• Rainer Ritter in Mauren
    Rainer Ritter übernahm vor einem Monat von Noldi Matt das Amt des Wirtschaftskammer-Präsidenten. Der Garagist will sich für weniger Bürokratie einsetzen und die Entwicklung von neuen Arbeitszeitmodellen vorantreiben.  (Daniel Schwendener)

«Ein Freibetrag von null Franken wäre auch für die Feldkircher fairer»

Seit einem Monat ist der neue Präsident der Wirtschaftskammer Liechtenstein, Rainer Ritter, im Amt. Im Gespräch spricht er über seine ersten Tage im Amt, Massnahmen gegen den starken Franken und Digitalisierung im Gewerbe.

Herr Ritter, seit Kurzem sind Sie Präsident der Wirtschaftskammer. Ihre Nomination wurde aber nicht nur mit Begeisterung zur Kenntnis genommen. Sie sagten erst nach der verlorenen Landtagswahl zu. Warum?
Rainer Ritter: Ja, das stimmt. Um das zu verstehen, muss ich etwas ausholen. Ich war ja bereits Vorstandsmitglied in der Wirtschaftskammer, Lehrlingsobmann und Präsident des Autogewerbeverbandes. Ich war dann mal im Gespräch als Vizepräsident der Wirtschaftskammer, das hat sich allerdings nicht ergeben. Im vergangenen Jahr kam dann die Anfrage der VU, ob ich als Landtagskandidat kandidieren würde. Ich habe mir den Schritt reiflich überlegt und am Ende zugesagt, weil mich die Aufgabe reizte. Kurz nachdem ich meine Zusage an die Partei machte, verkündete mein Vorgänger Noldi Matt seinen Rücktritt. Und genau in dieser Phase zwischen meiner Zusage an die VU, aber vor der Verkündigung, kam die Anfrage der Wirtschaftskammer.

Sie haben sich dann für die Landtagskandidatur entschieden.
Ja, schliesslich hatte ich bereits zugesagt. Ausserdem hatte ich nicht erwartet, dass bei der Wirtschaftskammer solche Änderungen anstehen. Weil das Interesse der Wirtschaftskammer aber bestehen blieb, aber beide Ämter nicht gemeinsam zu vereinbaren waren, einigten wir uns darauf, den Ausgang der Wahlen abzuwarten und dann weiterzuschauen. 

Am Ende reichte es dann knapp nicht.
Ja, wegen fünf Stimmen ... (Lacht) Nichtsdestotrotz meldete sich am nächsten Morgen bereits Noldi Matt und wollte einen Termin mit mir. Es ging alles ziemlich schnell.

Das Präsidium der Wirschaftskammer ist demnach ein netter Trostpreis.
Das könnte man meinen – und es wird auch in verschiedenen Kreisen gemunkelt und verbreitet. Damit war leider zu rechnen. Fakt ist aber: Die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun, sondern sie haben sich einfach zeitlich überschnitten. Das ist purer Zufall. Von einem Trostpreis kann also keine Rede sein, im Gegenteil: Es ist ein ehrenvolles und spannendes Amt.

Dann wird sich das auch nicht auf Ihre Arbeit auswirken?
Nein, ich hoffe, dass sich die Gerüchte nach der Startphase in Luft auflösen. Die Wirtschaftskammer ist politisch ungebunden und setzt sich unabhängig für die Interessen des Gewerbes ein. Diesen Kurs werde 
ich 1:1 übernehmen. Wäre ich im Landtag politisch gebunden gewesen, kann ich mich hier auf Sachthemen konzentrieren, was immer mein Ansinnen war. Darauf freue ich mich.

Was für Sachthemen wären das konkret?
Das Wichtigste für uns sind optimale Standortbedingungen für das Gewerbe. Wir brauchen faire Steuern und möglichst wenig bürokratischen Aufwand. Liechtensteins grosse Stärke sind die kurzen Wege, wir können innerhalb kürzester Zeit viel erreichen. Genau diese Stärken brauchen wir für die Herausforderungen mit dem starken Franken oder der Digitalisierung. Ausserdem, und das ist eher ein verbandsinternes Ziel, möchte ich die Solidarität unter den Gewerblern fördern, sodass sie auch wieder Mitglied bei der Wirtschaftskammer werden. Schliesslich kommt unsere Arbeit allen Gewerblern zugute.

Sie haben die Herausforderung Frankenstärke bereits angesprochen. Dort gibt es auch allerhand Ideen, wie man darauf reagieren könnte. Eine davon ist die Senkung des Freibetrages. 
Wenn sich die Schweiz dazu entschliesst, dann müssen wir uns sofort anschliessen und mitziehen. Ich würde sogar auf null Franken Freibetrag runter.

Das wäre wohl etwas gar radikal.
Finde ich nicht. Weshalb soll der Liechtensteiner in Feldkirch günstiger einkaufen als ein Feldkircher? Das ist nicht fair, egal um welche Beträge es sich handelt. Wenn wir alles versteuern würden, käme das dem Staat zugute und würde wohl den Einkaufstourismus etwas eindämmen. Denn der Einkaufstourismus trifft uns leider empfindlich. Grundsätzlich aber gilt: Ein Absenken der Mehrwertsteuermindestgrenze auf 50 Franken ist sicherlich nicht das Allerheilmittel gegen den Kaufkraftabfluss. Aber es ist die Beseitigung eines staatlich inszenierten Wettbewerbsnachteils für den heimischen Detailhandel und somit ein starkes Bekenntins zum Standort Schweiz und damit auch zu Liechtenstein. (ags)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Wirtschaft Regional»

 

 

16. Jun 2017 / 16:55
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
Meistgelesen
21. Oktober 2017 / 03:50
21. Oktober 2017 / 14:15
21. Oktober 2017 / 15:20
Aktuell
21. Oktober 2017 / 03:50
21. Oktober 2017 / 00:38
20. Oktober 2017 / 22:31
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
28.09.2017
Facebook
Top