• Businessman walking up the stairs in the hallway
    Wer von aussen kommt, hat eine andere Sicht auf das Unternehmen. In vielen KMU ist der Verwaltungsrat zu einseitig besetzt. Bild: iStock  (Wavebreak Media LTD)

Der VR aus dem Netz

Mit ihrer Aussensicht sollten Verwaltungsräte ein Unternehmen strategisch weiterbringen. Doch meist werden die Ämter nur an engste Vertraute vergeben. Das bietet Potenzial für eine neue Onlineplattform.
Vaduz. 

Oswald Grübel ist kein Fan des Verwaltungsrats (VR). Dieser sei zwar das oberste Exekutivorgan in jedem Unternehmen, doch in Tat und Wahrheit sei der VR nichts weiter als «ein Gremium der ahnungslosen Aufpasser», stänkerte der Ex-UBS-Chef im April 2012 gegenüber der «Handelszeitung». Und der ehemalige Topbanker ging noch einen Schritt weiter: «Wir sollten den Verwaltungsrat darauf beschränken, die Geschäftsleitung zu bestimmen.» Grübel begründete diese Forderung damit, dass Verwaltungsräte sowieso nur das kontrollieren können, was sie verstehen. Und je komplexer die Geschäfte, desto einfacher werde es für die Geschäftsleitung, das Gremium zu umgehen.

Grübels harte Worte erstaunen insofern nicht, als dass er selber ein «gebranntes Kind» ist. Nicht zuletzt auf Druck des Verwaltungsrates musste Grübel im September 2011 seinen sofortigen Rücktritt als CEO der UBS bekannt geben. Was der gebürtige Deutsche nun als generelles Problem hierzulande darzustellen versucht, kann also durchaus auch ein gut verpackter Seitenhieb auf das damalige UBS-Gremium sein. Dennoch ist die Kritik Grübels, der selber kein VR-Mandat innehat, nicht aus der Luft gegriffen. Der Verwaltungsrat ist sicher kein zahnloses Ungeheuer, doch sind die Gremien in der Schweiz und Liechtenstein, was die Kompetenzen, die Diversität und die Komplementarität der Mitglieder anbelangt, meist zu einseitig zusammengesetzt.

Personalunion weitverbreitet

Dies trifft insbesondere auf die kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) zu, welche aber rund 98 Prozent aller Schweizer Unternehmen ausmachen. Auch von den rund 3500 Unternehmen in Liechtenstein sind mehr als 90 Prozent als KMU einzustufen. Insofern ist die Corporate Governance fast aller Unternehmen in der Schweiz und Liechtenstein noch optimierungsbedürftig. Der Grund dafür liegt in der Sitte. Traditionellerweise werden in KMU die prestigeträchtigen VR-Ämter nämlich bevorzugt innerhalb der Familie, an Freunde und Netzwerkpartner weitergegeben. Nicht die bestmögliche, sondern die am meisten vertraute Person wird ins Gremium berufen. Zudem wird bei mehr als der Hälfte der Unternehmen die Führung der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats an ein und dieselbe Person übertragen. Bei Kleinstunternehmen ist dieser Anteil mit 75 Prozent noch einmal deutlich hoher, wie eine aktuelle Verwaltungsratsstudie der Beratungsgesellschaft BDO AG und der Universität St. Gallen offenbart.
Dieselbe Studie zeigt aber auch, dass Verwaltungsräte rege gesucht werden. Seit 2002 stieg die Zahl der Board-Mitglieder kontinuierlich an. Im Durchschnitt zählt jedes KMU heute 3,7 VR-Mitglieder. Gleichzeitig ist das ohnehin bereits hohe Durchschnittsalter der VR-Mitglieder erneut gestiegen. Wenn man bedenkt, dass mit Abstand die meisten Verwaltungsräte altersbedingt aus dem Gremium ausscheiden, legt dies den Schluss nahe, dass der Bedarf an qualifizierten Exekutivmitgliedern weiter steigen wird. Sprich, irgendwann ist das eigene Beziehungsnetz ausgeschöpft, der Blick über den Tellerrand unabdingbar.

Internet-Suche als Marktlücke

«Die Notwendigkeit ist das eine, viele Unternehmen wünschen sich aber auch ausdrücklich weiteres Know-how und mehr Aussensicht im VR», sagt Dominic Lüthi, der im Rahmen seiner Masterarbeit «Optimale VR-Komposi­tion in Schweizer KMU» 322 Verwaltungsratspräsidenten zu dieser Thematik befragte. Diese Erkenntnis mündete beim im Toggenburg aufgewachsenen Wirtschaftsinformatiker in einer Geschäftsidee. Lüthi lancierte mit VRMandat.com die erste Onlinevermittlungsplattform für Verwaltungs-, Stiftungs- und Beiräte in der Schweiz. Er konnte damit eine Marktlücke besetzen. (hoy)

Mehr in der aktuellen Print- und ePaper-Ausgabe von «Wirtschaft regional».

31. Jul 2015 / 17:54
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