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    Mitarbeiter einer Eventagentur helfen einem Elektrounternehmen aus und überbrücken so die auftragslose Zeit zumindest vorübergehend.  (simonkr)

Mit Leiharbeit durch die Corona-Krise

Viele Firmen stehen ohne Arbeit da, bei anderen fehlen Hilfskräfte. Leiharbeit kann in dieser Zeit eine Lösung sein.

Die Corona-Epidemie stellt die Wirtschaft weltweit vor grosse Herausforderungen. Einige Betriebe mussten auf behördliche Verordnung hin ganz schliessen, bei anderen ist der Umsatz komplett eingebrochen. Doch es gibt auch jene Unternehmen, welchen die Corona-Krise viel Arbeit bringt: Beispielsweise im Onlinehandel oder auch in der Lebensmitteproduktion.

Aus diesem Grund suchte unter anderem der Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus 200 zusätzliche Mitarbeiter und startete einen Aufruf an Firmen, die wegen der Notlage keine oder zu wenig Arbeit haben. Galaxus bot an, die Mitarbeiter leihweise zu beschäftigen. Das Angebot wurde rege genutzt. Wie auf «digitec.ch» zu lesen ist, gingen mehr als tausend Bewerbungen ein.

Die Swiss Prime Pack AG in Altstätten sowie die Säntis Packaging AG in Rüthi, beide Verpackungshersteller und Zulieferer der Nahrungsmittelindustrie, suchen vorübergehend und befristet verschiedene Arbeitskräfte, wie sie gestern in einer Mitteilung schrieben. Auch in Liechtenstein ist die Leiharbeit zum Thema geworden und wird teilweise bereits eingesetzt.

Von der Eventagentur auf die Baustelle

Noch sind es die Klein-und Mittelunternehmen, die sich aushelfen, und dabei spielt der Solidaritätsgedanke eine grosse Rolle. So arbeiten momentan vier Mitarbeiter der Eventpartner AG als Leiharbeiter bei der Elektrofirma Gregor Ott AG. Durch das Veranstaltungsverbot sind die Aufträge beim Eventpartner, bei dem insgesamt acht Mitarbeiter beschäftigt sind, eingebrochen. Die beiden Geschäftsführer kennen sich und schnell war klar, dass man sich aushelfen will. «Ich habe noch genügend Arbeit. Und ich will mich solidarisch zeigen», sagt Christian Ott, Geschäftsführer der Gregor Ott AG. Sowohl er, wie auch der Geschäftsführer der Eventpartner AG, Jörg Gantenbein, betonen, dass es ebenfalls darum geht, den Staat zu entlasten und so einen Beitrag zur Krisenbewältigung zu leisten.

Die vier Mitarbeiter arbeiten seit vorletzter Woche als Leiharbeiter für die Elektrofirma. «Natürlich mit ihrem Einverständnis», betont Gantenbein. Sie werden vorwiegend als Hilfsarbeiter eingesetzt und begleiten jeweils einen Elektroinstallateur. «Es funktioniert sehr gut und entlastet meine Kollegen auch. Deshalb werden wir das Modell sicher bis Ostern weiter praktizieren», sagt Christian Ott.

Auch der Hoi-Laden in Vaduz greift auf das Modell zurück. Eine Mitarbeiterin hilft bis Ende April im Gemüseladen in Vaduz aus. «Auch wenn nur im kleinen Rahmen, wollen wir so unseren Beitrag leisten», sagt Inhaberin Cornelia Wolf.

Regierung begrüsst das Modell Leiharbeit

Wirtschaftsminister Daniel Risch begrüsst es, dass Unternehmen einander aushelfen. «Genau das braucht es in dieser Zeit: Dass man aufeinander zu geht und miteinander spricht und neue Wege findet», sagt er. Er betonte bereits in einer Medieninformation, dass Erleichterungen in Betracht gezogen werden, mit denen Personen aus der Gastronomie und anderen Branchen, die aufgrund der behördlichen Massnahmen nicht mehr arbeiten können, dem Personal in der Lebensmittelindustrie oder im Detailhandel aushelfen können. Das Thema sei immer noch aktuell, sagte er auf Anfrage.

Noch kein Bedarf in der Lebensmittelproduktion

Die zwei Lebensmittelproduzenten Hilcona AG und Ospelt AG kennen das Modell der Leiharbeit. Beide teilen auf Anfrage mit, dass zum jetzigen Zeitpunkt der erhöhte Arbeitsaufwand mit internen Verschiebungen bewältigt werden kann.   Die Ospelt AG schreibt, dass man sich die Leiharbeit grundsätzlich vorstellen könnte. «Es wäre allerdings genau zu prüfen, inwieweit die versicherungsrechtlichen und arbeitsrechtlichen Voraussetzungen eine solche Beschäftigung überhaupt zulassen», teilt die Ospelt AG mit.

Unkompliziert und ohne neue Verträge möglich

Arbeitsrechtich gesehen, ist es keine komplizierte Sache, Mitarbeiter zu verleihen oder Hilfskräfte auszuleihen. Laut dem Jurist Benedikt König, der auf Arbeitsrecht spezialisiert ist, muss allerdings der Mitarbei-ter sein Einverständnis geben. «Der Mitarbeiter hat das Recht, Nein zu sagen, falls er die Aushilfsarbeit nicht verrichten möchte.» Gibt der Mitarbeiter sein Einverständnis, läuft sein Arbeitsvertrag mit dem bestehenden Arbeitgeber weiter. Dieser stellt dann die Leistungen seines Mitarbeiters der Firma, welche die Hilfskraft in Anspruch nimmt, in Rechnung. «Ob Geld oder Sachleistung, spielt keine Rolle. Dies kann unter den beiden Arbeitgebern individuell ausgemacht werden.» Wichtig sei jedoch zu beachten, dass das Modell nur für eine beschränkte Zeit angewandt werden sollte. Denn für den gewerbsmässigen Personalverleih ist eine eigene Bewilligung erforderlich und es müssen zudem bestimmte arbeitsrechtliche Kriterien erfüllt werden. (manu)

01. Apr 2020 / 19:22
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