• Für Michael Wellenzohn ist Triesen der Ort, wo er abschalten und Energie tanken kann.  (pd)

«Wir wollen der führende Hersteller sein»

Michael Wellenzohn ist in Triesen aufgewachsen und hat seine Karriere bei der thyssenkrupp Presta in Eschen begonnen. Heute ist Wellenzohn Vorstandsmitglied bei Deutz und verantwortlich für die Bereiche Vertrieb und Marketing im Unternehmen.
Wirtschaft. 

Herr Wellenzohn, Sie sind im Vorstand von Deutz. Wie kamen Sie als Triesner zu diesem Unternehmen?
Michael Wellenzohn: Ich war 18 Jahre lang bei der thyssenkrupp Presta in Eschen tätig – zuletzt auch in der Geschäftsführung. In der Zeit waren die Gedanken einer neuen Herausforderung da und als mich ein Headhunter angesprochen hat, bin ich der Möglichkeit nachgegangen. Die Position im Vorstand bei Deutz, einem S-Dax-Unternehmen, hat mich gereizt. Bei Presta war ich zuständig für den Vertrieb, die Entwicklung und den Einkauf. Die Produktentwicklung und der Vertrieb bildeten schon immer den Schwerpunkt für mich, weil man dies in einem technischen Unternehmen nicht trennen kann. Wenn man von einem Produkt technologisch nichts versteht, ist man als Vertriebsmitarbeiter verloren. 

Sie sind bei Deutz für das Marketing und den Vertrieb verantwortlich. Was sind für Sie derzeit die grössten Herausforderungen?
Wir befinden uns gerade in der Vermarktung der Emissionsstufe V für Offroad-Maschinen, die kurz vor der Einführung steht. Die kommende Abgasnorm EU Stufe V ist besonders aufgrund des neu eingeführten Partikelanzahl-Grenzwerts eine grosse Herausforderung für Motorenhersteller, da dieser nur mit einem Dieselpartikelfilter (DPF) erreicht werden kann. Der Betrieb eines DPFs erfordert tiefgreifendes Know-how, denn abhängig davon, in welchem Gerät der Motor eingesetzt wird, liegen völlig unterschiedliche Lastprofile zugrunde. Unser Unternehmen hat über zehn Jahre Erfahrung im Einsatz der DPF-Technik und wir setzen diese schon heute serienmässig in unserer TCD Produktpalette ein. Beim Emissionsstufenwechsel werden daher keine Änderungen erforderlich sein, denn die aktuelle Deutz-Dieselmotorenpalette bleibt hinsichtlich der Baugrösse passend für das Kundengerät. Wir hatten schon im Jahr 2015 angekündigt, dass unsere aktuelle Motorengeneration die zu erwartende Stufe-V-Norm erfüllen wird. Dieses Versprechen haben wir gehalten, denn wir wurden im vergangenen Jahr mit dem weltweit ersten Zertifikat für die Abgasnorm EU Stufe V ausgezeichnet. 

Mit der Akquisition des Elektroantriebe-Spezialisten Torqeedo startet Deutz in die Elektrifizierung. Was ist der Kern der E-Strategie?
Die Übernahme der Torqeedo GmbH, Elektroantriebsspezialist im Bootsbereich, Ende September 2017, bildet den Nukleus unserer E-Deutz Strategie. Für uns ist diese Akquisition ein riesiger Technologiesprung nach vorne im Hinblick auf unser Ziel, der führende Hersteller innovativer Antriebssysteme zu werden. Aktuell befinden wir uns mitten im Aufbau unseres modularen Elektro- und Hybrid-Produktportfolios – natürlich in Abstimmung mit unseren Kunden. Hierzu führen wir derzeit sehr viele interessante und zukunftsorientierte Gespräche. 

Welche Marktchancen sehen Sie dafür bzw. ist der Markt reif dafür? 
Wir produzieren Antriebe für Offroad-Maschinen, wie Baumaschinen, Traktoren, Gabelstapler und viele mehr. In diesem Bereich ist die Elektrifizierung noch nicht so stark vorangeschritten. Die Wettbewerbsfähigkeit definiert sich hierbei generell über die Batteriekosten. Diese sind in den letzten Jahren immer weiter gesunken, wodurch natürlich die Marktchancen enorm steigen. 

Wie hoch sind denn die Investitionen in die Elektrifizierung, die Deutz tätigen will?
Unser Plan sieht eine Investitionssumme von 100 Millionen Euro vor. Wir haben schon einen wesentlichen Anteil davon in die Akquisition von Torqeedo investiert sowie in die Entwicklung eines modularen Produktportfolios. Dies ist jedoch erst der Start in Richtung Elektrifizierung. Für die Anwendungsbereiche, bei denen daraus ein wirtschaftlicher Kundennutzen resultiert, werden wir unser Produktangebot in zwei bis drei Jahren um Hybridantriebe und vollelektrifizierte Antriebslösungen ergänzen. Elektrifizierte Antriebe sollen in fünf Jahren fünf bis zehn Prozent unseres Umsatzes ausmachen.

Torqeedo ist ein Hersteller für Bootsantriebe. Wie schwierig ist der Technologietransfer? 
Torqeedo ist Weltmarktführer in der Elektromobilität im Bootsbereich. Der Elektromotor, die Leistungselektronik und das Batteriesystem definieren den Antrieb und bleiben in seinen Grundzügen gleich. Es gibt natürlich einige Details, die anders sind. Aber die umfassende Technologie-Kompetenz von Torqeedo hat uns überzeugt, da wir diese sehr gut auf unsere heutigen Kernmärkte übertragen können. 

Ist es Ihre Vision, der führende Hersteller in diesem Bereich zu werden? 
Mit der Torqeedo Technologie wollen wir zeitnah Offroad Anwendungen elektrifizieren und hybridisieren. Kurz gesagt: Wir wollen der führende Hersteller innovativer Antriebssysteme werden. Dennoch investieren wir aber auch weiterhin in saubere Hightech-Dieselantriebe. Zusätzlich werden wir aber künftig auch Antriebslösungen für alternative Kraftstoffe anbieten, wie z.B. Flüssiggas. 

Sie sagten, dass oft intensive Gespräche mit den Kunden nötig sind. Haben Ihre Liechtensteiner Wurzeln und die Mentalität dabei Vorteile? 
Der Liechtensteiner und Rheintaler ist schon eine eigene Spezies, die eine grosse Willens- und Schaffenskraft an den Tag legt. Der Entrepreneur-Gedanke ist im Rheintal sehr ausgeprägt. Zudem gibt es in unseren Breitengraden gute Ausbildungsmöglichkeiten, die es möglich machen, sich international gut etablieren zu können. Die Charakterzüge des Rheintalers sind nicht von Nachteil, um sich auch in einer Führungsposition behaupten zu können. 

Wie oft sind Sie noch in Triesen?
Meine Familie wohnt in Triesen und ich versuche daher jedes Wochenende in Liechtenstein zu sein. Das gelingt mehr oder weniger, denn tatsächlich bringt mein Beruf eine Reisetätigkeit von bis zu 60 Prozent mit. Daher ist das «Land» für mich ein Rückzugsort, um Freunde zu treffen, in den Bergen abzuschalten oder mit Freunden Rad zu fahren. (dal)

08. Jun 2018 / 06:00
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