• Katherine Broder, Heerbrugg
    Katherina Broder: Eine Frau mit Schlagkraft.  (Tatjana Schnalzger)

Mit voller Schlagkraft

Katherine Broder ist eine Powerfrau: Die Liechtensteinerin holte den schwarzen Gürtel, sie leitet einen Karate-Club, trainiert über 70 Kinder und ist Schiedsrichterin. Die 44-Jährige leitet zwei Teams mit fast 80 Mitarbeitern bei Leica Geosystems und ist damit eine Kämpferin in einer Männerdomäne.
 
«Wenn man nicht aufpasst, tut esweh», erzählt Katherine Broder (44) in der Empfangshalle von Leica Geosystems und lacht. Das Unternehmen ist in der Vermessungstechnik weltweit tätig und beschäftigt in Heerbrugg und Widnau knapp 1000 Mitarbeiter. Unter Architekten und Ingenieuren ist das Traditionsunternehmen weltweit bekannt für seine Vermessungslösungen. Katherine Broder leitet zwei Abteilungen mit jeweils fast vierzig Mitarbeitern. Wenn sie nach ihren Aufgaben gefragt wird, könnte sie sicher eine lange Liste herunterrattern. Kurz und knapp erklärt sie es aber so: Sie kümmert sich um die Produktentwicklung und um den Vertrieb. Doch der Reihe nach: Warum sollte das denn wehtun? Sie hat damit den Kampfsport Karate gemeint, den sie seit 25 Jahren ausübt. «Es war sehr viel Frust dabei bis zum schwarzen Gürtel.» Mental anspruchsvoll, so beschreibt sie den harten Weg. Sich gezielt auf eine Sache zu konzentrieren, das hat sie durch den Kampfsport gelernt, um sich im entscheidenden Moment auf den Wettkampf zu fokussieren, alle Gedanken auszublenden und blitzschnell zu entscheiden – für den Erfolg. 
 
Ganz ohne Karriereplan
Erfolg – den strebt Katherine Broder in der Karriere und beim Karate an. Sie bestritt drei Jahre lang Turniere und hat vor rund zwanzig  Jahren in Vaduz einen Karate-Club gegründet. Inzwischen hat sie sich zwar aus dem Wettkampf zurückgezogen, dafür unterrichtet sie aber selbst und ist für die Schweiz und Liechtenstein international als Schiedsrichterin tätig. Karate und Karriere sind in ihrem Leben eng verzahnt, weil sie über die Jahre hinweg viel vom Kampfsport für den beruflichen Alltag gelernt hat. Der Lebenslauf von Katherine Broder ist interessant, weil er gängige berufliche Klischeevorstellungen unterläuft. Es gibt viel mehr zu entdecken als die üblichen Gegensatzpaare wie «Frau in einer Männerdomäne». Und er zeigt auch, dass es noch immer möglich ist, sich Schritt für Schritt in einem Unternehmen hochzuarbeiten – auch ohne Universitätsstudium. «Ich hatte nie einen Karriereplan», verrät sie. Ursprünglich hat Broder eine KV-Lehre im Spital gemacht. Dann kam sie zu Hilti, für die sie unter anderem als Produktmanagerin tätig war. Mit knapp 30 wollte sie eine breitere Basis, drückte erneut die Schulbank und schloss eine berufsbegleitende Ausbildung als Marketingfachfrau ab. Als sie vor sieben Jahren zu Leica Geosystems stiess, war ihre Abteilung «etwas verloren», wie es die 44-Jährige nennt. Diese neu aufzustellen und das Geschäft neu definieren zu können, beschreibt sie als einen der schönsten Momente ihrer Karriere. «Etwas aufzubauen, gemeinsam im Team, und dabei Risiken einzugehen und Möglichkeiten zu ergreifen, das mag ich», erzählt Broder. 
 
Heute sind beide Geschäftsfelder, die einerseits Produkte entwickeln und auf der anderen Seite verkaufen, solid aufgestellt und für die Zukunft gerüstet. Für die Entwicklung eines neuen Produkts bis zu dessen Markteinführung benötigt Leica zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Eines der bekanntesten Produkte von Leica im Bausegment ist ein handgehaltenes Laser-Distanzmesser, mit dem sich in kürzester Zeit Distanzen, Flächen und Volumen ausrechnen lassen. 
 
«Bevor es gefährlich wird»
Karate hat ihr dabei im Berufsleben immer geholfen – vor allem in schwierigen Situationen. Es geht aber nicht darum, beim Sport den Kopf freizubekommen, sondern sie hat Lektionen fürs Leben gelernt. «Aufmerksam sein und eine Situation einschätzen, bevor sie gefährlich wird», ist eine davon. Katherine Broder erzählt ganz offen und frei von der Leber weg, wie sie der Karatesport geprägt hat. Dabei ist die Beobachtungsgabe wohl eines der markantesten Eigenschaften, 
denn dadurch hat sie ihre Sinne geschärft. 
 
