• Kolibri Eismanufaktur, Wolfurt
    Wirtschaft regional: Unternehmensporträt Kolibri Eismanufaktur, Wolfurt  (Tatjana Schnalzger)

Über 400 Glace-Sorten kreiert

Seit sechs Jahren führt Katarina Rankovic die Eismanufaktur Kolibri in Wolfurt. In dieser Zeit hat sie diverse neue Sorten entwickelt und neue Standorte eröffnet. Zudem wurde ein Geschäftssitz in der Schweiz gegründet und Kolibri-Eis wird im Handel verkauft.

Wer von Ruggell aus nach Feldkirch fährt, kann an warmen Wochenenden bei Nofels an der Sparkassenkreuzung eine lange Schlange von anstehenden Menschen beobachten. Dasselbe beim Busplatz in Feldkirch. Der Grund dafür: Glace. Hergestellt werden die offensichtlich beliebten Eiscremes und Sorbets von Katarina Rankovic und ihrem Team.

Als die Lochauerin hörte, dass der Betreiber der Eisdiele Kolibri im vorarlbergischen Wolfurt nach einer Nachfolgeregelung suchte, hängte Katarina Rankovic 2014 ihren Job als Lehrerin an den Nagel und übernahm die Produktionsstätte mit Lokal. «Ich hatte schon immer den Wunsch, mich in der Gastronomie selbstständig zu machen», sagt die 39-Jährige zu «Wirtschaft regional».

Seit der Übernahme hat sich einiges getan. Neben der Filiale in Wolfurt sind weitere in Feldkirch und Nofels sowie diesen Frühling in Frastanz eröffnet worden. Zudem stehen vier mobile Eiswagen im Einsatz, mit denen flexibel weitere Standorte bedient werden können.

Mitarbeiter mit Eis überraschen
Seit diesem Jahr betreibt Kolibri auch einen Firmensitz in der Schweiz. Dieser liegt in Widnau. Für den Schweizer Ableger ist ein Eiswagen im Rheintal unterwegs, meist steht er beim Bahnhof Heerbrugg, gleich bei der Post. Auch an der Messe Rhema war Kolibiri mit dem Wagen präsent. Die mobilen Glaceverkaufsstellen kommen aber nicht nur an öffentlichen Plätzen und Veranstaltungen zum Einsatz.  

Mit den Glace-Mobilen werden auch Unternehmen besucht. So wurden kürzlich Mitarbeitende von Thyssenkrupp-Presta oder Swarovski von ihrem Arbeitgeber mit Eis verwöhnt. Eis-Catering nennt sich das bei Kolibri. Die Wagen werden auch für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern gebucht.

Kolibri neu im Detailhandel
In der Schweiz würde Rankovic gerne eine Filiale eröffnen. «Am liebsten irgendwo am Bodensee.» Sie habe aber noch keinen geeigneten Standort gefunden. Neu können Kolibri-Eisbecher in 200- oder 400-Gramm-Portionen auch im Handel gekauft werden. Seit Frühling sind sie in diversen Spar-Filialen in Vorarlberg erhältlich. «Spar war auf der Suche nach regionalen Produzenten für das Kühlregal», erklärt Rankovic über die Entstehung der Zusammenarbeit mit dem Grossisten. Auch Gastrobetriebe werden von Kolibri beliefert. So werden zum Beispiel im Bacio in Bendern oder im Altenbach in Vaduz Eiskugeln von Kolibri zum Dessert serviert. Auch das Glace-Bike in Buchs wird mit Eis aus Wolfurt beliefert.

Exotische Sorten im Angebot
Mit den diversen Standorten und Kunden aus Gastronomie und Detailhandel ist das Unternehmen in den letzten Jahren zünftig gewachsen. Mittlerweile arbeiten in den warmen Monaten rund 40 Personen für Kolibiri. Im Winter sind es jeweils noch eine Handvoll. Während der Saison werden «just in time» literweise Glaces produziert. Gelagert wird dieses nur kurz. «Das Eis wird in der Regel in der gleichen Woche in unseren Läden verkauft, in der Hauptsaison produzieren wir von Tag zu Tag, da lagert das Produkt kaum zwei Tage im Tiefkühler», sagt Rankovic. In den eigenen Eisdielen sind jeweils 24 Sorten im Angebot. Rund die Hälfte sind Standardsorten, der Rest sind saisonale Geschmacksrichtungen oder Tages- und Wochenspecials.

