•  (CHRISTIAN MERZ)

Goldener Scherbenhaufen

Der Goldpreis fällt seit vier Monaten in Folge und hat damit einen neuen Tiefstand erreicht. Auch wenn der Preis bald wieder steigen dürfte, so ist dennoch Vorsicht geboten. Es gibt Goldhändler, die ihre Kunden dreist abzocken – auch in der Region.

Der Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt eskaliert. Für Gold ist die Zeit trotz dieser Krisen offenbar noch nicht reif. Denn das Edelmetall verliert seit April noch rasanter an Wert als zuvor. Mitte April lag der Goldpreis noch bei 1358 Dollar pro Unze. Inzwischen notiert er knapp oberhalb von 1200 US-Dollar. Es ist ein neuer Tiefstand, der die Hoffnung vieler Anleger nährt, die Talsohle erreicht zu haben. Goldhändler werben für die grossen Chancen und den idealen Zeitpunkt, um in Gold zu investieren. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, das zeigt aber auch ein Unternehmen mit Sitz in Liechtenstein. So warnt das Konsumentenmagazin K-Tipp vor dem Goldhändler, der seit Jahren auf seiner Warnliste ist. 

Warnung vor Ruggeller Firma
Auf dieser Liste stehen Unternehmen, die Laien zu Investments verleiten, die zum Totalverlust führen können. Bereits vor Jahren warnte das Magazin in einem Artikel mit dem Titel «KB-Edelmetall blendet Anleger mit Gold». Anstatt Anleger reich zu machen, verloren jene ihr Geld. Der Frimengründer trichtere seinen Kunden ein, dass Sparanlagen in Gold und zwar in 1-Gramm-Stückelungen ideal seien: «Sie sind wertbeständig und lassen sich nach dem Finanzkollaps problemlos in Esswaren umtauschen.» 
Auf der Internetseite des Händlers mit Sitz in Ruggell heisst es sogar: «Von grossen Goldbarren werden Sie in Krisenzeiten nichts abschneiden können. Nur mit kleinen Einheiten bleiben Sie zu jeder Zeit handlungsfähig». Doch schon hier ist Vorsicht geboten. Auf der Internetseite verkauft der Firmeninhaber Mike Koschine ein Gramm Gold zum Tagespreis von 46 Euro, umgerechnet also etwa 53 Schweizer Franken. Der Tagespreis bei der Züricher Kantonalbank liegt hingegen bei 38 Franken  für 1-Gramm-Goldbarren. Hinzu kommt für Finanzexperten: Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis ist bei solchen Kleinsteinheiten am grössten. Doch damit nicht genug: Viele Kunden warteten in der Vergangenheit vergeblich auf ihr Gold oder ihr Geld. In der Schweiz, Deutschland und Österreich wurde gegen die KB-Edelmetall AG ermittelt – allerdings gegen den Schweizer Ableger mit Sitz in der Nähe von Luzern. Es bestand der Verdacht auf ein Schneeballsystem im Edelmetallhandel, wie die Schweizer Reklamationszentrale berichtet. Verärgerte Kunden sind die Klientel dieser Plattform. Jene warnt ebenfalls vor dem Unternehmen. Goldanlagen von Kunden seien entweder von Verwaltungsgebühren aufgefressen worden oder sie zahlten monatliche Summen ein auf das eigene Gold-Konto und bekamen aber nur einen Bruchteil davon wieder ausbezahlt. Die Beschwerden der Kunden erreichten auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, wie jene auf Anfrage bestätigt. 
Finma nimmt Händler vom Netz
Die Finma hatte eine Untersuchung gegen die Schweizer Firma KB Edelemetall eingeleitet. Der Verdacht: Entgegennahme von Publikumsgeldern. Diese Tätigkeit ist bewilligungspflichtig. Und Koschine hatte keine Bewilligung. Im Rahmen der Liquidation hat der von der Finma eingesetzte Liquidator festgestellt, dass die KB-Edelmetall GmbH offensichtlich überschuldet war, weshalb die Gesellschaft Insolvenz anmelden musste. Das Konkursverfahren wurde im Mai 2013 eröffnet, jedoch im Juni 2013 mangels Aktiven wieder eingestellt, da keine verwertbaren Vermögenswerte vorhanden waren. Die Anleger der KB-Edelmetall GmbH – mehrere tausend Kunden weltweit – erlitten einen Totalverlust. Mit Verfügung vom 5. Juli 2013 hat die Finma zudem festgestellt, dass auch die zweite Gesellschaft von Mike Koschine in der Schweiz, die KB AG, die Voraussetzungen für die Einhaltung der Geldwäschereibestimmungen nicht erfüllt, weshalb auch für diese Gesellschaft die Liquidation angeordnet und ein Liquidator eingesetzt wurde. Der Liquidator prüft zurzeit u.a. die finanzielle Situation der KB AG. Das alles hinderte den Firmenchef aber nicht, mit einer neuen Firma aktiv zu werden und die KB Edelmetall in Ruggel zu gründen. 
Wie die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) erklärt, hat die KB-Edelmetall GmbH auch hierzulande keine Bewilligung. Aber: Der Handel mit Gold stelle in Liechtenstein auch keine spezialgesetzlich bewilligungspflichtige Tätigkeit dar und bedarf somit keiner Bewilligung der FMA, wie die Aufsicht auf Anfrage erklärt. Personen, die mit Gütern handeln, unterliegen lediglich der eingeschränkten Aufsicht der FMA, soweit die Bezahlung in bar erfolgt und sich der Betrag auf 10 000 Franken oder mehr beläuft.
Falls Käufe getätigt werden, rät die FMA den Anlegern, die Vertragsbedingungen und die mit derartigen Angeboten verbundenen Nebenkosten (Abschluss- und Verwaltungskosten) genau zu prüfen und mit konventionellen Angeboten zu vergleichen. 

Firmen unter Beobachtung
Die Finma warnt auf ihrer Warnliste derzeit vor mindestens 13 Unternehmen, die möglicherweise ohne Bewilligung eine Tätigkeit ausüben, bewilligungspflichtig sind und unter die Aufsicht der Finma fallen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein stellte schon 2013 ein vermehrtes Auftreten von Unternehmen mit Domizil in Liechtenstein fest, die verschiedene Modelle zum Handel mit physischem Gold und anderen Edelmetallen entwickelt haben. Sie verkaufen diese Edelmetalle über das Internet oder über Vermittlerunternehmen, insbesondere im deutschsprachigen Ausland, und lagern diese anschliessend in schweizerischen oder liechtensteinischen Lagerunternehmen oder Banken ein.
Bei zahlreichen dieser Anlagemodelle erfolge der Verkauf von physischen Edelmetallen (einmalige Zahlung oder in Form sogenannter «Sparpläne») ohne tatsächliche Übergabe des Edelmetalls. Die FMA machte schon 2013 darauf aufmerksam, dass bei allfälligen Unregelmässigkeiten seitens des Verkäufers die Herausgabe des physischen Edelmetalls durch den Anleger, allenfalls gerichtlich, durchgesetzt werden muss. Auch Falschgold durch Internethändler ist ein Thema. In Deutschand wurde gerade aufgedeckt, dass auf Ebay etliche Händler wertlose Fälschungen verkaufen.

27. Jul 2018 / 19:07
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)

Verwandte Artikel

Lesertrend
Meistkommentiert
Meistgelesen
17. August 2018 / 17:51
18. August 2018 / 12:02
17. August 2018 / 17:46
Aktuell
18. August 2018 / 12:02
18. August 2018 / 08:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
30.07.2018
Facebook
Top