Vorgänger. Bekannt ist Trumps Hang zu Übertreibungen und zum Selbstlob. So behauptet er auch, dass seine Regierung in den ersten zwei Jahren mehr erreicht habe als alle zuvor.

Axios berichtete, der Terminplan von Präsident George W. Bush sei über Monate hinaus ausgebucht gewesen. Auch sei Bush immer ab 6.45 Uhr im Büro gewesen. Der Terminplan seines Vater und Vor-Vorgängers im Amt, George H.W. Bush, sei in Zehn-Minuten-Intervallen getaktet gewesen. Trumps Vorgänger Barack Obama habe an einem typischen Arbeitstag sechs Meetings gehabt.

Suche nach Leck

Auch Trumps Übergangs-Stabschef Mick Mulvaney nahm den Präsidenten in Schutz. "Die Exekutivzeit ist dazu da, sich auf das nächste Treffen vorzubereiten und das letzte Treffen nachzubereiten", sagte Mulvaney in der NBC-Sendung "Meet the Press". "Die Telefonate beginnen um 6.30 Uhr und gehen bis 23.00 Uhr." Trump arbeite also mehr, als was im Kalender festgehalten sei.

Dass die internen Terminpläne an die Öffentlichkeit gerieten, sorgte in den USA für Schlagzeilen. Trumps amtierender Stabschef Mick Mulvaney spielte das am Sonntag herunter. Die Inhalte seien ohnehin "nicht so vertraulich" gewesen, sagte er dem Sender Fox News. Rund 400 Menschen hätten Zugriff auf die Pläne. Dennoch suche man nach der Person, die die sie gesammelt und weitergegeben habe, sagte Mulvaney. "Ich hoffe, dass wir dafür in dieser Woche eine Lösung haben werden." (sda/afp/dpa)

11. Feb 2019 / 02:50
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