• Martin Meyer ITW Balzers 190605
    Martin Meyer ,ITW Balzers am 05.06.2019  (Daniel Ospelt)

«Einsprachen gehören zu unserem Geschäft dazu»

Martin Meyer ist Geschäftsführer der ITW-Gruppe, die ein Schwergewicht im Immobiliengeschäft ist. Er spricht über geplante Millionenprojekte, aber auch über das Casino in Balzers. Jenes soll in einem Gebäude der ITW realisiert werden.

Herr Meyer, gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit als Politiker vermissen?
Martin Meyer: Ich muss bei der ITW tagtäglich komplexe und herausfordernde Aufgaben lösen. Ich vermisse meine aktive Zeit als Politiker daher nicht, auch wenn ich sehr dankbar bin, dass ich mein Land zehn Jahre lang an vorderster Front mitgestalten durfte. Ich habe diesen Lebensabschnitt sehr gut in Erinnerung, sowohl die positiven als auch die negativen und schwierigen Ereignisse.

Was empfanden Sie als besonders schwierig?
Wir haben z.B. mehrere Reputationskrisen erlebt. Die grösste war jene im Jahr 2008. Als der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel damals vor laufenden Kameras in Deutschland verhaftet wurde, wurden wir von den Medien überrannt. Das war für alle Regierungsmitglieder eine schwierige Zeit, aber auch die späteren Umwälzungen auf dem Finanzplatz waren sehr fordernd. Genauso fordernd war das erste Sparpaket, da wir den Menschen im Land das erste Mal wehtun mussten, um das damalige Budgetdefizit von
300 Millionen zu stopfen.

Die schwierige Zeit hatten Sie 2013 überstanden. Dennoch trafen Sie die Entscheidung, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Warum?
Ich war mit 32 Jahren bereits Regierungsrat. Wenn ich meine Mitarbeitertätigkeit dazu zähle, dann war ich elf Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen im Regierungsgebäude tätig – als interimistischer Polizeichef oder als Stabsstellenleiter zum Beispiel. Nach elf Jahren wusste ich einfach, dass ich eine neue Herausforderung annehmen wollte. Ich vergleiche es gerne mit einem Spitzensportler, der sich nach seiner aktiven Karriere ein neues Leben aufbauen muss. Für mich war immer klar, dass es ein Leben nach der Politik gibt.

Sie sprachen den Spitzensport an. Sie waren als Leichtathlet erfolgreich. Warum war eine Sportkarriere für Sie keine Option?
Ich war tatsächlich ein begeisterter Leichtathlet und halte heute noch Junioren-Landesrekorde, was mich stolz macht. Es zeigt, dass wir damals in den Achtziger-Jahren gar nicht so schlecht waren (lacht). Obwohl ich den Sport leistungsmässig betrieben habe, hat es für eine Profikarriere als Spitzensportler effektiv nicht gereicht. Ich habe mich während meines Betriebswirtschafts-Studiums daher gegen eine Karriere im Sport entschieden und für eine Laufbahn in der Wirtschaft.

Nach einem längeren Abstecher in die Politik sind Sie in der Privatwirtschaft angekommen. Was beschäftigt Sie als ITW-Chef gerade am meisten?
Im Moment sind es zwei Hauptthemen. Zum einen die Weiterentwicklung des Mineralheilbads St. Margrethen und zum anderen ein Innovationszentrum in Chur namens «Swiss InnoQube». Auf 9000 Quadratmetern entstehen hier 300 Arbeitsplätze. Microsoft hat bereits angekündigt, dass sie in diesem Innovationszentrum im Bereich der künstlichen Intelligenz forschen möchten.

Die Rede ist von einem 30-Millionen-Neubau. Wie kam die Idee des Innovationszentrums zustande?
Es gibt schon länger Bestrebungen, den Standort Chur auch wissenschaftlich zu ertüchtigen. «Swiss InnoQube» hat einen professionellen Projektentwickler gesucht und so kamen wir ins Spiel.
Sie haben als zweites Projekt das Mineralheilbad angesprochen. Hier wird bald ein Hotel entstehen.

Konzentriert sich die ITW gerade am liebsten auf Tourismusprojekte in der Schweiz?
Unser Hauptgeschäft ist die Schweiz, weil der Liechtensteiner Markt äusserst begrenzt ist. Wir sehen als Projektentwickler nicht in allen Branchen Wachstumspotenzial, aber der Tourismus hat sowohl in der Schweiz als auch in Liechtenstein Nachholbedarf. Obwohl der Tourismus ein Geschäft mit einer sehr engen Marge ist, können sich Investitionen in diesen Sektor durchaus lohnen – wenn man diese langfristig betrachtet. Darum investieren wir auch.

Sie sagten, der Liechtensteiner Markt ist begrenzt. Ist er gesättigt?
Je nach Gemeinde gibt es einen gewissen Überschuss an Wohnungen. Wir stellen aber fest, dass dies meist alte Wohnungen sind. Neue und gute Wohnungen sind am Markt nach wie vor gefragt. Liechtenstein hat sich aufgrund der hohen Grundstückspreise zu einem Mietermarkt entwickelt. Bei den Gewerbe-Immobilien gibt es zwar einen gewissen Leerstand, dieser ist aber nicht dramatisch. Ein Leerstand zwischen vier und 10 Prozent ist überhaupt nicht besorgniserregend. Wir selbst verfügen über Entwicklungsflächen hier in Balzers, Triesen und Eschen. In Vaduz beabsichtigen wir, beim «Engel» ein Hotel zu realisieren. Unser Beitrag zur Zentrumsentwicklung wird sicher einen Mehrwert für Vaduz bringen.  

