• Martin Naville, der Chef der Handelskammer Schweiz-USA, über den Plan von Trump, Steuern zu senken und gleichzeitig Schulden abbauen zu wollen.

«Und vorher will Trump noch die Gravitation abschaffen»

Martin Naville ist der Direktor der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer. Im Interview erklärt er, welche Achillesferse die Schweiz verletzlich machen könnte, warum der neue US-Präsident zum Teil realitätsfremd ist und welche Chancen die Trumpsche Politik bietet.

Herr Naville, Donald Trump twittert, droht und prescht vor: Ist das alles nur heisse Luft?
Heisse Luft würde ich das nicht nennen. Trump ist noch nicht in seiner Regierungsarbeit angekommen, sondern alles ist noch sehr stark an den Wählern orientiert. Sehr oft sind es nur Nebelkerzen, um zu zeigen, wie aktiv er ist und wie sehr er sich von allen anderen Politikern unterscheidet. Ich glaube, es ist schwierig zu sagen, dass alles Schwachsinn ist. Man sieht sicherlich einiges an Zielrichtungen und Wunschgedanken, aber vieles davon ist fernab jeder politischen Realität. 

Welche protektionistischen Ideen wird er nicht durchsetzen können? 
Er wird wenige davon durchsetzen können. Die Globalisierung läuft seit 300 Jahren und für Amerika hat diese in den letzten zehn bis zwanzig Jahren sehr viel Mehrwert gebracht im Sinne von billigen Produkten – gerade für seine Wähler, die bei Walmart einkaufen. Sie hat gleichzeitig sehr viele Jobs ins 
Land geholt. Man kann das System nicht einfach zurückdrehen. Vor allem die angedrohten massiven Grenzzölle auf Mexiko und China können in dieser Form nicht umgesetzt werden. Die Vorlagen dazu müssten durch das Parlament und das wird ganz schwierig. Auch bei NAFTA ist Trump bereits stark zurückgerudert: Er hat im Wahlkampf angekündigt, er werde das Abkommen sofort zerreissen. Jetzt wird es neu verhandelt. Das ist auch sehr sinnvoll, weil NAFTA bereits 20 Jahre alt ist und keinem modernen Handelsabkommen entspricht. Die Holzproduzenten, die Landwirte, aber auch die amerikanischen Firmen, die international aufgestellt sind, werden sich vehement für NAFTA einsetzen. Vieles wird politisch massiv abgeschliffen. Man kann aber davon ausgehen, dass es leicht protektionistischer werden wird – vor allem auf der Regulierungs- und Zulassungsebene. 

Hat die geplante Unternehmenssteuerreform mehr Chancen?
Es gibt nicht die eine grosse Reform. Es gibt einen Plan von führenden Republikanern im Repräsentantenhaus, es gibt daneben einen Einseiter vom Weissen Haus und dann gibt es noch viel Geschwätz im Senat. Ich glaube, es wird sicher eine kleine Steuerreform oder auch Steuersenkung geben. Die Elemente, die fast zwingend umgesetzt werden müssen, um eine interne Revolution zu verhindern, sind: Erstens die Senkung der Steuersätze. Amerika hat im Moment die höchsten Steuersätze der OECD. Zweitens der Übergang bei den Unternehmenssteuern von einer Globalbesteuerung zu einer territorialen. Und drittens dürfte es eine Teilamnestie zur Rückführung der Gelder geben, die im Moment im Ausland liegen. Diese drei Massnahmen werden mit grösster Wahrscheinlichkeit durchgesetzt. Bei der grossen Steuerreform, wie sie auf dem einseitigen Wunschzettel des Weissen Hauses steht, sind die allergrössten Bedenken angebracht. Es wird zum Beispiel davon gesprochen, dass Exporteure nicht besteuert werden oder es keinen Abzug der Schuldzinsen geben soll. Letzteres würde die Finanzmärkte komplett durcheinanderbringen. 

Trump peile einen Steuersatz von 15 Prozent bei den Unternehmenssteuern an. Wenn Trump die Steuern senkt, wird dann die ganze Welt mitziehen müssen?
Der Plan der Republikaner sieht 20 Prozent vor. Wahrscheinlich liegt die Realität irgendwo zwischen 20 und 25 Prozent. Alle anderen OECD-Länder sind schon tief darunter und werden daher kaum mitziehen müssen. England wird auch irgendwann einen neuen Steuersatz bekannt geben, um Druck auf Europa aufzubauen. Es wird aber sicher dazu führen, dass sich die amerikanischen Firmen, die ihre Hauptsitze ins Ausland verschoben haben und ihre juristischen Strukturen aufgebaut haben – mit dem Ziel, ihre Gewinne im Ausland zu behalten –, neu organisieren. Das bedeutet für Länder wie Irland, Luxemburg, Schweiz und Holland, dass solche Firmen und Funktionen vermehrt nach USA zurücknehmen werden.  (dws)

Am 27. Juni 2017 findet die Jahresversammlung der IFA-Liechtenstein sowie das Fachsymposium zum Thema: Erdbeben in der internationalen Steuerlandschaft statt. Martin Naville wird einer der Referenten sein. 

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Wirtschaft Regional»

09. Jun 2017 / 16:55
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