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Skimieten rechnen sich selten

Nachdem Decathlon einen neuen Kampfpreis für Skimieten ankündigte, war die Aufregung gross. Doch regionale Skihändler bleiben cool. Sie sind sich sicher: Wer vergleicht, bleibt auch weiterhin beim Fachhändler.

Das Wetter wird langsam wieder garstiger. Das freut vor allem die vielen Skifans; sie hoffen auf den ersten Schnee. Schliesslich steht die Wintersaison schon gleich vor der Tür. Und damit für viele die Entscheidung: Kaufe ich einen neuen Ski oder soll ich einen mieten? Erst diese Woche kündigte Decathlon, der Käufer von Athleticum, einen Kampfpreis für die Saisonmiete von Skis an: Ab 111 Franken kriegt man ein Paar für die ganze Saison. Das ist rund 30 Prozent günstiger als bei der Grosshandel-Konkurrenz. Dort werden Ski ab rund 170 Franken angeboten. Dass der Markt um gemietete Skis umkämpft ist, zeigen auch verschiedene Medienberichte – vom «Beobachter» bis zum «Blick» sprechen alle von einem Boom bei gemieteten Ski. Es wird geschätzt, dass unterdessen jeder dritte Schweizer auf gemieteten Brettern die Hänge hinunterkurvt. Denn wer will (oder kann) sich heute noch eine Ausrüstung von über tausend Franken leisten? Das mag zwar plausibel klingen, erweist sich aber bei näherem Hinsehen nicht überall als richtig. Gerade das Rheintal entpuppt sich mehrheitlich als Ausnahme.

Nicht vom Preis blenden lassen

«Wir können bei uns in der Region nicht bestätigen, dass immer mehr Ski gemietet werden», erklärt Martin Tischhauser von Tischhauser-Sport, Weite. Das Fachgeschäft konzentriert sich seit Jahren nur auf den Skisport und bietet auch Saisonmieten an. «Derzeit beobachten wir eher das Gegenteil als einen Mietboom. Unsere Kunden kaufen wieder mehr Ski.» Das zeige sich auch im anstehenden Winter. Dennoch behält Tischhauser auch die Mieten im Angebot, trotz tieferer Konkurrenzpreise im Grosshandel. Schliesslich verdiene er an einem vermieteten Ski mehr als an einem verkauften. Auf die Frage nach dem Preisunterschied, beispielsweise zu Decathlon, winkt er ab. «Wichtig ist, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen.» Man müsse sich bewusst sein, dass man bei solchen Billigmieten keine gute Qualität unter den Füssen hat. «Die sind alle aufgeschäumt», meint Tisch­hauser und holt einen Kinderski. An diesem zeigt er, was damit gemeint ist: Bei einem guten Ski werden die einzelnen Schichten wie Holz oder Stahl verklebt, wobei es auch hier verschiedene Herstellungsverfahren gibt. Bei Kinderski und preisgünstigen Modellen wird hingegen zwischen Ober- und Untergurt Schaum eingespritzt. Dieser hat kaum Einfluss auf das Fahrverhalten und macht deshalb geübten Fahrern auch weit weniger Spass als ein geschichteter Ski aus verschiedenen Materialien. «Es ist beim Ski wie überall anders auch – man bekommt das Beste nicht zum billigsten Preis.» Als Fachhändler biete er nur hochwertige Ski an, was sich allerdings auch im Preis widerspiegelt. «Etwas anderes kommt mir auch nicht ins Haus, schliesslich dürfen die Kunden von einem Fachhändler auch eine entsprechende Qualität erwarten.»

Rechnen lohnt sich

Willi Dietiker von W&M-Sport in Vaduz geht es ähnlich. Auch er hat keine Angst vor der neuen Billigkonkurrenz. «Diese Preise haben viel mit Werbung zu tun.» Er selbst hat keine Saisonmieten im Angebot, nur für Kinder. «Bei Kindern und Jugendlichen macht es durchaus Sinn, einen Ski zu mieten. Bei Erwachsenen hingegen muss man gut rechnen, ob es sich tatsächlich rentiert, einen Ski zu mieten.» Im Schnitt halte ein Ski etwa hundert Tage. «Das bedeutet, dass wenn man an zehn Wochenenden auf den Ski steht und dazu noch Skiferien macht, ein Ski etwa fünf Jahre halten wird.» Bei vielen Skifahrern halte ein Ski sogar weit länger, zehn Jahre sind keine Seltenheit. «Macht es dann wirklich Sinn, pro Jahr über hundert Franken für einen billigen Ski auszugeben, der mal mehr, mal weniger passt?», fragt er rhetorisch. Ausserdem rentiere sich ein Kauf nicht nur finanziell, sondern auch für den Fahrspass. «Nach einer umfassenden Beratung kriegt ein Kunde den Ski nach seinen Bedürfnissen. Und nicht irgendeinen Mietski, der zufälligerweise noch im Lager rumliegt.»

Im Skigebiet ist es etwas anders 

Trotzdem wollen beide Fachhändler die Billigkonkurrenz nicht verteufeln, im Gegenteil. «Sie treffen einfach einen ganz anderen Kundengeschmack», erklärt Dietiker. Dort treffe man nicht die Ski-Freaks, sondern auf solche, die selten auf den Ski stehen. Das bestätigt Heiko Schmid von Beat-Sport in Wildhaus. Er vermietet viele Ski tage- und wochenweise. Vor allem an solche, die selbst nicht aus den Bergen kommen. «Hier haben wir viele Deutsche, Holländer oder auch Basler und Zürcher, die über das Wochenende oder die Ferien einen Ski brauchen.» Bei den Saisonmieten kann aber auch er keinen Boom ausmachen. «Einzig bei Kindern und Jugendlichen», so der Mann aus dem Skigebiet.  Der vielzitierte Boom von billig gemieteten Ski ist in der Region also nicht angekommen – und dürfte es wohl auch nicht. Schliesslich sind hier in den Bergen die Voraussetzungen immer noch anders als im Flachland. Ganz zur Freude der hiesigen Fachhändler.

26. Okt 2018 / 18:17
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