• Die Sigma Kreditbank übernimmt die Volksbank in Schaan. Die Fäden im Hintergrund zieht der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff.  (Ronald Zak)

Ein geheimnisvoller Milliardär und seine Geschäfte in Liechtenstein

Martin Schlaff ist einer der reichsten Männer Österreichs. Er steht hinter der Sigma Kreditbank in Triesen, die Kleinkredite an den Mann bringt und gerade die Volksbank in Schaan übernommen hat.

Als der österreichische Milliardär Martin Schlaff vor acht Jahren die Sigma Kreditbank  über seine Firmenkonstrukte auf die Beine stellte, war von Anfang an klar: Es sollte keine vornehme Privatbank sein. Stattdessen begann er Kleinkredite an den Mann zu bringen – schufafrei und damit ohne wirtschaftlichen Bonitätsnachweis. Von Triesen gehen diese Kredite an deutsche Kunden. Sie können sich bis zu 
7 500 Euro leihen, müssen dafür aber auch tief in die Tasche greifen. Der effektive Jahreszinssatz liegt bei 11,11 beziehungsweise 11,12 Prozent.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Schlaff – einer der reichsten Männer Österreichs – an ein solches Geschäftsmodell wagt. Über sein Firmengeflecht stand er auch hinter der St. Galler Fidium Finanz. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin untersagte der Firma 2003 zwar das Kreditgeschäft in Deutschland mangels Lizenz. Bis zu dem Zeitpunkt war sie aber sehr erfolgreich. Sie hatte 65 000 Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von rund 108 Millionen Euro vermittelt. 

Als Schlaff dann Liechtenstein als Standort für seine Kreditgeschäfte ausmachte, sollte dem Milliardär anfangs die Finanzmarktaufsicht des Landes einen Strich durch die Rechnung machen. Sie lehnte eine Bewilligung für die Sigma Kreditbank AG zunächst ab. Erst eine Beschwerde  führte zum Erfolg. Das Ziel der Kreditbank direkt nach der Gründung war es, 2000 Kleinkredite im Monat abzuschliessen. So zumindest lautete der Plan des damaligen Geschäftsführers.  

Übernahme der Volksbank

Inzwischen leitet Roman Ullmann die Sigma Kreditbank als CEO. Zur Strategie der Übernahme der Volksbank in Schaan kann er nur wenig sagen. «Es ist geplant, beide Institute als selbständige Banken weiterzuführen. Weitere Auskünfte zu diesem Geschäftsfall dürfen wir aufgrund der mit der Verkäuferin geschlossenen Vertraulichkeitsvereinbarung leider nicht geben», heisst es von seiner Seite auf Anfrage.
Erst Anfang Oktober wurde bekannt, dass die Sigma Kreditbank die Volksbank in Schaan gekauft hat. Die Aufsichtsbehörde muss der Übernahme noch zustimmen. Die bisherige Eigentümerin, die Volksbank Vorarlberg, wollte sich neu ausrichten. Dem Geschäftsbericht zufolge hat die Volksbank AG allerdings wesentlich zum Konzernergebnis der Volksbank Vorarlberg beigetragen. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 5,5 Millionen Euro. Im Vergleich dazu liegt jenes der Volksbank Vorarlberg bei 9,4 Millionen. Das Jahresergebnis beläuft sich auf 4,9 Millionen Euro (Volksbank Vorarlberg: 8,2 Mio.) 

Privatbank mit Voll-Lizenz

Mit der Übernahme des Geldhauses in Schaan kann Martin Schlaff seine Karriere krönen und seine eigene Privatbank mit Vollbanklizenz führen – zumindest indirekt über seine Firmenkonstruktion. Denn über eine solche verfügt die Sigma nicht. Ihre Teillizenz erlaubt das Verleihen von Geld. Jenes Geschäftsmodell läuft aber anscheinend erfolgreich, wie ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt. Der Jahresgewinn lag 2017 bei über 12 Millionen Euro. Die Forderungen gegenüber Kunden belaufen sich auf über 292 Millionen Euro. Das ist also der Nettoausweis der laufenden Kreditverträge. Eigentümer der Sigma ist mit 49,3 Prozent Stimmanteil die MSP-Stiftung, die von Martin Schlaff gegründet wurde. Jene wurde zuletzt auch ein Shareholder der Alfa-Bank in der Ukraine.

Der «einzige Oligarch Österreichs», wie ihn das Nachrichtenmagazin «profil» vor einigen Jahren nannte, ist kein unbeschriebenes Blatt. Etliche Medien sagem dem Wiener Geschäftsmann  beste Kontakte nach – in Richtung fast aller politischer Lager Österreichs. Macht und Einfluss sollen damit einhergehen. Mit einem Privatvermögen von geschätzten zwei Milliarden Euro reiht er sich unter die Reichsten der Reichen. Weil er die Medien scheut, zählt er auch zu den geheimnisvollsten Geschäftsleuten. Fotos des gebürtigen Wieners sind Mangelware, öffentliche Statements ebenso. Die Interviews, die er im Laufe seiner Karriere gab, lassen sich an einer Hand abzählen. 

Etliche Schlagzeilen 

Dennoch geriet er immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt erst im Sommer diesen Jahres. «Hat Milliardär Schlaff einen Topbeamten im Innenressort bestochen?», lautete die Schlagzeile der Zeitung «Standard». Die Justiz prüfe demnach, ob ein Anfangsverdacht vorliegt in der sogennanten Geheimdienstaffäre. Der Milliardär kommt nämlich bei den Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien ins Spiel – rund um die Ermittlungen gegen Michael Kloibmüller. Er war bis März 2018 Sektionschef und bis Dezember 2017 Kabinettschef im Innenministerium. Gegen ihn ermittelt die WKStA derzeit wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit. Wie aus dem Ermittlungsakt hervorgeht, soll er in seiner Zeit als Kabinettschef unter anderem «insgesamt 500.000 Euro von Martin Schlaff für die bewusste unsachliche Beeinflussung der Ermittlungstätigkeit des Bundesamts zur Korruptionsbekämpfung (BAK) in einem von der Staatsanwaltschaft Wien geführten Ermittlungsverfahren» genommen haben. Auf Anfrage von «Wirtschaft regional» heisst es, der Fall sei ein Verschlussakt. Daher könn die WKStA  keine Aussagen zu Martin Schlaff in diesem Zusammenhang machen. 

Begonnen hat Schlaffs Karriere mit der Handelsfirma Robert Placzek AG, einer Holz- und Papierhandelsgruppe. Schlaff soll verschiedenen Medienberichten zufolge gute Kontakte zu den Spitzen der DDR gepflegt haben und handelte vor allem im Osten. Nach dem Mauerfall kam der Verdacht auf, auch mit Technologietransfers und Geldwäsche für die DDR zu seinem nicht unbeträchtlichen Vermögen gekommen zu sein. Die deutsche Justiz stellte ihre Ermittlungen im Jahr 2000 ein, weil die Beweise dafür fehlten. Auch ein Projekt in Israel, wo er ein Casino-Projekt realsierte, ruft die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Auch hier gab es Bestechungsvorwürfe, aber keine Beweise. von Dorothea Alber

09. Nov 2018 / 18:40
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