«Ich gehe heute viel bewusster durchs Leben. Vor allem habe ich mich selbst besser kennengelernt». Kein Wunder, geht es beim Karate doch um Körperbeherrschung. Minutiös arbeiten die Kampfsportler daran, sich zu verbessern und zu perfektionieren. Wenn es um Gestik und Körperhaltung geht, benötigt Katherine Broder wohl keine Coachings oder Karriere-Trainer. Das alles hat sie durch ihren Sport gelernt – und noch viel mehr als das: Durch das Unterrichten von Karateschülern nimmt sie nochmals eine ganze Reihe von Eindrücken mit aus der Sporthalle. 
 
Zum Beispiel, wie man den schmalen Grat zwischen Härte und Geduld meistert. «Ein Drill-Instruktor macht dich kaputt», ist Broder überzeugt. Es brauche die richtige Mischung zwischen einer gewissen Härte und dem Schaffen eines Sicherheitsnetzes. «Nur wer sich sicher und aufgehoben fühlt, kann Risiken eingehen», sagt sie. Diese Maxime könne sie eins zu eins auf ihre Arbeit als Führungskraft übertragen. Die Parallelen sind kaum zu übersehen: Es gehe darum, das Potenzial von Menschen zu erkennen, von denen sie selbst gar nicht wissen, dass es in ihnen steckt. Es gehe auch darum, Menschen anzuschieben. «Es ist schön zu sehen, wenn mich ein Schüler überholt. Mein Ziel ist es, dass meine Schüler besser werden als ich.»  Es erfüllt sie mit Stolz, zu sehen, wie Kinder, die sie mit sechs oder sieben Jahren trainierte, heute in ihrem Verein, dem Karateclub in Vaduz,  Trainer sind und sich stark engagieren. 
 
Die Angst völlig verloren
Und wie könnte es auch anders sein: Durch Karate hat sie gelernt, ihre Grenzen auszuloten. Aber sie hat auch die Angst davor verloren, diese Grenzen zu überschreiten. «Sich selber spüren, sich selbst reflektieren», darum geht es in ihrem Sport und im Beruf. Die Liste an Dingen, die Katherine Broder vom Karate für den Beruf und das Leben gelernt hat, scheint schier endlos: Mit Druck umgehen, selbstbewusster werden, für etwas eintreten und einstehen, aber auch lernen, mit Konflikten und Niederlagen umzugehen. Sie hat keine Angst vor anderen Meinungen und davor, ihren Standpunkt zu vertreten. Keine unwichtige Eigenschaft in einem grösseren Unternehmen mit verschiedenen Kulturen. Seit 2005 gehört Leica zum schwedischen Hexagon-Konzern, einem führenden Hersteller von Messtechnik und Geoanalytik für den militärischen und zivilen Bereich. Seit dem Einstieg der Schweden ist Leica Geosystems von 2400 Mitarbeitern auf aktuell 4500 gewachsen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr knapp über eine Milliarde Franken. 

Karate wird olympisch
In diesem Betrieb übernimmt jeder seine Rolle als Zahnrädchen – die einen eine grössere, die anderen eine kleinere. Dort fühlt sich Katy, wie sie von Kollegen genannt wird, wohl.  Sie hofft, dass sie in Zukunft weiterhin alles unter einen Hut bekommt. Kinder hat die 44-Jährige keine. «Das war eine bewusste Entscheidung», erzählt sie. Dafür trainiert sie über 70 Karatekinder und auch Erwachsene. Ihr soziales Umfeld findet im Karate statt, der Verein ist längst zur Familie geworden – Einzelsport hin oder her. Doch Katherine Broder ist viel zu umtriebig, um all das Erreichte einfach nur so stehen zu  lassen. Ganz im Gegenteil: Sie will den Kampfsport in Liechtenstein und der Region weiter fördern. «2020 wird Karate zum ersten Mal als olympische Disziplin bei den Sommerspielen ausgetragen, die in Tokio stattfinden», erzählt Broder. Für den Sport ein wichtiger Meilenstein. Sie hofft, dass auch Liechtensteiner Karatesportler dabei sein können. Zudem arbeitet sie daran, für die nächsten Kleinstaatenspiele einen Nationalkader aufzustellen. Es ist also kein Wunder, dass sie selbst sagt: «Mir war noch nie langweilig im Leben.» Dass sie eines Tages den schwarzen Gürtel tragen würde, hätte sie im Traum nicht gedacht. Sie habe vor 25 Jahren ein Zeitungsinserat gesehen, hat den Sport ausprobiert und ist hängengeblieben. Inzwischen ist  Karate ein fixer Bestandteil ihres Lebens. (dal)
 
08. Jan 2018 / 15:06
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