Kolibri ist bekannt dafür, auch exotische Sorten Glace anzubieten. So kommen immer wieder Brennnesseln oder Kräuter wie Basilikum oder Rosmarin in den Kreationen vor. Dabei kann Rankovic auf den Kräutergarten ihrer Mutter zurückgreifen, wo sie auch Inspirationen für neue Eissorten findet. Sowieso wird die Community gerne in den Entwicklungsprozess neuer Eissorten eingebunden. So können die Kunden Vorschläge für neue Sorten machen. Andere bringen Zutaten gleich selbst vorbei, die dann zu Saucenelementen im Eis oder zu Sorbets werden: «Oft kommt es vor, dass Stammkunden uns Obst und Früchte aus ihrem Garten bringen, dass wir dann zu Eis verarbeiten können», sagt Rankovic. Das ist ganz in ihrem Sinne, denn soweit möglich verwendet sie Zutaten aus der Region. Die Erdbeeren stammen während der Saison beispielsweise aus Gaissau.

Kein Parmesan oder Bärlauch
Grundsätzlich könne man aus allen Lebensmitteln Eis herstellen. Rankovic hat diesbezüglich schon viel experimentiert. Dabei sind auch Sorten entstanden, die es nicht in den Verkauf geschafft haben. «Parmesan- oder Bärlaucheis haben mir gar nicht geschmeckt», sagt Rankovic. Wie viele Rezepte sie hat, weiss Rankovic gar nicht genau. «Ich habe einmal 400 verschiedene Sortenschilder gezählt.» Die Rezepte sind nicht aufs Gramm genau aufgeschrieben, sondern eher rudimentär erfasst. «Bei uns ist die Herstellung von Eis handwerkliche Arbeit. Die Mitarbeiterinnen messen von Auge und Gefühl ab.» Es sei ein bisschen wie beim Kochen. Da es sich nicht um eine industrielle Produktion handelt, schmeckt dieselbe Eissorte auch nicht immer exakt gleich wie beim letzten Mal, als man es sich auf der Zunge zergehen liess. Als «Wirtschaft regional» vor Ort war, wurden gerade Wassermelonen in Stücke geschnitten und mit zerkleinerter Minze gemixt. Daraus entstand Wassermelone-Minze-Sorbet, welches später als Wochenhit angepriesen wurde. Die Sorten wechseln ständig. So gibt es regemässig auch ein Eis mit Schuss, zum Beispiel Gin-Tonic oder Aperol-Spritz. Auch von veganen Glaces gibt es diverse Sorten. Diese kommen auch bei Fleischessern gut an. «Interessanterweise schmeckt veganes Schokoladeneis, hergestellt mit Sojamilch, vielen Leuten besser als das konventionelle», sagt Rankovic. Beliebt sind auch Sorten, die an bekannte Produkte angelehnt sind wie Snickers, Bounty, Giotto, Toffifee, Almdudler oder Ovomaltine.

Für Weltmeisterschaft qualifiziert
Für die vielen Kreationen wurde das Unternehmen schon mehrfach ausgezeichnet. Am Gelato-Festival in Baden bei Wien landete Kolibri auf dem zweiten Platz unter Österreichs Eisherstellern und qualifizierte sich somit für die Weltmeisterschaft. Angetreten ist Kolibri mit der Sorte «Wolke 7». Dieses besteht aus Holunderblüten, die 72 Stunden in Fruchtmasse eingelegt werden, Minze, Zesten von Zitrusfrüchten sowie hausgemachte Erdbeersauce.

Publikumsvoting gewonnen
Auch bei Publikumvotings kann Kolibri punkten. So wurde das Unternehmen von den Lesern des Fachmagazins «Falstaff» zur besten Eisdiele in Vorarlberg gekürt. «Seine Stellung als beliebtester Eissalon des Ländles konnte die Eismanufaktur Kolibri aus Wolfurt eindrucksvoll unterstreichen», hiess es. Mehr als die Hälfte der Abstimmenden wählten Kolibri. Kürzlich gewann das Unternehmen auch das «Antenne Vorarlberg Hörervoting».

Und was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg bei Kolibri? «Wichtig sind frisch verarbeitete Zutaten sowie unser handwerkliches Geschick und die Leidenschaft und der Spass bei der Arbeit.» Zudem sei Ehrgeiz und ständige Weiterentwicklung wichtig. Und was sind eigentlich die Lieblingssorten der Chefin? «Das ist schwer zu sagen. Grundsätzlich alle Eissorten mit Kräutern drin oder Kolibri-Klassiker wie Snickers oder Mozartkugel.» (jeb)

20. Jul 2019 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)

Verwandte Artikel

Lesertrend
Meistgelesen
17. August 2019 / 11:31
16. August 2019 / 11:28
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
hierbeimir_Logo_basic
Zu gewinnen ein Gutschein im Wert von 20 Franken von hierbeimir
02.08.2019
Facebook
Top