•  (Tatjana Schnalzger)

«Die Millionengrenze knacken»

Das Unternehmen «Alpenpionier» will den Hanfanbau in der Region wieder aufleben lassen. Die Gründer rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatz von über 200 000 Franken. Schon bald wollen sie bis zu 70 Hektar Lebensmittelhanf anpflanzen.

Herr Schütt, mit einem Ertrag von über 10 Tonnen haben die Alpenpioniere Lebensmittelhanf in den Alpen rekultiviert. Wie rentabel ist das Geschäft bislang? 
Emanuel Schütt: Bis Ende des Jahres erwarten wir einen Umsatz vom 220 000 Franken. Wir gehen davon aus, dass wir nächstes Jahr die Millionengrenze knacken können. Bis jetzt haben wir gut 4000 Flaschen Hanföl gepresst und und einige 100kg KinoHanf (geröstete und gesalzene Hanfnüsse) verkauft. Das Lager ist momentan fast leer, weil wir es geschafft haben, einen Grossteil der Produkte aus der Ernte vom vergangenen Jahr zu verkaufen. Wir erwarten dabei auch, dass wir das nächste Jahr das erste Plus einfahren können. 

Wie sind Sie und Ihre Geschäftspartner auf die Idee gekommen?
Angefangen hat alles damit, dass ein Freund von mir in Südeuropa unterwegs war und Hanfpulver- und Öl mitbrachte. Ich habe dann begonnen zu recherchieren. Hanf besitzt ein ideales Amino- und Fettsäureprofil für die menschliche Ernährung. Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen ist zudem stark gestiegen. Wir waren beeindruckt vom Potenzial und haben 2015 mit Maienfelder Bauern erste Anbauversuche unternommen. Zuerst war es nur ein Hobby, doch nach und nach begannen wir, das Projekt in einem grösseren Rahmen zu spinnen. Das Start-up ist auch durch den Ideenkanal in Liechtenstein gross geworden, deren Mentoren die Idee unterstützten. Eine erste Finanzierungsrunde folgte. 
Wir wollten in einer 45-tägigen Crowd­funding-Kampagne 120 000 Franken sammeln, um die Weiterentwicklung innovativer Produkte aus Lebensmittel-Hanf voranzutreiben. Schliesslich kamen bei der Kampagne 82 000 Franken zusammen. Geld, das unter anderem in die Produktentwicklung investiert wurde. 

Sind Sie weiterhin auf der Suche nach einem Investor?
Ja, aber sehr wichtig wäre uns, dass sich ein potenzieller Investor nicht nur mit Geld einbringt , sondern uns auch mit seinem Know-how, seiner Erfahrung und vor allem seinem Netzwerk unterstützen möchte. Ideal wäre natürlich ein Investor aus der Lebensmittelbranche. 

Wie viel Kapital würden Sie in einer zweiten Runde gerne nochmals einsammeln?
Wir würden uns eine halbe Million wünschen, die wir in den Vertrieb und in die Produktion investieren möchten. Unser Ziel ist es, eine eigene Produktion in der Region aufzubauen. Auch neue Produkte wird es geben, zum Beispiel soll nächstes Jahr ein Protein-Riegel mit Hanf auf den Markt kommen. Die Hanfblüte ist mit dem Hopfen verwandt und es lässt sich sicher auch ein sehr feines Bier produzieren. Wir haben dafür letztes Jahr mit einer Mikro-Brauerei erste Versuche gemacht. 

Also sind Sie auf der Suche nach einer regionalen Brauerei? 
Wir würden auf jeden Fall gerne mit einer Brauerei in der Region zusammenzuarbeiten. Sie sollte klein genug sein, um so etwas Innovatives mit uns zu wagen und gleichzeitig gross genug, um doch Masse zu produzieren. 

Bislang haben Sie noch keine eigene Produktion. Das Öl wird zum Beispiel von einem Lohnverarbeiter in der Ostschweiz gepresst und abgefüllt.
Wir haben Betriebe gesucht, die das Know-how und die nötigen Kapazitäten haben, um für uns zu produzieren. Aber die Idee wäre, dass wir innovative Kernprozesse selbst aufbauen und Produkte selber verarbeiten – zum Teil in Graubünden und vielleicht auch mit einer Produktion in Liechtenstein. 

Inzwischen gibt es auch einen Online-Shop. Wie schwierig ist es als junges Start-up übers Internet zu verkaufen?
Der Onlineshop ist noch ganz neu. Wir übernehmen die Logistik nicht selber, sondern wickeln alles über ein externes Lagerhaus ab. Die Bestellung geht direkt an das Lager und es wird dann verschickt. Uns war von Anfang an wichtig, dass ein Online-Versand nach oben skalierbar ist. Und es war auch von zentraler Bedeutung, dass wir einen Partner finden, der das Know-how und die Kapazitäten dafür hat. 

Möchten Sie die Anbaufläche demnächst nochmals deutlich vergrössern? 
Ja, wir haben ins Auge gefasst, dass wir im nächsten Jahr zwischen 50 und 75 Hektar anbauen. Dafür müssten die bestehenden Bauern grössere Flächen mit Hanf bepflanzen und wir müssten aber auch neue Bauern für das Projekt gewinnen.  

Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten bei den 35 Biobauern der Region, dass jene Hanf anpflanzen?
Nein, die meisten waren sofort dabei. Wir haben 2017 beschlossen, Hanf auf insgesamt 10 Hektar anzupflanzen – in Graubünden, St. Gallen und in Liechtenstein. Im Land bauen fünf Bauern für uns Hanf an. Wir haben dann verschiedene Landwirte angefragt und ich war selbst überrascht, wie schnell sie zugesagt haben. Gute Argumente für Hanf sind, dass es eine fruchtfolgeneutrale Pflanze ist. Die Kulturzeit ist kurz und die Pflanze ist robust sowie anspruchslos. Es gibt fast keine Schädlinge und Krankheiten. Das kommt uns zugute, weil wir Bio-Hanf produzieren und der Anbau von Alpenpionier vom Label Bio-Suisse zertifiziert ist. 

Sie sagten, Hanf ist proteinreich, robust und er wächst schnell. Angesichts der Tatsache, dass die Zahl Hunger leidender oder vom Hunger bedrohter Menschen weltweit dramatisch angestiegen ist, drängt sich eine Frage auf: Wäre Hanf als proteinreiche Pflanze eine grosse Chance, um gegen den Hunger zu kämpfen?
Ja, das wäre eine grosse Chance, weil das Potenzial riesig ist: Wir holen aus einem Hektar Hanf etwa gleich viel Protein wie aus einem Hektar Soja. Die Schweiz importiert jedes Jahr an die 300 000 Tonnen Soja – das meiste davon aus Brasilien. Der Soja-Anbau in Südamerika erfolgt unter problematischen Bedingungen für Mensch und Umwelt. Zusätzlich zum Protein, das wir aus einem Hektar gewinnen, können wir noch gleichzeitig Öl aus der gleichen Fläche gewinnen. 

Was steht als nächstes an bei den Alpenpionieren?
Wir suchen zwei Aussendienstmitarbeiter für den Vertrieb unserer Produkte. Wir zahlen uns selbst zwar noch keinen Lohn aus, wir möchten dennoch schon Arbeitsplätze schaffen. 

Was ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt?
Ich mag die Hanfpasta am liebsten, die wir zusammen mit der Nudelmanufaktur in Balzers herstellen. Auch der KinoHanf ist eine tolle Sache, den ich bei jeder Bergtour immer im Rucksack dabei habe. (dal)

06. Sep 2018 / 18:15
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