Sie haben Balzers angesprochen. Hier soll im Gebäude der ITW bald ein Casino eröffnet werden. Können Sie den Gegenwind durch die Anwohner nachvoll­ziehen?
Der Landtag hat sich für ein Bewilligungssystem entschieden, das mehrere Casinos im Land zulässt. Es steht daher auch jedem Betreiber frei, die notwendigen Investitionen zu tätigen und in letzter Konsequenz auch das unternehmerische Risiko auf sich zu nehmen. Das gilt auch für die Casinos Austria, die mit uns zusammen in Schaanwald bereits seit zwei Jahren ein Casino betreiben. Sie planen nun ein zweites Casino in Balzers, das aber nur halb so gross sein wird. Aus Sicht der ITW als Besitzerin dieser Liegenschaft spricht nichts gegen eine Partnerschaft. Ich habe aber Verständnis für die Anliegen der Nachbarn. Unsere Behörden werden die verschiedenen Argumente bewerten und diese Frage auf dem Verfahrensweg entscheiden.

Würde es Ihnen persönlich etwas ausmachen, wenn in Ihrer Nachbarschaft ein Casino eröffnet würde?
Persönlich hätte ich kein Problem damit. Ich habe jahrelang im Zentrum von Gamprin gewohnt, wo es nach der Eröffnung des Badesees auch zu deutlich mehr Publikumsverkehr kam. Ich habe aber Verständnis dafür, wenn sich in der Bevölkerung gewisse Bedenken einstellen. Wir wären durch ein Casino in Balzers mit mehr Verkehr und Lärm konfrontiert, aber dafür lassen sich Lösungen finden.

Viele sind überzeugt, dass sich der Casino-Markt eines Tages selbst regulieren wird. Haben Sie Angst, dass Casinos Austria in Balzers nur kurz zur Miete sein wird?
Nein. Wenn sich ein Betreiber für einen solchen Standort entscheidet, dann gehe ich davon aus, dass er mit einer Perspektive von fünf bis zehn Jahren plant. Alles andere macht hinsichtlich der Investitionen keinen Sinn. Alleine in Schaanwald hat der Betreiber 10 Millionen Franken in das lokale Gewerbe investiert. Die Frage der Konkurrenz stellt sich heute noch nicht, da es mit Balzers erst ein konkretes, neues Bewilligungsgesuch gibt und alle anderen Projekte noch unsicher sind.

Einsprachen der Bevölkerung haben ein Hotelprojekt der ITW in Wildhaus gestoppt und auch in Eschen beim «Kreuz» gab es Gegenwind. Wie gehen Sie damit um?
Wir sind nicht aus Zucker. Fragen, Kritik und Einsprachen gehören zu unserem Geschäft dazu. Bei einigen Projekten gelingt es uns, die Gegner zu überzeugen, und einvernehmliche Lösungen finden. Manchmal muss ein Gericht darüber entscheiden. Wenn wir der tiefen Überzeugung sind, dass ein Projekt einen Mehrwert bringt, dann versuchen wir es zu realisieren und nehmen dafür auch längere Verfahrenswege im Kauf.

Gibt es für das Hotel in Wildhaus einen Plan B?
Ja. Das erste Jufa-Hotel in der Schweiz soll nun nicht im Toggenburg, sondern in Savognin (Anmerkung der Redaktion: im Kanton Graubünden) in zwei Jahren eröffnen. Wir sind Projektentwickler.

Die ITW investiert viel. Wie sieht die finanzielle Situation der ITW aus – wieviel Umsatz schreibt der Betrieb?
Als Familienunternehmen geben wir keine Betriebszahlen bekannt. Unsere Investitionen belaufen sich aber auf einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr. Beim Mineralheilbad haben wir 30 Millionen in den Neubau sowie das Parkhaus investiert. Wir betreiben jenes im dritten Jahr nun sehr erfolgreich und glauben auch an den wirtschaftlichen Erfolg. Wie bei einem Hotel auch dauert es aber bis zu fünf Jahre, bis sich ein solches Projekt am Markt etabliert hat. Wir sind aber stolz darauf, die modernste Wellness-Infrastruktur der Region realisiert zu haben.

Die Investitionen in St. Margrethen sind damit aber noch lange nicht abgeschlossen ...
Nein, wir werden neben dem Heilbad ein Hotel bauen, mit Kosten von 18 Millionen Franken, und als letzte Ausbau-etappe wird ein Gesundheitszentrum entstehen. Insgesamt werden wir dann 60 Millionen investiert haben an diesem Standort.

Wie ist die Marktpositionierung des Gesundheitszentrums?
Geplant ist ein Bewegungszentrum. Wir denken an präventive Angebote, die zu einem Heilbad passen: Fitnesscenter, Physiotherapeuten, Ärzte und Massagen. Im präventiven Gesundheitsmarkt ist noch sehr viel möglich und die Menschen nehmen diese Angebote auch dankend an.

Ähnlich wie in Bad Ragaz?
Ja, man könnte sagen, dass es ein kleines Bad Ragaz ist. Doch die strategische Ausrichtung ist eine andere und auch das Preisniveau ist bis zu 40 Prozent niedriger als in Bad Ragaz.

Was betrachten Sie als grösste Herausforderung für die Zukunft der ITW?
Wir beobachten, dass Verfahren immer aufwendiger und komplexer werden. Es braucht heute viel mehr Vorbereitung, damit ein Projekt überhaupt realisiert werden kann. Die Regulierungsdichte nimmt zu – auch im Bau- und Immobilienbereich. (dal)

08. Jun 2019 / 09:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Cheering crowd at a concert
Zu gewinnen 2 x 2 Karten für das Seenachtsfest am Samstag, 6. Juli
17.06.2019
Facebook
Top