•  (Tatjana Schnalzger)

Mit Luft nach oben

Die Elgo Batscale produziert Sensoren und Magnetbänder, die in den höchsten Wolkenkratzern der Welt stecken. Nun will Firmengründer Helmut Grimm die Kapazitäten und die Zahl der Mitarbeiter erhöhen

Unter den Liftherstellern rund um den Globus herrscht Rekordfieber. Für neue Wolkenkratzer in Asien oder Amerika gehört ein halber Kilometer längst zum guten Ton. Die Aufzugbranche ist gefordert wie selten zuvor. 16 Meter pro Sekunde müssten es laut Helmut Grimm von der Firma Elgo Batscale in Balzers heutzutage schon sein. Bei den hohen Türmen, die steil in den Himmel ragen, ist das Tempo wichtig. Der schnellste Lift der Welt rast im Shanghai Tower mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde nach oben. 

In den Aufzügen des One World Trade Centers in New York geht es etwas langsamer zu. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von 36,72 Stundenkilometern. Doch woher wissen die Lifte, an welcher Stelle denn überhaupt das 99. Stockwerk von den insgesamt 104 Etagen liegt? Für die Messung der Position ist in dem 
541 Meter hohen Wolkenkratzer – dem höchsten New Yorks – eine Technologie zuständig, die von der Elgo Batscale aus Balzers stammt. Hier werden Magnetbänder und Sensoren für Lifthersteller aus aller Welt hergestellt. Zu den grössten Kunden zählen Schindler und Thyssen Krupp. 

Vor 20 Jahren gegründet
Rund um die Welt gibt es etwa 8000 Liftvarianten, die alle Systeme zur Positionsmessung sowie Sicherheitstechnik benötigten. Helmut Grimm hat die Elgo Batscale vor 20 Jahren in Balzers gegründet. Zu dem Zeitpunkt war der Ingenieur bereits als Unternehmer seit 1977 in Deutschland selbstständig, wo auch heute noch das Hauptwerk steht. In Rielasingen fertigen 115 Mitarbeiter ebenfalls Sensoren, allerdings für Antriebe, Maschinenbauer und für Automatisierungstechnik. Das Know-how für die Liftindustrie hat Grimm allerdings in Balzers aufgebaut. Denn einerseits gab es hier eine Firma, die Rollmeter herstellte und diese mit einer elektronischen Skala ausstatten wolle. Dieser Kunde war der Impulsgeber. Andererseits wollte Schindler alles aus einer Hand. So produziert die Elgo in Balzers für die grossen Aufzughersteller, aber auch für KMU-Betriebe auf der ganzen Welt. 65 000 Sensoren und 3,1 Millionen Meter Magnetband verlassen die Produktion in Balzers in diesem Jahr. «Das sind 3100 Kilometer – eine Strecke von hier bis nach Moskau», betont der Unternehmer. Die Umsatzkurve zeigt seit Jahren nach oben. Nur von 2008 auf das Jahr 2009 gab es ein kurzes Zwischentief. Heute erwirtschaftet die Elgo Batscale in Balzers einen Umsatz von 14 Millionen Franken pro Jahr. Der Umsatz der gesamten Gruppe liegt bei 47 Millionen Franken. 
 

Kapazität wird erhöht
Die Elgo Batscale in Balzers hat sogar eine Tochter in China, denn hier planen Kunden viele neue Projekte. Ob in Asien oder in Europa: In all den Jahren sind die zwei Millimeter dicken Magnetbänder gleich geblieben, doch die Anforderungen an die Sensoren haben sich verändert. Sie sind heute robuster und kleiner als je zuvor.  In Liechtenstein hat Helmut Grimm dafür gesorgt, dass die Kapazitäten in der Produktion noch erhöht werden können – auf 8 Millionen Meter Band pro Jahr. Aus gutem Grund: «Wir haben zwei weitere grössere Kunden in Aussicht», betont der Unternehmer. 

Wenn es den Aufzugherstellern gut geht, dann profitiert logischerweise auch die Elgo in Balzers. Der Auftragseingang und der Umsatz von Schindler stiegen zuletzt um je rund 10 Prozent auf 5,87 Milliarden Franken. In Lokalwährungen gerechnet betrug das Wachstum je rund 8 Prozent. Das macht Helmut Grimm zuversichtlich. Seine Prognose: 20 Millionen Umsatz wird die Elgo in Balzers schon 2019 erwirtschaften. Doch es gibt einen Wermutstropfen. «Wir müssen automatisieren», sagt der Unternehmer. Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben zu können, seien die Lohnkosten in Liechtenstein zu hoch – sogar höher als in der Schweiz. «Daher werden wir nicht proportional wachsen, aber wir werden die jetzige Mannschaft von 52 Mitarbeitern in Balzers um 14 Prozent steigern». Bald sollen schon bis zu 80 Mitarbeiter Magnetbänder und Sensoren in Balzers herstellen. Und es gibt noch ein zweites Problem. Es ist nicht ganz einfach für Grimm, seine Lehrstellen zu besetzen. 

Für sein Familienunternehmen sind aber Nachfolger bereits in Sicht. Die beiden Söhne Moritz und Felix Grimm sind schon seit Jahren im Betrieb tätig. Einer kümmert sich um die Finanzen und der andere als Ingenieur um das Technische, aber auch um den Vertrieb. Der Firmenpatron will den beiden das Ruder aber noch nicht ganz überlassen: «Es ist nicht so einfach, ein Unternehmen zu führen». Ängstlich dürfe man nicht sein. (Dorothea Alber)

14. Sep 2018 / 21:05
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